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EnBW-Chef Claassen: Millionenschwere "Frührente"

Der scheidende EnBW-Vorsitzende Utz Claassen soll Übergangszahlungen in Millionenhöhe erhalten. Aktionärsschützer kritisieren die Zahlung jahrelanger Übergangsgelder als unangemessen und fordern mehr Transparenz in den Unternehmen.

Die Regelungen rund um das Ausscheiden des EnBW-Vorsitzenden Utz Claassen haben eine Debatte über die jahrelange Zahlung von Übergangsgeldern entfacht. Der 44-Jährige soll einem Bericht des "Handelsblattes" zufolge einen Anspruch auf jährliche Zahlungen in Höhe von 400.000 Euro bis zum Jahr 2026 haben. Diese "Frührente" würde sich demnach auf sieben Millionen Euro summieren.

"Solche Zahlungen sind nicht angemessen"

Der Sprecher der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz, betonte, der Corporate-Governance-Kodex sehe zwar eine angemessene Vergütung vor. "Warum aber soll es angemessen sein, dass jemand über Jahre hinweg solche Zahlungen erhält", sagte Kurz der Deutschen Presse Agentur (DPA). Im Fall Claassen handele es sich um die Möglichkeit einer "19- jährigen Frühverrentung". "Hier sind Aufsichtsräte gefordert, wenn solche Verträge zu Lasten Dritter, der Aktionäre, geschnürt werden", sagte Kurz. "Zahlreiche Unternehmen machen in ihren Geschäftsberichten keine Aussagen zu Übergangsgeldern. Das ist nicht transparent und daher auch nicht im Sinne des Corporate-Governance-Kodex."

Das "Handelsblatt" hatte am Mittwoch aus einem Schreiben des EnBW-Aufsichtsratsvorsitzenden Claus Dieter Hoffmann zitiert, in dem dieser bestätigt, "dass Herr Prof. Claassen unmittelbar nach Beendigung seiner Tätigkeit für die EnBW Anspruch auf Versorgungsbezüge hat." Der 44 Jahre alte Claassen verlässt zum 30. September noch vor Vertragsende und nach eigener Darstellung freiwillig den Stromkonzern. Sollte er einen neuen Job antreten, würde sein Gehalt auf das Übergangsgeld angerechnet. Nach 2026 bekommt Claassen dem Bericht zufolge eine EnBW-Rente, die genau so hoch ist wie sein Übergangsgeld. EnBW lehnte auf Nachfrage eine Stellungnahme hierzu ab.

Bezahlung sollte sich an Leistung orientieren

Einer Kienbaum-Studie zufolge zahlen rund ein Drittel der 1500 deutschen Kapitalgesellschaften ähnliche Übergangsgelder. Laut "Handelsblatt" ist die Ausgestaltung aber sehr unterschiedlich. So zahle die Deutsche Bank nur sechs Monate Übergangsgeld. Andere Unternehmen befristeten es auf zwei Jahre oder zahlten nur, wenn ein scheidender Vorstand mindestens 55 Jahre alt sei.

Auch Arbeitsrechtler verurteilen laut "Handelsblatt" solche Abfederungen als unangemessen. Es sei keine Rechtfertigung dafür ersichtlich, einem Vorstand nach seinem Ausscheiden noch fast 20 Jahre lang sechsstellige Summen zu überweisen, sagte der Fachanwalt Alexander Burger von der Stuttgarter Kanzlei Kasper Knacke Wintterlin & Partner. Der Kienbaum-Vergütungsexperte Alexander von Preen meinte: "Die Bezahlung sollte sich an der Leistung und Tätigkeitsdauer orientieren. Was da bei der EnBW passiert, tut der gesamten Manager-Riege nicht gut und bedient unnötig den Neidkomplex."

DPA / DPA