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Frustrierendes Shopping: Kennen wir nicht! Haben wir nicht! Mein Horror im Elektromarkt

Einkaufslust wird schnell zum Einkaufsfrust, wie ein Besuch im führenden Elektronik-Markt beweist. Nach einem Nachmittag voller Ärger rettet nur der Kauf-per-Klick die gute Laune.

Das Einkaufsideal: Der engagierte Verkäufer berät eine Kundin.

Das Einkaufsideal: Der engagierte Verkäufer berät eine Kundin.

Was droht dem Mann, wenn er einmal beschäftigungslos im Haus abhängt? Hilfsdienste aller Art. Etwa: Schwiegermutter Inge will einen neuen Herd, denn der alte sieht "ja wirklich nicht mehr schön aus". Also raus aus der Sonne, runter von der Hängematte, die Schwiegermutter in den Kombi gepackt und auf geht es zu dem großen blauen Elektronikmarkt aus Deutschland. Angekommen in der Abteilung steht sogar ein Verkäufer zur Verfügung. Ein Pluspunkt - es ist ein Wochentag und 14.30 Uhr. Die Anforderungen sind schnell erklärt: Einbauherd, Standardmaße, keine Induktionsplatte, aber Selbstreinigung mit Pyrolyse, solide Mechanik. Muss nicht das Billigste sein.

Zum Glück gibt es Info-Tafeln

So weit, so einfach. Der Verkäufer im blauen Kittel ist ein netter Kerl, aber kein Haushaltsexperte. Die Sache mit der Pyrolyse hat er allerdings gut verstanden und erklärt uns das erwünschte Feature gleich drei Mal. Von seinen Geräten versteht er dafür nicht mehr als ich. Zum Glück ist an jedem Herd ein Schild befestigt, auf dem die wesentlichen Eigenschaften stehen. Der junge Mann beugt sich jeweils runter, auch sehr nett, denn die Schwiegermutter hat es im Rücken, und dann überträgt er das Abkürzungsstakkato auf dem Schildchen in ganze deutsche Sätze.


Das ist gut gemeint, aber wenig vertrauenserweckend. Leider beginnt er die Führung ausgerechnet in dem Gang mit den Induktionsgeräten und muss seinen Lobgesang mehrmals abbrechen, als der Teil mit der Induktionsplatte an die Reihe kommt. "Ach ja, das wollten wir ja nicht." Irgendwann haben wir dann ein passendes Gerät erreicht. AEG - vernünftiger Preis. Eigentlich wollte ich mir noch zwei Alternativen zeigen lassen, angesichts der geballten Fachkompetenz überspringe ich den Part mit dem kritischen Verbraucher. Ich gebe es zu, ich hatte auch den Hintergedanken "für Inge passt das schon".

Warten auf Godot

Obwohl kaum Kunden im Laden sind, wartet doch eine stattliche Schlange an der Kasse. Dann zur Warenausgabe im Parkhaus. Nach fünf Minuten ist das Gerät da oder zumindest beinahe. Denn der Mann am Schalter bemerkt zum Glück, dass uns nicht das richtige Paket heruntergeschickt wurde. Das, was da steht, ist auch von AEG, aber ohne Selbstreinigung und kostet fast genauso viel wie unser Gerät. "Das wollen Sie sicher nicht!" Wir müssten uns etwas gedulden, bis der richtige Karton komme. Also raus aus dem Kabuff und warten auf dem heißen Parkplatz. Es geschieht nichts. Nach zehn Minuten klingle ich erneut. "Der Kollege sucht noch." Grummel! Aber okay, gehen wir ein wenig Einkaufen im nahen Supermarkt: Milch, Tomaten und Mineralwasser kann man immer brauchen. 45 Minuten später heißt es: Sorry, das Gerät sei gar nicht am Lager, das könnten wir also nicht mitnehmen.

Inzwischen bilden sich Zornesfalten, der Nachmittag ist ruiniert. Inge ist fix und fertig - für sie war der Einkauf schon gelaufen, als eine andere Verkäuferin sie von "ihrem" Wunschgerät wegdrängte.

Nehmen Sie doch das schlechtere Gerät

Stornieren kann man den Kauf - aber natürlich nicht an der Warenausgabe, sondern nur an der Information drei Stockwerke höher. Einfach wegfahren geht nicht, schließlich wurde der nicht-existente Herd bereits bezahlt. Meine Laune ist inzwischen auf Induktions-Grill-Niveau angekommen.

Also umparken und wieder rein ins blaue Elektronikparadies. Die nächste Aufgabe: "Da müssen sie jetzt den Verkäufer suchen!" Erst ein ausgewachsener Wutanfall sorgt dafür, dass eine der Service-Damen für die Suche in den Tiefen des Geschäfts verschwindet. Nach einer Viertelstunde tauchen beide wieder auf. Bestens gelaunt, offenkundig hat der Fachverkäufer ein besseres Händchen mit jungen Frauen als mit Elektrogeräten. Tatsächlich sei das gewünschte Gerät nicht am Lager, aber er könne uns ersatzweise etwas anderes empfehlen. Richtig geraten! Den Herd zum (fast) gleichen Preis - dafür aber ohne Selbstreinigung.

Nein, danke! Nach weiteren zehn Minuten ist der Verkauf storniert. Endlich raus. Aber natürlich vorher noch die Parkgebühr bezahlten, sicherlich. 

Couch-Shopping 

Und dann das gemacht, was alle Einzelhändler fürchten: Wieder rauf auf die Hängematte und die gleiche Kiste im Netz bestellt - ein Klick und gut ist. Zwei Tage später ist der Karton da.