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Staubsauger, Kühlschrank und Co. Wie Hersteller beim Stromverbrauch tricksen

Hersteller schummeln bei den Verbrauchsangaben bei Staubsaugern, Waschmaschinen und Co. 
Hersteller schummeln bei den Verbrauchsangaben bei Staubsaugern, Waschmaschinen und Co. 
© Picture Alliance
Wo "A+++" draufsteht, muss kein Stromsparer drin stecken: Die Angaben zum Stromverbrauch sollen eigentlich eine Orientierung für Kunden sein. Doch offenbar schummeln die Hersteller von Elektrogeräten bei den Angaben. 

Siegel und Label sind für Verbraucher sehr praktisch: Ein kleines Zeichen auf der Verpackung lässt sie schnell wissen, dass der Artikel fairtrade ist oder als Bio-Produkt zertifiziert wurde. Auch bei Elektrogeräten funktioniert das simple Etikettieren: Wer sich einen Kühlschrank mit dem Energieverbrauchswert "A+++" kauft, braucht sich mit Verbrauchswerten gar nicht auskennen. Das satte Grün suggeriert Umweltbewusstsein, sparsamen Verbrauch und das beruhigende Gefühl, etwas Nachhaltiges gekauft zu haben. Das Gerät mag dann vielleicht sogar ein paar Euro mehr kosten - aber dafür nimmt man eben auch nicht das warnende Gelb-Orange eines Effizienzklasse-B-Produkts. 

Kunden verlassen sich auf Herstellerangaben

Doch Fakt ist: Verbraucher haben kaum die Chance, den Verbrauchswert wirklich zu überprüfen. Ob der Staubsauger nun ein bisschen mehr Strom aus der Steckdose saugt, ist selbst mit einem kritischen Blick auf den Verbrauchszähler nicht zu erkennen. Kunden müssen sich also auf die Angaben der Hersteller verlassen. Doch die tricksen bei den Werten, wie nun die Stiftung Warentest gemeinsam mit der Umweltbehörde herausfand, berichtet das "Manager-Magazin".

Voller Staubsaugerbeutel erhöht den Stromverbrauch

So werden Staubsauger mit leerem Beutel getestet. Doch füllt sich der Staubbehälter, steigt in der Realität auch der Stromverbrauch. Die Saugleistung sinkt durch den vollen Beutel, also dreht der Motor stärker auf - und das zieht mehr Strom. Doch diesen Unterschied machen die Hersteller lieber nicht publik. Das Problem bislang: Es gibt keine konsequente Überprüfung der Herstellerangaben. Aufgrund ihrer eigenen Messungen erhalten sie das Verbrauchsetikett.

Kaum Kontrollen

Das bestätigt auch die Bundesregierung durch eine kleine Anfrage der Grünen-Politikerin Renate Künast, die dem "Manager-Magazin" vorliegt. Sicherlich gebe es Stichproben, die geprüft würden, heißt es dort weiter.Aber eine regelmäßige Prüfung durch Labortest gebe es nicht: Nur neun der 16 Bundesländer prüfen in unregelmäßigen Abständen. Und ob Konsequenzen folgen, wenn ein Hersteller bei den Angaben geschummelt hat, dazu äußert sich das Bundeswirtschaftsministerium nicht.

Keine Verbesserung für Kunden zu erwarten

Der Umweltbehörde Hamburg, die seit 2015 stichprobenartig Elektrogeräte testet, sind zumindest einige Hersteller bereits aufgefallen. Diese wurden kontaktiert und um Stellungnahme gebeten, schreibt das "Manager-Magazin". Offensichtlich scheint der Politik das Problem bekannt zu sein, denn ab 2016 soll die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung mit eigenen Labortests die Angaben der Hersteller überprüfen. Dem Verbraucher bringen diese Tests zunächst wenig, denn die Bundesregierung hofft dadurch "zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen, um bestehende Prüfmethoden weiterzuentwickeln", schreibt das "Manager-Magazin". Unklar bleibt, ob sich dadurch einheitliche Standardtests ableiten lassen - so, dass es für Hersteller deutlich schwieriger wird, zu schummeln.

kg

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