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ELEKTRONIK: ComROAD-Bilanzskandal weitet sich aus

Der Anfangsverdacht der Staatsanwaltschaft scheint zu stimmen: Offenbar existieren auch die Umsätze 1998 bis 2000 nicht wirklich. Prüfer KPMG kommt in große Bedrängnis.

Der Bilanzskandal bei dem Telematik-Anbieter ComROAD zieht immer weitere Kreise. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass auch die Umsätze in den Jahren 1998 bis 2000 zu einem Großteil nicht existieren, stellte ein Münchner Finanzexperte fest. »Wahrscheinlich sind Aktionäre, Analysten und der Aufsichtsrat von Anfang an betrogen worden«, sagte er. Anders als der Abschluss 2001 sind die Bilanzen vor 2001 von Wirtschaftsprüfern der Gesellschaft KPMG testiert worden. »Die Parallelen zum Fall FlowTex sind sehr groß«, sagte er. Aktionärsschützer hatten KPMG bereits am Donnerstag aufgefordert, ihre Rolle im Fall ComROAD umfassend aufzuklären.

Mandat niedergelegt

Die Wirtschaftsprüfer hatten ihr Mandat vor wenigen Wochen wegen des Betrugverdachts niedergelegt. Nach einer Sonderprüfung durch die Gesellschaft Rödl & Partner gab der neue ComROAD-Vorstand am Mittwoch bekannt, dass wohl nur ein Bruchteil des Umsatzes aus dem Jahr 2001 tatsächlich existierte. 98 Prozent des Umsatzes wurden hingegen über Geschäftspartner in Asien verbucht, die es anscheinend nicht gab. Die Münchner Staatsanwaltschaft sieht ihren Verdacht durch das Ergebnis der Sonderprüfung erhärtet. »Er hat unseren Anfangsverdacht bestätigt«, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Manfred Wick am Freitag in München.

Firmengründer sitzt in U-Haft

Die Wirtschaftsprüfer von Rödl & Partner sind nach eigenen Angaben zur Zeit dabei, die Bilanzen für die Jahre 1998 bis 2000 gründlich zu analysieren. Zu den Ergebnissen wollte sich ein Sprecher am Freitag nicht äußern. »Wir sind noch eifrig dabei, alles zu prüfen«, sagte er. Firmengründer und Ex-Vorstandschef Bodo Schnabel sitzt wegen des Verdachts des Kursbetrugs bereits seit Ende März in Untersuchungshaft. Seine Ehefrau Ingrid, die jahrelang im Aufsichtsrat des Unternehmens saß, wehrt sich gegen ihre Abberufung. Sie habe nicht an der Buchhaltung und der Erstellung des Jahresabschlusses mitgewirkt, teilte ihr Anwalt am Freitag mit.

Umstellung im Kontrollgremium

Zeitgleich mit der Veröffentlichung der Sonderprüfung hatte der Aufsichtsrat am Mittwoch angekündigt, sie aus dem Kontrollgremium abzuberufen. Dieser Beschluss ist nach Ansicht von Rechtsanwalt Kai-Udo Wiedenmann nichtig, da Ingrid Schnabel nicht mit abgestimmt hat. Es gibt auch keinen Grund für ihre Abberufung. Sie hat sich in der Aufsichtsratssitzung am 11. März nicht dagegen widersetzt, dass ihr Mann von seinem Posten als Vorstandschef abgesetzt wird. Dies zeige, dass sie trotz ihrer persönlichen Verbundenheit zu Bodo Schnabel zwischen dem Unternehmensinteresse und privaten Angelegenheiten trennen könne.

Bodo Schnabel hatte das Unternehmen 1995 gegründet. ComROAD hat sich auf Telematik-Netzwerke spezialisiert, welche die mobile Überwachung von Autos oder Lastwagen ermöglichen und für die Navigation oder zum Flottenmanagement verwendet werden können.