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Corona-Krise Hedgefonds-Chef Ray Dalio wettet Milliarden gegen deutsche Konzerne

Ray Dalio
Ray Dalio, Chef des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater Associates
© AP / Picture Alliance
Der Dax ist in der Corona-Krise beispiellos abgestürzt. Star-Spekulant Ray Dalio setzt derzeit Milliarden ein, um daraus Profit zu ziehen. Er hat allerdings auch einiges gutzumachen.

Es ist ein historisch einzigartiger Absturz: Mitte Februar notierte der Dax noch bei seinem Allzeithoch von fast 13.800 Punkten – dann verlor er binnen weniger Wochen mehr als ein Drittel seines Wertes. Der Corona-Crash gilt als der schnellste Crash, den der wichtigste deutsche Börsenindex je erlebt hat.

Ginge es nach Ray Dalio, dann dürfte die Talfahrt der deutschen Aktienkonzerne wohl gerne noch etwas weitergehen. Der Chef des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater spekuliert derzeit mit Leerverkäufen massiv auf einen Wertverlust europäischer Aktien. 3,3 Milliarden Euro wettete er laut Handelsblatt vergangene Woche allein gegen zwölf deutsche Titel. Die höchsten Wetten liefen gegen SAP (rund 900 Millionen Euro), Allianz und Siemens (jeweils knapp 500 Millionen Euro). Auf fallende Kurse setzte Bridgewater zudem bei Daimler, Deutsche Börse, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Fresenius, Münchener Rück, Bayer, BASF und Adidas. 

14 Milliarden Euro auf fallende Kurse in Europa

Die Spekulation mit Leerverkäufen funktioniert so: Zunächst leiht sich der Spekulant - in diesem Fall Bridgewater - Aktien des Unternehmens, bei dem er auf einen fallenden Kurs hofft und verkauft diese sofort weiter. Wenn die Leihe endet, muss er die Aktien am Markt zurückkaufen, um sie wieder zurückgeben zu können. Je stärker der Kurs in der Zwischenzeit gefallen ist, desto günstiger kann er kaufen und desto höher der Gewinn. Verluste sind umgekehrt genauso möglich, zudem fällt eine Leihgebühr an.

Weil die Wetten hochriskant sind, gelten für gewöhnliche Investmentfonds Einschränkungen durch die Finanzaufsicht. Hedgefonds dagegen dürfen auch mit sehr hohen Summen wetten. So spekuliert Bridgewater-Chef Dalio mit hohem Einsatz nicht nur auf einen Wertverlust deutscher Aktien, sondern auch gegen andere europäische Titel. Seit dem 12. März habe Bridgewater umgerechnet 14 Milliarden Euro auf fallende Kurse europäischer Aktien gesetzt, hat der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg ausgerechnet. Und dabei waren die jüngsten Leerverkäufe einiger Dax-Titel noch nicht mitgerechnet.

Corona-Virus erwischte Dalio auf dem falschen Fuß

Dalios Hedgefonds-Imperium ist bekannt dafür, auch in Krisen Gewinne erwirtschaften zu können. Selbst das verheerende Finanzkrisen-Jahr 2008 schloss er mit einem Plus ab. Doch ob sich dies in der Corona-Krise wiederholt, scheint ungewiss. Denn das Virus hat selbst den legendären Dalio auf dem falschen Fuß erwischt, wie er im Interview mit der "Financial Times" zugab.

"Wir wussten nicht, wie wir durch das Virus navigieren sollten", sagte Dalio, weshalb man zunächst abgewartet und Wertpapiere nicht abgestoßen habe. Ein teures Zögern: Rund 20 Prozent verlor Bridgewaters wichtigster Fonds zu Beginn der Corona-Krise. "Wir sind enttäuscht, weil wir Geld hätten verdienen müssen, statt Geld zu verlieren, so wie wir es 2008 gemacht haben", sagt Dalio. 

Die milliardenschweren Leerverkäufe der vergangenen Tage sind nun wohl auch der Versuch, diesen Verlust wieder auszugleichen. Zu seiner negativen Einschätzung speziell für Europa kommt Dalio, weil die Europäische Zentralbank angesichts eines bereits bei Null liegenden Leitzinses keinen Spielraum habe, mit einer Zinssenkung die Konjunktur zu beleben. Einzelne Wetten gegen bestimmte Unternehmen kommentiert Bridgewater nicht. Der Konzern erklärte lediglich, es sei falsch einzelne Positionen zu einem bestimmten Zeitpunkt zu betrachten und daraus eine Gesamtstrategie abzuleiten. Wohl aus gutem Grund, schließlich stehen derartige Untergangswetten im Verruf, einen Absturz weiter zu befeuern.

Quellen: Handelsblatt / Financial Times / Bloomberg

bak

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