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Edeka und Kaiser's Tengelmann warnen: Fusionsverbot kann Tausende Arbeitsplätze kosten

Das Kartellamt hat eine Fusion von Edeka und Kaiser's Tengelmann verboten. Jetzt drohen die Supermarktketten mit dem Verlust von tausenden Arbeitsplätzen - und setzen die Bundesregierung unter Druck.

Die Supermarktketten Edeka und Kaiser's Tengelmann warnen vor dem Verlust von 8000 Arbeitsplätzen

Die Supermarktketten Edeka und Kaiser's Tengelmann warnen vor dem Verlust von 8000 Arbeitsplätzen

Die Lebensmittelhändler Edeka und Kaiser's Tengelmann drohen einem Bericht zufolge der Bundesregierung mit dem Verlust von tausenden Arbeitsplätzen, falls Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel den Zusammenschluss der Ketten nicht erlaubt. Gut die Hälfte der 16.000 Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann würde dann "sicher verloren gehen", berichtete der "Tagesspiegel" am Donnerstag unter Berufung auf den Antrag der beiden Ketten auf eine Ministererlaubnis.

In dem Antrag heißt es demnach, dass Kaiser's Tengelmann definitiv aus dem Markt ausscheide und - sollte die Übernahmen von 451 Filialen durch Edeka endgültig scheitern - sich nur für die "guten Märkte" Übernahmeinteressenten finden ließen. Neben den Arbeitsplätzen in den Filialen fielen dann auch Jobs in Lagerhäusern und Fleischbetrieben von Tengelmann weg. Kaiser's Tengelmann wollte sich auf Anfrage nicht zu den Inhalten des Antrags äußern; Edeka war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen

Arbeitsplatzverluste auch bei Übernahme

Der "Tagesspiegel" (Freitagsausgabe) berichtete zudem, dass das Bundeswirtschaftsministerium den Antrag auf eine Ministererlaubnis "wohlwollender als bislang angenommen" prüfe. Anfang April habe das Ministerium die Untersagung des Bundeskartellamts noch mit den Worten kommentiert: "Eine Ministererlaubnis steht für uns nicht zur Debatte." Nun sagte eine Sprecherin des Ministeriums demnach, dass die Äußerung "nicht inhaltlich" zu verstehen sei. Es sei dabei lediglich darum gegangen, dass "zum damaligen Zeitpunkt kein Antrag auf eine Ministererlaubnis vorlag". Auch das Ministerium war für eine Nachfrage zunächst nicht zu erreichen.

Wie das "Manager Magazin" am Donnerstag vorab aus seiner neuen Ausgabe berichtete, würden auch im Falle einer Übernahme "bei Weitem nicht alle Arbeitsplätze erhalten" bleiben. Längst nicht alle der Kaiser's-Tengelmann-Geschäfte seien zur Weiterführung als Supermärkte durch selbstständige Edeka-Händler geeignet. Bis zu 100 Läden werden demnach vermutlich an die Edeka-Tochter Netto Marken-Discount weitergegeben, die in ihren Filialen nur etwa halb so viele Mitarbeiter wie Kaiser's Tengelmann beschäftigt. Zudem plant Edeka laut "Manager Magazin" die Schließung der Tengelmann-eigenen Fleischwerke und Logistikzentren sowie der Mülheimer Hauptverwaltung mit zusammen mehr als 1000 Beschäftigten.

Gabriel muss binnen drei Monaten entscheiden

Das Bundeskartellamt hatte die Übernahme von 451 Tengelmann-Filialen mit rund 16.000 Mitarbeitern durch Edeka Anfang April verboten. Um die Fusion doch noch zu ermöglichen, beantragten die beiden Lebensmittelhändler eine sogenannte Ministererlaubnis. Gabriel hat noch etwa drei Monate Zeit zu entscheiden, ob er dem Kartellamt folgt oder die Übernahme doch noch genehmigt.

mod/AFP / AFP