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Geld sparen mit grünem Strom: Diese Ökostrom-Tarife helfen der Umwelt wirklich - und diese nicht

Nicht jeder Ökostromanbieter bietet wirklich grüne Energie an. Doch für Verbraucher ist der Dschungel aus Zertifikaten und Gütesiegeln schwer zu durchschauen. Ein Wegweiser, um den passenden Tarif zu finden. 

Von Patrick Schwarz

Ein Kraftwerk steht hinter einer Wiese. Daneben steht ein Windrad.

Wie grün Ökostrom wirklich ist, können Verbraucher nur schwer durchschauen.

Wer zu Energieberaterin Birgit Holfert kommt, will Geld sparen. Gebäudedämmung, Solaranlage, Wärmepumpe - damit versuchen die meisten ihrer Kunden, Kosten zu senken. Dass Holfert in den Gesprächen auch den Wechsel zu Ökostrom empfiehlt, erstaunt viele. "Man glaubt immer, nachhaltige Energie wäre extra teuer", sagt die Beraterin. Aber das Gegenteil sei richtig.

Ein Preisvergleich im Internet bestätigt sie. Ein Berliner Zweipersonenhaushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr zahlt beim Grundversorger rund 1070 Euro für Normalstrom. Tatsächlich gibt es Ökostromtarife, die 250 Euro günstiger sind. Das ist kein Zufallstreffer. Sparpotenzial zeigt sich auch für zahlreiche andere Orte und Haushaltsgrößen.

Kurios: Selbst wenn man gar nicht explizit nach Ökostrom sucht, ist das günstigste Angebot ein Grünstromtarif. Wind- und Wasserenergie ist preiswerter als die aus Kohlemeilern. Wie kann das sein?

Ökostrom und der Handel mit Zertifikaten

tool-vergleichsrechner-stromFür jede produzierte Einheit Ökostrom erhalten die Versorger vom Gesetzgeber ein Zertifikat. So soll sichergestellt werden, dass der Strom auch wirklich öko ist. Der Trick dabei: Die Energieversorger können mit den Dokumenten handeln. Und Betreiber aus Norwegen und Österreich verkaufen ihre Zertifikate gern nach Deutschland weiter. Denn während hierzulande nur rund ein Viertel des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammt, ist dort Wasser- und Windenergie im Überfluss vorhanden. "So kann ein deutscher Versorger seinen Kunden Ökostrom anbieten – ohne je in erneuerbare Energie investiert zu haben", erklärt Joß Bracker vom Öko-Institut in Freiburg. "Er deklariert seinen Strom einfach mit dem ausländischen Zertifikat."

Augenwischerei statt Nachhaltigkeit

Das ist vollkommen legal. Und ziemlich billig: Gerade einmal rund 35 Cent kostet es aktuell einen Versorger, wenn er den Jahresverbrauch eines Zweipersonenhaushalts als Ökostrom anstelle von Normalstrom anbieten will.

"Der Betrag ist so gering, dass die Anbieter lieber ein paar Cent weniger verdienen, aber dafür angebliche Naturenergie vertreiben", sagt Udo Sieverding, Bereichsleiter Energie bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "So können sie leichter Kunden gewinnen und halten." Nachhaltiger wird die Energieproduktion in Europa durch die Umverteilung der Zertifikate nicht. "Damit einen ökologischen Nutzen zu verbinden ist Augenwischerei", so Sieverding.

Wo finden Verbraucher echten Ökostrom?

Wahre Naturstromanbieter halten sich vom reinen Zertifikathandel fern und investieren in nachhaltige Projekte. Wer Strom von einem echten Ökounternehmen geliefert bekommt, erhöht den Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtnetz. Denn die Kilowattstunden, die ein Haushalt dem großen deutschen Stromteich entnimmt, müssen wieder mit Naturstrom aufgefüllt werden.

Wie aber lassen sich wirklich nachhaltige Versorger von vermeintlichen unterscheiden? Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox werfen Hunderte Tarife aus. Ein Hilfsmittel sind Produktsiegel, etwa das "Grüner Strom"-Label der deutschen Naturschutzverbände und das "OKPower"-Siegel des Öko-Instituts. Versorger mit Gütesiegel nehmen pro Kilowattstunde zwischen 0,2 und 0,5 Cent mehr, die sie direkt in den Ausbau neuer, effizienter Kraftwerke stecken.

Geprüfte Anbieter sind teurer

Wer bei seiner Ökostromsuche nur geprüfte Anbieter berücksichtigt, muss sich allerdings von Tiefstpreisen verabschieden. Für einen Zweipersonenhaushalt liegt der günstigste Ökostrom-Tarif dann nicht bei 820 Euro, sondern circa 80 Euro darüber. Im Vergleich zum Standardtarif des örtlichen Versorgers lassen sich aber noch immer 170 Euro sparen.

Eine recht eigenwillige Definition von Grüner Energie hat übrigens Maxatomstrom. Die Kunden bezahlen dafür, dass ihr Verbrauch garantiert komplett aus Nuklearanlagen ins Netz eingespeist wird. Das ist im Berliner Beispielfall teurer als mit den Empfehlungen von Beraterin Holfert.