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Netzwerk für Firmen: Facebooks "Workplace" soll die Kommunikation in Unternehmen umkrempeln

Mit der Anwendung "Workplace" will Facebook den Markt der internen Unternehmenskommunikation erobern und bislang genutzte Wege ablösen. Der Konkurrenz dürfte dies gar nicht gefallen - und das nicht nur wegen Facebooks aggressiver Preispolitik.

Vorstellung von Workplace von Facebook

Nicola Mendelsohn, Facebook-Vizepräsidentin für Europa, den Mittleren Osten und Afrika, stellt das neue Tool Workplace für Unternehmen vor

Zwei Jahre lang arbeitete Facebook an einer Art soziales Netzwerk für Unternehmen, seit 2015 durchlief das Tool erste Tests. Nun hat die Plattform namens "Workplace by Facebook" Marktreife erlangt, wie der US-Konzern am Montag mitteilte. Nachdem eine vorläufige Version zuletzt bereits von rund Tausend Firmen genutzt wurde, startet das Angebot nun also auch offiziell. Ziel Facebooks ist es demnach, bislang häufig genutzte Intranetlösungen und interne E-Mails überflüssig zu machen. "Wir haben Dinge, die es schon gibt, zu einer einzigen Anwendung verbunden", sagte Workplace-Chef Julien Codorniou der Nachrichtenagentur AFP. So könnten Nutzer auch in Workplace auf bekannte Elemente wie Newsfeed, Gruppen, Chats oder Live-Video zurückgreifen. "95 Prozent dessen, was wir auf Facebook entwickelt haben, wurde in Workplace integriert", erläuterte Codorniou.

Während Facebook-Mitarbeiter schon lange auf diesem Wege miteinander kommunizieren, soll es Angestellten anderer Firmen künftig ebenfalls möglich sein, sich via Workplace in Gruppen zu organisieren und über Projekte auszutauschen, mit einem Kollegen zu chatten oder eine Präsentation des Managements zu verfolgen.


Nutzung auch ohne Facebook-Konto möglich

Ein eigenes Facebook-Profil brauchen die Mitarbeiter dafür nicht, wie der US-Konzern betonte. Stattdessen erfolgt die Anmeldung über die jeweilige Büro-E-Mail-Adresse. Facebook und die Plattform sollen demnach dauerhaft voneinander getrennte Welten bleiben. Für Facebook geht es dabei auch um einen Markt, der sich gerade wandelt - aber auch hart umkämpft ist. Andere neue Anbieter wie Slack wollen ebenfalls bisherige Strukturen aufbrechen. Zugleich will Microsoft seine starke Position in Unternehmen mit Angeboten wie der Chatdienst Yammer oder Skype bewahren. 

Facebook seinerseits will davon profitieren, dass über 1,6 Milliarden Nutzer weltweit das Online-Netzwerk bereits privat besuchen und damit die Funktionen gut kennen. Die Seiten und App-Ansichten von Workplace sind entsprechend ähnlich aufgebaut, nur das typische Blau wurde durch Grautöne ersetzt.

Facebook zettelt mit Workplace Preiskampf an

Zudem zettelt Facebook einen Preiskampf an. Unternehmen mit bis zu 1000 Mitarbeitern zahlen drei Dollar pro Person, mit bis zu 10.000 Beschäftigten zwei Euro und mit mehr als 10.000 Mitarbeiter einen Dollar. Es gibt eine dreimonatige Gratis-Testphase und Firmen zahlen nur für die wirklich aktiven Nutzer. Der Rivale Slack bietet aktuell zwar dauerhaft eine kostenlose Testvariante mit eingeschränktem Funktionsumfang an, will aber in den Bezahlversionen 6,67 und 12,50 Dollar pro Nutzer im Monat. Nichtregierungsorganisationen und Universitäten sollen das Produkt kostenlos bekommen.

Ebenfalls neu vorgestellt wurde die Möglichkeit, Mitarbeiter verschiedener Unternehmen in Gruppen zusammenzuschließen.

mod / AFP / DPA