HOME

George Clooney auf der Berlinale: Erst Herzattacke, dann Gelüste aus Mexiko

George Clooney macht die Journalisten schwach. Einer erleidet im Kino einen Herzattacke, dann übertrumpfen sich andere in einer Pressekonferenz mit Peinlichkeiten. Der Star macht dazu gute Miene.

Von Patrick Heidmann

Dass George Clooney in den ersten Tagen der Berlinale sämtliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde, war - nachdem er seinen Besuch am Potsdamer Platz angekündigt hatte - eine Selbstverständlichkeit. Schließlich hatte selbst Festivalleiter Dieter Kosslick in sämtlichen öffentlichen Äußerungen stets zu allererst den berühmten Gast aus Amerika erwähnt. Doch damit, dass Clooney nach seiner Ankunft sogar für eine Herzattacke sorgen würde, hatte dann doch niemand gerechnet.

Ein Journalist im Krankenhaus, die anderen warten auf Clooney

Keine Stunde, nachdem am Samstagmittag die Berlinale-Pressevorführung von Clooneys fünfter Regiearbeit "Monuments Men - Ungewöhnliche Helden" begonnen hatte, erlitt einer Journalisten im Publikum einen leichten Herzanfall. Das Screening musste angesichts des medizinischen Notfalls sogar unterbrochen werden, wurde schließlich aber fortgesetzt. Der Mann, so verkündete später Kosslick persönlich, befindet sich inzwischen im Krankenhaus, es geht ihm den Umständen entsprechend gut.

Die tumultartigen Zustände vor der anschließenden Pressekonferenz wurden durch den Vorfall allerdings noch verstärkt. Schon weit vor Beginn standen die Medienvertreter in langen Schlangen vor dem Saal. Nicht unähnlich den Fans draußen vor der Tür versuchten viele, sich irgendwie an den anderen vorbeizudrängeln. Wer es hinein schaffte, stritt sich um die besten Plätze, stolperte über Taschen und Stühle, das Fotohandy natürlich längst gezückt. Und alles nur wegen Clooney. Dass der für die Europapremiere seiner mit Humor angereicherten Kunstraub-Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg auch Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Jean Dujardin und andere Schauspieler im Schlepptau hatte, mit denen er sich für die Fotografen sogar zu einer Polonaise hinreißen ließ, schien niemanden zu interessieren.

Anke Engelke sorgt für Pfeifkonzert

Erst als Clooney und Co. dann wirklich vor der Presse Platz nahmen, legte sich allmählich die aggressiv aufgeladene Stimmung im Saal. Kein Wunder, schließlich sah der Oscar-Gewinner auch in Berlin wieder blendend aus und verströmte von Sekunde eins an Charme im Überfluss. Selbst wer sein Honigkuchenpferd-Grinsen nicht sehen konnte - was angesichts zahlreicher, sich trotz Sitz- Aufforderung stehend drängenden Reporter viele gewesen sein dürften - ließ sich davon anstecken. Was auch daran gelegen haben könnte, dass Pressekonferenzen mit Clooney ein gewisser Ruf vorauseilt. Gute Laune ist eigentlich garantiert. Weil der Star als gewitzter Scherzkeks berühmt ist. Aber auch weil sich in seiner Gegenwart selbst die renommiertesten Journalisten zu den schlimmsten Peinlichkeiten hinreißen lassen.

Vor allem letzteres wurde nun auf der Berlinale eindrücklich unter Beweis gestellt. Heiratsanträge (die Clooney in der Vergangenheit schon von Männlein wie Weiblein bekommen hatte) blieben zwar dieses Mal aus, und die ersten paar Minuten wurden sogar brav Fragen zum Film gestellt. Selbst Matt Damon kam mal zu Wort. Doch spätestens als Anke Engelke, die sich unter das Publikum gemischt hatte, mit einer (womöglich abgesprochenen?) Frage nach der Filmmusik das gesamte Podium dazu brachte, die bekannte Melodie aus Prokofjews "Peter und der Wolf" zu pfeifen, waren die Dämme gebrochen.

Clooney - der rettende Sextraum der Mexikanerinnen

Eine Dame vom ZDF nutzte das ergatterte Mikrofon als Gelegenheit, minutenlang von ihrem eigenen Dokumentarfilm über den wahren Fall der "Monuments Men" zu sprechen, was für reichlich Unmut im Saal sorgte. Ansonsten standen mit einem Mal die absurdesten regionalen Befindlichkeiten zur Debatte, die nicht nur John Goodman gelegentlich die Lachtränen in die Augen trieben. Der Kollege aus Sachsen-Anhalt fragte nach dem Dreh im Harz, die Chinesin wünschte sich eine Grußbotschat für chinesische Volk, ein aus dem Sudan angereister Journalist bedankte sich für Clooneys Einsatz in Darfur und ein Belgier wollte wissen, ob man angesichts des Biers und der Frauen in seiner Heimat nicht auch dort hätte drehen können. Nicht zu vergessen die Brasilianerin, die sich ihrem Lieblingsschauspieler als Guide für die Fußball-WM anbot, und die Kollegin aus der Ukraine, die Clooneys Unterstützung der dortigen Demonstranten lobte und nach seiner seit "Ocean's Eleven" bestehenden Freundschaft mit den Klitschkos fragte.

Den Vogel schoss allerdings eine Mexikanerin mit folgender Aussage ab: "Mr. Clooney, wussten Sie eigentlich, dass viele Frauen sexuelle Phantasien mit Ihnen haben? Sie retten damit die geistige Gesundheit der Frauen auf der ganzen Welt. Vor allem in Mexiko!" Darauf wusste dann selbst der Angesprochene, der ansonsten auch noch den gröbsten Unfug mit schlagfertigem Witz pariert hatte, nichts mehr zu antworten- und sah aus, als würde er am liebsten im Erdboden versinken. Als nach 25 Minuten die Moderatorin trotz zahlloser ausstehender Wortmeldungen die letzte Frage und damit das Ende der Pressekonferenz ankündigte, tat sie das mit den Worten: "Sie werden mich sicher gleich umbringen wollen..." Dabei dürften in Wahrheit nicht nur Clooney und seine Kollegen zutiefst erleichtert gewesen sein, dass das bizarre Schauspiel endlich vorüber war.

s Neueste zum Thema Kino und Film (und zur Berlinale) finden Sie auf unserem Twitter-Kanal @stern_kino.

Patrick Heidmann