Erfolglose Investor-Suche Kaum Trauer um Arcandor


Die Suche nach einem Investor für den gesamten Konzern war erfolglos. Arcandor wird nun wohl zerschlagen. Für die einzelnen Unternehmen muss das kein Nachteil sein. Kaufhof ist an etlichen Karstadt-Häusern interessiert. Bei Quelle erhofft man sich sogar Verbesserungen.

Der Kunstname Arcandor verschwindet so schnell von der Bildfläche wie er vor ein paar Jahren vom erfolglosen Vorzeigesanierer Thomas Middelhoff eingeführt wurde. Für einen Neuanfang hatte der Konzernlenker den Namen KarstadtQuelle ausgelöscht. Jetzt droht Arcandor die Löschung aus dem Handelsregister. Middelhoff erlebt den bodenlosen Fall zumindest als Vorstandsvorsitzender nicht mehr mit. Er hat das sinkende Schiff rechtzeitig verlassen, nachdem seine Strategie, die Immobilien zu verkaufen und zurückzumieten sich als teurer Rückschlag erwiesen hatte. Middelhoff muss sich allerdings für private Immobiliengeschäfte um Karstadt-Häuser noch bei der Staatsanwaltschaft rechtfertigen.

Den Scherbenhaufen konnte auch Middelhoffs Nachfolger Karl-Gerhard Eick nicht mehr kitten. Er kann nur noch mit dem Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg versuchen, die Reste zusammenzuhalten. Die rund 40.000 von der Insolvenz betroffenen Angestellten dürfte nun brennend interessieren, wie sie das anstellen wollen. Die Handelstöchter Karstadt Warenhaus AG mit 90 Kaufhäusern und mehr als zwei Dutzend Sporthäusern und Primondo mit dem Flaggschiff Quelle sollen nach dem Willen von Eick und Görg erhalten bleiben.

Quelle-Betriebsrat befürchtet keine Nachteile

Die Zerschlagung des Dachgerüstes Arcandor AG scheint ohnehin nicht alle zu schrecken. Quelle-Betriebsrat Ernst Sindel äußerte sich sogar erleichtert. Er befürchtet von der bevorstehenden Auflösung der Holding keine Nachteile für das Fürther Versandunternehmen. "Das hat nie so richtig funktioniert", sagte er. Schon der Zusammenschluss von Karstadt und Quelle sei ein strategischer Fehler gewesen.

Ob seine Hoffnung erfüllt wird, dass die Primondo-Gruppe mit Quelle sowie den Spezialversendern und Dienstleistern zusammenbleibt, hängt letztlich von neuen Geldgebern oder einem Konkurrenten ab, der einsteigt. Ob ein Otto Versand sich aber nicht lieber einzelne Stücke aus dem Kuchen schneidet, bleibt abzuwarten.

Kunde wird zunächst nichts bemerken

Auch Kaufhof ist nur an einem Teil der Warenhaus AG interessiert. 60 der 90 Häuser will Metro-Chef Eckhard Cordes mit seiner Tochter Kaufhof verschmelzen. Die neben den 90 Karstadt-Häusern bestehenden 28 Sporthäuser interessieren Cordes offenbar nicht. Hierfür käme wieder Otto mit der Sport Scheck-Kette infrage. Das würde aber wieder eine Zerschlagung der Töchter bedeuten.

Vom Arcandor-Aus wird der Kunde zunächst kaum etwas mitbekommen. Die Geschäfte laufen ebenso weiter wie schon bei Antragstellung auf Insolvenz. Die Läden bleiben geöffnet. Der Versandhandel verschickt weiter Ware. Beim Versandhaus Quelle läuft der Betrieb nach Sindels Worten weitgehend normal. Das Geschäft sei seit einigen Wochen - sprich nach der Aussendung der Kataloge - stabil und sehr zufriedenstellend.

Wolfgang Dahlmann/DPA DPA

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