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Finanzdienstleister: Für Hypo ist Münchener Rück ein »Traumpartner«

Freude über das Loswerden des ungeliebten Großaktionärs Allianz ist bei der Hypo groß. Neuer Block sieht sich aber noch nicht als Allfinanzkonzern.

Rasch war die Rede von zwei großen Allfinanzkonzernen in Deutschland, als sich die Nachricht von der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz verbreitete. Neben Allianz/Dresdner wäre die Münchener Rück mit ihrem Erstversicherer Ergo zusammen mit der HypoVereinsbank ein zweites Gebilde, das Bankdienste und Versicherungen aus einer Hand anbieten würde, schlussfolgerten Finanzexperten. Aber auch wenn sich nun in Deutschland erstmals zwei Blöcke aus Versicherung und Bank bilden, wird aus Münchener Rück und HVB vorerst kein Allfinanzkonzern entstehen. Weitaus wichtiger ist für HVB-Chef Albrecht Schmidt, den ungeliebten Großaktionär Allianz losgeworden zu sein. »Schmidt ist jetzt am Ziel seiner Wünsche«, hieß es dazu in Bankenkreisen. »Das kommt allen Beteiligten sehr entgegen.«

Entflechtung freut die Hypo

Im Zuge der Entflechtung im deutschen Finanzsektor will die Allianz ihre 13,5 Prozent an der HypoVereinsbank an die Rück abgeben. Dass die Allianz mit zunächst 17,4 Prozent bei der HVB mit am Tisch saß, missfiel in der zweitgrößten Bank Deutschlands nicht nur Schmidt. »Das löste immer Unbehagen aus«, sagt Klaus Grünewald, der für die Gewerkschaft ver.di im Aufsichtsrat der HVB sitzt. Daran änderte sich nichts, als der Allianz-Anteil an der HVB bei der Übernahme der Bank Austria Anfang des Jahres auf weniger als 14 Prozent verwässerte. »Es ist nicht gut, wenn der größte Aktionär immer auch mit der Konkurrenz dealt«, moniert Grünewald.

Auch die Affäre um das »Immobilienloch« der Hypo-Bank hat Branchenkennern zufolge das Verhältnis von Versicherung und Bank belastet. Dass die Allianz es lieber gesehen hätte, wenn die HVB die Milliarden-Rückstellungen über die Jahre hinweg ohne großes Aufheben verdaut und nicht 1998 auf einen Schlag offen gelegt hätte, hat Schmidt angeblich fast seinen Posten gekostet.

Die Rück rückte vor

Mit Hans-Jürgen Schinzler, dem Chef der betulicher wirkenden Münchener Rück, pflegt Schmidt dagegen Beobachtern zufolge ein gutes, fast herzliches Verhältnis. Schon im vergangenen Jahr, als mit den später gescheiterten Fusionsplänen von Deutscher Bank und Dresdner Bank zum ersten Mal Bewegung in das dicht verwobene Anteilsgeflecht von Banken und Versicherungen zu kommen schien, hatte Schinzler Interesse an einer Aufstockung der 5,4-Prozent-Beteiligung an der HVB signalisiert und damit bei seinem Allianz-Kollegen Henning Schulte-Noelle offene Türen eingerannt.

Früh und in ungewohnter Offenheit meldete sich die Münchener Rück auch in dieser Woche nach den ersten Berichten über Allianz und Dresdner öffentlich zu Wort. Schinzler wusste offenbar, dass sein Haus zusammen mit deren bisher nicht genau bekannten Anteilen auf über 25 Prozent an der HypoVereinsbank kommen würde. Die Sperrminorität wie auch die höheren Beteiligungen der Muttergesellschaft und der HypoVereinsbank an Ergo sollen die Bande noch fester zurren. Eine Mehrheit an der HVB sei aber kein Thema, ließ die Rück verlauten.

Anfangs reichen gemeinsame Schulungen

Bei der HypoVereinsbank gibt es Beobachtern zufolge dagegen keine Bestrebungen, ihre eigenen 13,3 Prozent an der Münchener Rück aufzustocken. Die Allfinanz-Bestrebungen fallen hier eine Nummer kleiner aus. Am großen Altersvorsorge-Kuchen wollen HVB und Münchener Rück auch mitessen, doch Albrecht Schmidt sieht die Zusammenarbeit pragmatisch. Da sei vieles noch im Entstehen, heißt es. Über neue Versicherungsformulare in der Schublade und gemeinsame Schulungen hinaus werden die Mitarbeiter zunächst wenig spüren vom neuen Großaktionär, wie aus einem Brief, den Schmidt noch am Wochenende an die 66.000 Mitarbeiter absandte, deutlich wird.

Die HVB wird an ihren Schaltern künftig keine Policen der Allianz, sondern nur noch Versicherungen der Ergo-Tochter Victoria und ihrer Schwestergesellschaft Hamburg-Mannheimer anbieten, die mit der Dresdner Bank einen ihrer bisherigen Vertriebspartner verliert. Dass die HVB zwei Versicherungen vertrieb, war eine Folge der Fusion der Vereinsbank mit der Hypo-Bank, deren Großaktionär und Exklusivpartner Allianz nicht auf den Vertriebskanal Bank verzichten wollte. In Süddeutschland verkaufte die HVB am Bankschalter Allianz-Versicherungen, die in Bayern wiederum mit den Genossenschaftsbanken kooperiert, im Norden Verträge der Victoria. Dieses »Dreieck« erwies sich jedoch, wie Schmidt jetzt zugeben musste, erwartungsgemäß als umständlich und kaum produktiv.

Und es wächst weiter zusammen

Noch unausgegoren sind die Pläne zu einer Kooperation in der Vermögensverwaltung und im Risikotransfer. Eine Fusion der noch jungen Münchener-Rück-Tochter MEAG und der HVB-Publikumsfondsgesellschaft Activest wird jedoch im Umfeld der Bank als abwegig betrachtet, zu unterschiedlich sind die Zielgruppen. Hinter den Kulissen sieht das womöglich ganz anders aus: Still und heimlich haben beide bereits Anfang dieses Jahres die FondsServiceBank gegründet, die im Hintergrund das Geschäft mit Fonds für MEAG und Activest abwickelt.