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Erneuerbare-Energien-Gesetz Netzgebühren treiben Strompreis noch höher


Nächster Preisschock für die Verbraucher: Die Betreiber von Stromnetzen planen Entgelterhöhungen um bis zu 23 Prozent. Sie werden auf die steigende Ökoenergieumlage aufgesattelt.
Von Michael Gassmann

Den Stromverbrauchern droht 2013 neben der hochschießenden Umlage für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ein weiterer Treibsatz für den Strompreis. Die Betreiber von Stromnetzen planen Entgelterhöhungen um bis zu 23 Prozent. Das geht aus einem ersten Überblick des Energieanbieters Lichtblick hervor. Die Bundesnetzagentur bestätigte, dass es einen steigenden Trend gebe. Im Durchschnitt liegen die Erhöhungsraten für Haushalte mit 3000 Kilowattstunden Jahresverbrauch laut Lichtblick bei knapp zehn Prozent - deutlich mehr als vermutet. "Im Windschatten der EEG-Debatte drehen die Netzbetreiber kräftig an der Preisschraube", kritisierte Lichtblick-Chef Heiko von Tschischwitz.

Die Netzgebühren machen fast ein Viertel des Endverbraucherpreises aus. Wie die EEG-Umlage werden auch höhere Netzkosten - möglicherweise nach einer gewissen Schamfrist - in voller Höhe an die Endkunden weitergereicht. "Es ist klar, dass die Unternehmen diese stark steigenden, vom Staat festgelegten bzw. regulierten Bestandteile des Strompreises nicht mehr kompensieren können", hatte Hildegard Müller, Chefin des Branchenverbands BDEW, Anfang der Woche gesagt.

Ein belastbarer Überblick über die künftigen Netzentgelte wird erst in diesen Tagen möglich. Die Betreiber, darunter viele Töchter von Stadtwerken und Energiekonzernen, sind gesetzlich verpflichtet, jeweils zum 15. Oktober eine Prognose über ihre Pläne im Folgejahr abzugeben. Damit soll erreicht werden, dass freie Stromanbieter ihre eigenen Abgabepreise kalkulieren können.

Weitere 30 Euro Kosten jährlich

Eine Erhöhung der Netzentgelte um zehn Prozent würde sich bei den Endverbrauchern mit durchschnittlich etwas mehr als 0,5 Cent je Kilowattstunde im Strompreis niederschlagen. Einschließlich Mehrwertsteuer und weiterer Sonderumlagen, etwa für Offshore-Windkraft, können sich die Mehrpreise auf 30 Euro jährlich addieren, zusätzlich zu den gut 60 Euro durch die Erhöhung der EEG-Umlage, die zur direkten Förderung der Erneuerbaren dient. Viele Betreiber von Verteilnetzen langen allerdings weit kräftiger zu. So planen die Stadtwerke Dresden eine Erhöhung um 23 Prozent, ihre Kollegen aus Leipzig liegen mit 22 Prozent kaum darunter. Die Eon-Tochter Edis will knapp 18 Prozent mehr für ihre Dienste. Ein Ausreißer ist die RWE-Tochter Westfalen-Weser-Ems Verteilnetz - aber nur, weil sie mit der Schwesterfirma Rhein-Ruhr Verteilnetz verschmolzen wird. Per Saldo plant die Nachfolgegesellschaft Westnetz ebenfalls eine deutliche Steigerung der Netzgebühren.

Die Branche macht vor allem die zunehmende Einspeisung von Solar- und Windstrom für Kostensteigerungen verantwortlich. "Wir haben technisch alle Hände voll zu tun", hieß es bei einem Unternehmen. Steigerungsraten von 30 bis 40 Prozent bei Ökostrom erforderten mehr Investitionen in Trafos, Umspannanlagen sowie Mess- und Regeltechnik.

Freie Händler wie Lichtblick werfen den Netzfirmen dagegen vor, "überhöhte Monopolrenditen" zu kassieren. Die Bundesnetzagentur gestatte neun Prozent für ein völlig risikofreies Geschäft, so die Kritiker. In der Tat bedeutet der drohende Anstieg der Netzentgelte eine Wende zum Schlechteren. Zuvor waren sie seit 2006 um 21 Prozent gesunken.

FTD

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