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Expertenmeinung: "Korruption hemmt Deutschlands Wachstum"

Wirtschaftskriminalität und Korruption haben starke negative Auswirkungen auf Deutschlands Wirtschaftsleistung. Das sagt der Ökonomieprofessor Johann Graf Lamdsdorff. Zudem blieben die meisten Straftaten unentdeckt.

Gäbe es in Deutschland weniger Korruption, wäre die Wirtschaftsleistung bedeutend höher. Das sagte der Passauer Wirtschaftsprofessor Johann Graf Lambsdorff dem "Tagesspiegel am Sonntag". "Hätte Deutschland die gute Bewertung von Finnland, wäre das Inlandsprodukt um sechs Prozent höher", sagte er. Denn bei weniger Korruption würde das Sachkapital effizienter eingesetzt; die Produktivität wäre höher. "Außerdem würde netto mehr Kapital nach Deutschland fließen", meinte Lambsdorff. Er schätzt das zusätzliche Volumen auf 0,75 Prozent des Inlandsprodukts.

Für eine wirkungsvolle Bekämpfung von Korruption braucht die deutsche Justiz nach Ansicht von Experten aber mehr Personal. "Es gibt zu viele Wirtschaftskriminelle, aber zu wenige Wirtschaftskriminalisten", sagte der Frankfurter Oberstaatsanwalt und Korruptionsexperte Wolfgang Schaupensteiner der Zeitung. Die Wirtschaftskriminalität boome - "aber wir können ihr nicht so schnell und umfassend nachgehen, wie es erforderlich wäre".

Schätzungsweise 95 Prozent der Wirtschafts-Straftaten decke die Justiz gar nicht auf. Nötig seien mehr Korruptions-Spezialisten. Derzeit "ist für die Straftäter das Risiko, entdeckt zu werden, gering". Zumal die Täter, die bestechlich sind oder bestechen, meist nicht auf den Kopf gefallen seien. Schaupensteiner: "Sie wissen, wie man interne Kontrollen umgeht. Auch Umfragen belegen, dass das Korruptionshandwerk vorwiegend in den Führungsetagen exerziert wird."

DPA / DPA