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Fed kauft Wertpapiere: US-Notenbank zückt das Portemonnaie

Die US-Notenbank Fed will künftig monatlich Wertpapiere im Wert von 40 Milliarden Dollar kaufen, um die lahme Konjunktur anzukurbeln. Die Maßnahme läuft zunächst auf unbestimmte Zeit.

Die US-Notenbank will der schwachen Konjunktur mit zusätzlichen Maßnahmen auf die Sprünge helfen. Es sollen unter anderem zusätzliche hypothekengesicherte Wertpapiere im Wert von 40 Milliarden Dollar (rund 31 Milliarden Euro) monatlich erworben werden, teilte die Federal Reserve (Fed) am Donnerstag in Washington mit. Das Programm solle so lange fortgesetzt werden, bis sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessert habe. Die US-Arbeitslosenquote liegt seit mehr als dreieinhalb Jahren über acht Prozent.

Zudem gab die Fed an, nach aktueller Erwartung bis Mitte 2015 an ihrer faktischen Nullzinspolitik festzuhalten. Bislang hatte sie versichert, den gegenwärtig historisch niedrigen Leitzins bis Ende 2014 bei null bis 0,25 Prozent zu belassen.

Dritte Unterstützungsaktion der Fed

Ökonomen sprachen von einem neuen Kapitel im Kampf gegen Wirtschaftsflaute, die in der größten Volkswirtschaft der Welt nur langsam abklingt. Nicht nur wirft die Zentralbank mit dem Kauf von Hypothekenpapieren zum dritten Mal seit der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise die Notenpresse an, um die Märkte mit billigem Geld zu versorgen. Und: Sie nennt erstmals kein Enddatum für diese Aktion.

Es würden weitere Wertpapiere gekauft, zusätzlich Vermögenswerte erworben und weitere geldpolitische Maßnahmen ergriffen, "wenn der Ausblick auf dem Arbeitsmarkt sich nicht wesentlich verbessert", hieß es in der ungewöhnlich aggressiven Mitteilung. Von zusätzlichen Käufen von Staatsanleihen nahm sie aber noch Abstand.

Experten hatten mit neuen Notenbank-Maßnahmen gerechnet. Die Finanzmärkte reagierten zunächst mit starken Kurssteigerungen. Vor allem überraschte die Fed mit der Aussage, ihre expansive Geldpolitik auch nach einer Verbesserung der Konjunkturlage fortsetzen zu wollen. Auch am Donnerstag beschloss der Offenmarktausschuss der Bank neue Maßnahmen, obwohl er in seiner Mitteilung ein optimistischeres Bild von der Wirtschaftslage zeichnete als noch im Vormonat.

Unternehmen sollen investieren können

Ziel der neuen geldpolitischen Lockerung ist es, die Investitionsbereitschaft von Unternehmen und den Konsum der Verbraucher anzuregen. Fed-Chef Ben Bernanke hatte die wirtschaftliche Entwicklung in den USA jüngst mehrfach als unbefriedigend bezeichnet. Die am vergangenen Freitag veröffentlichte Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent unterstrich seine "tiefe Besorgnis" vor einer zu langsamen Erholung. Die Euro-Krise wie die Abschwächung der globalen Konjunktur nannte er ebenfalls immer wieder als Gefahren für die US-Wirtschaft.

Die Fed hatte wegen der großen Rezession in den USA zwischen Dezember 2007 und Juni 2009 bereits zwei Mal die Märkte mit billigem Geld geflutet. Ende 2008 begann sie mit dem Erwerb von langlaufenden Staatsanleihen, Schuldverschreibungen und Hypothekenpapieren von mehr als 1,7 Billionen Dollar (rund 1,3 Billionen Euro). Im November startete sie eine zweite Runde mit Anleiheläufen für rund 600 Milliarden Dollar.

Zudem geht die Notenbank noch bis Jahresende mit der "Operation Twist" gegen die schwache Konjunktur vor. Sie tauscht dabei kurzfristig fällige Anleihen gegen langlaufende Papiere, um auch langfristige Zinsen zu drücken.

Republikaner kritisieren Aktion

Unter Ökonomen und vor allem konservativen Politikern ist umstritten, ob die dritte "Quantitative Lockerung" (Quantitative Easing 3 oder QE3) und die "Operation Twist" der US-Wirtschaft tatsächlich helfen. In einer Grundsatzrede Ende August hatte aber auch Bernanke auf die Risiken neuer Maßnahmen hingewiesen. So könne eine unendliche Serie von Eingriffen "das öffentliche Vertrauen in die Fed beeinträchtigen", warnte er. Zudem könnte die Zentralbank Kritik auf sich ziehen, wenn sie nicht einmal zwei Monate vor der Präsidentenwahl der Konjunktur unter die Arme greift. Den Republikanern zufolge würde dies vor allem dem Amtsinhaber Barack Obama dienen.

swd/DPA / DPA