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Wer blickt da noch durch? Chaos bei Energie-Labeln: Leck mich doch am A+++

Energielabel sind übersichtlich und verwirrend zugleich
Energielabel sind übersichtlich und verwirrend zugleich
© neirfy/Getty Images
Eigentlich sollten die Energielabel A bis G mehr Transparenz bringen. Doch inzwischen steigt niemand mehr durch den Etiketten-Dschungel. Und im neuen Jahr wird alles noch unübersichtlicher.

Energiesparen ist eine gute Sache. Die Stromrechnung drücken und dabei noch die Umwelt schonen, wer kann etwas dagegen haben? Deshalb war es eigentlich löblich, dass die EU vor 20 Jahren eine einfache Art erfunden hat, wie jeder Kunde im Laden auf einen Blick sparsame Haushaltsgeräte von Stromfressern unterscheiden kann. Inspiriert vom Schulnotensystem in Großbritannien und den USA erhielt jedes Gerät eine Note zwischen "A" (=Klimastreber) und "G" (=Umweltsünder). So einfach, so verständlich.

Doch über die Jahre hat der technische Fortschritt das System zu einem verwirrenden Label-Dschungel mutieren lassen. Denn die Buchstaben bedeuten überall etwas anderes. Während in manchen Gerätekategorien A nach wie vor eine gute Note ist, ist in anderen alles längst A+, A++ oder A+++. So gelten Waschmaschinen mit der Note A mittlerweile als sowas von outdated, dass man sie gar nicht mehr kaufen kann - vom Rest des Alphabets ganz zu schweigen.

Die Jagd nach dem Triple-Plus

Die Jagd der Hersteller nach dem Triple-Plus treibt außerdem seltsame Blüten. So verfügen moderne Waschmaschinen in der Regel über einen 60-Grad-Modus, der gar nicht mit 60 Grad wäscht. Um sich das Energielabel nicht zu zerschießen, waschen die Maschinen mit wesentlich geringeren Temperaturen als angegeben. Damit die Wäsche trotzdem sauber wird, dauert ein Waschgang dafür deutlich länger. Bei Kühlschränken wiederum misst man die Effizienz eines Gerätes im leeren Zustand, obwohl in der Praxis doch meistens etwas drin ist. Und bei Flachbildfernsehern ist das Effizienzlabel auch nur bedingt aussagekräftig, wenn der eingebaute Sound so schwach ist, dass man eine externe Soundanlage anschließen muss. 

In Brüssel hat man sich nun überlegt, die ganzen Plusse wieder abzuschaffen und auf die ursprüngliche A-bis-G-Skala zurückzugehen. Wobei für ein neues A dann wesentlich bessere Werte nötig sein werden, als für ein Neunziger-Jahre-A. Um das Problem zu umgehen, dass auch die neue alte Skala schon kurz nach Einführung wieder veraltet ist, sollen in manchen Geräteklassen die Klassen A und B zunächst leer bleiben, um Raum für den technischen Fortschritt zu geben. "Zukünftige Neuskalierungen sollten eine Gültigkeit von mindestens 10 Jahren anstreben und nur vorgenommen werden, wenn 25% der in der EU verkauften Produkte der höchsten Energieeffizienzklasse A entsprechen, oder wenn 50% der Produkte den ersten zwei Energieeffizienzklassen A und B zugeordnet werden können", fordert das EU-Parlament in bürokratischer Weitsicht.

Vor der Reform kommen die Reförmchen

Wann diese regulatorische Großtat in den Läden und damit beim Kunden ankommt, ist aber noch unklar. Da die Mühlen in Brüssel langsam mahlen, müssen sich die Verbraucher im Jahr 2017 auf jeden Fall noch ein bisschen mehr Energielabel-Durcheinander gefallen lassen. Die Verbraucherzentrale klärt über die Highlights der kommenden Monate auf:

  • Bei Fernsehgeräten, die bisher zwischen A+ und F einsortiert wurden, gilt ab dem 1. Januar 2017 das A++ als neue Topkategorie, wohingegen die bisherige Klasse F entfällt. Freiwillig dürfen die Hersteller auch schon die Skala A+++ bis D nutzen.
  • Bei Staubsaugern, die bisher ganz simpel zwischen A und G herumsaugten, reichen die Effizienzklassen ab 1. September 2017 von A+++ bis D.
  • Alten Heizkesseln, die bis 1991 hergestellt wurden, verpasst der Schornsteinfeger bei seinem Besuch im nächsten Jahr erstmals ein Effizienzlabel irgendwo zwischen A+ und G.
  • Neue Holzheizungen werden hingegen ab 1. April 2017 mit einem Effizienzlabel zwischen A+++ und G ausgezeichnet.
  • Und Warmwasserspeicher, die bisher die Bestnote A erreichen konnten, bekommen zum 26. September 2017 ihr erstes Plus spendiert - die Skala reicht nun bis A+.

A+++lles klar? Dann kann 2017 ja kommen.


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