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Sturm-Bilanz: Bahnverkehr hat noch tagelang unter "Niklas" zu leiden

"Niklas" hat sich ausgetobt. Vielerorts liegt der Bahnverkehr immer noch lahm. Neun Menschen kamen ums Leben. Es war einer der stärksten der vergangenen Jahre - und die Folgen sind noch spürbar.

"Niklas" war da: Wie hier in Hamburg-Harvestehude hatte die Feuerwehr überall im Land mit den Folgen des Orkans zu tun

"Niklas" war da: Wie hier in Hamburg-Harvestehude hatte die Feuerwehr überall im Land mit den Folgen des Orkans zu tun

Sturmtief "Niklas" ist durchgezogen - doch vielerorts müssen Bahnreisende weiter mit Behinderungen rechnen. Die meisten Strecken seien zwar frei, sagte Bahnsprecher Achim Stauß im ZDF-"Morgenmagazin". "Aber wie immer in solchen Fällen muss das Personal neu disponiert werden. Viele Fahrzeuge, viele Lokomotiven sind nicht da, wo sie hingehören." Ausfälle werde es sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr geben. (Auf ihrer Internetseite informiert die Bahn über den aktuellen Stand der Verspätungen und Behinderungen.) Während des Orkans kamen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mindestens zehn Menschen ums Leben. Die Aufräumarbeiten laufen nach "Niklas" vielerorts auf Hochtouren.

Mit Böen von bis zu 192 Stundenkilometern war "Niklas" einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre und #link;2184037; richtete auf seinem Weg von West nach Ost große Schäden an#.Er brachte am Dienstag auch den Straßen-, Schiffs- und Flugverkehr durcheinander. Heftige Böen und entwurzelte Bäume beschädigten Autos, Häuser und Stromleitungen. Tausende Haushalte waren ohne Elektrizität - oft noch bis in den Mittwoch hinein. In der Nacht flaute der Sturm langsam ab. Vielerorts verließ er nicht nur ein Bild der Verwüstung, sondern auch eine schneebedeckte Landschaft.

Vermutlich höhe Schäden

An Ostern sollen die Züge wieder planmäßig fahren: "Da müssten dann die Umlaufpläne wieder so stimmen, dass die Züge überall da sind, wo sie auch hingehören", sagte Stauß. Laut Bahn sind die Strecken zwischen Bremen und Hannover sowie zwischen München und Rosenheim noch gesperrt. Die Höhe des entstandenen Schadens für die Bahn ist noch unklar: "Es gab bundesweit Schäden. Ich kann noch keine Summen nennen."

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat ebenfalls noch keinen Überblick über die Schäden nach dem Sturmtief. Dafür sei es noch zu früh, teilte das Unternehmen in München mit. Rein auf die Stärke bezogen handelte es sich aus Sicht der Munich Re um "kein sehr ungewöhnliches Ereignis". Der bisher folgenschwerste Wintersturm war "Kyrill" im Jahr 2007 mit Böen von über 200 Kilometern pro Stunde: Er richtete 4,2 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichen Schäden an und schlug bei den Versicherern mit 2,4 Milliarden Euro zu Buche.

Bäume erschlagen Menschen in ihren Autos

In Bayern und Rheinland-Pfalz wurden eine Frau und zwei Männer erschlagen, als Bäume auf ihre Autos stürzten. In Sachsen-Anhalt tötete eine umgewehte Mauer einen Mann. Auch in Österreich und der Schweiz gab es zwei Unwettertote. Außerdem gab es mindestens drei Tote bei wetterbedingten Unfällen: Im baden-württembergischen Ostalbkreis starben zwei Männer auf einer schneebedeckten Straße. In Bayern wurde ein Mann bei starkem Hagel auf der Autobahn 95 getötet. Vielerorts gab es Verletzte: In Weimar kippte ein Baum auf eine Mutter und ihre zwei Töchter, die auf einem Gehweg liefen. Eines der Mädchen im Alter von neun Jahren wurde dabei am Dienstag schwer verletzt.

Seinen zerstörerischen Anfang nahm das Orkantief im Westen. Ab dem Nachmittag wütete es auch im Osten der Republik. Mit Sturmböen, Regen und Graupelschauern richtete "Niklas" in der Region Berlin und Brandenburg viele Schäden an. In der Hauptstadt wurden vier Menschen verletzt, die Feuerwehr rief dort den Ausnahmezustand aus. Doch außer dem Todesopfer in Sachsen-Anhalt kamen im Osten nach aktuellem Stand kaum Menschen zu Schaden.

Sturmschäden an den der Oberleitung

In München musste am Dienstag ein Großteil des Hauptbahnhofes gesperrt werden, weil die Gefahr herunterfallender Dachfenster bestand. Ab 21 Uhr wurde der Bahnhof wieder freigegeben, teilte die Polizei in München mit.

Das könnte knapp werden. "Die Sturmschäden, vor allem an den Oberleitungen sind so großflächig und erheblich, dass es noch mehrere Tage dauern kann, bis wieder alle Linien bedient werden können", teilte die Deutsche Bahn am späten Abend mit. Auch Privatbahnen mussten ihre Züge in den Bahnhöfen oder Depots lassen.

Auf freier Strecke zwischen Hamburg und Berlin blieb ein ICE mit 400 Passagieren liegen. Die Route wurde in beide Richtungen gesperrt. In einer Durchsage an die Fahrgäste hieß es in einem Zug: "Alle Fernzüge der Deutschen Bahn sind ab sofort zu Hotelzügen umfunktioniert."

Flugbetrieb bleibt weiter eingeschränkt

Bundesweit waren Polizisten und Feuerwehrleute im Dauereinsatz. Auf Straßen und Autobahnen blockierten umgekippte Lastwagen und Anhänger den Verkehr. Im Fährverkehr zu den ostfriesischen Inseln kam es zu Einschränkungen. Die Verbindung zwischen Cuxhaven und der Hochseeinsel Helgoland wurde komplett gestrichen.

Ein für das Hamburger Elbegebiet erwartetes Hochwasser ist in der Nacht zum Mittwoch niedriger ausgefallen als befürchtet. Das Wasser am Fischmarkt in St. Pauli schwappte bis zum frühen Mittwochmorgen nicht wie erwartet über die Kaikante.

Am Flughafen in Frankfurt am Main fielen mehr als 180 Starts und Landungen aus. Angesichts der Wetterlage müsse auch am Mittwoch mit Einschränkungen im Flugbetrieb gerechnet werden, sagte ein Sprecher. In Hamburg waren 63 Flüge betroffen.

Zehntausende Haushalte ohne Strom

Mehrere zehntausend Haushalte in Bayern blieben ohne Strom; für tausend Haushalte sollte der Zustand über Nacht anhalten, so der Versorger Bayernwerk AG. Auch in anderen Ländern wie Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern blieben Tausende Kunden ohne Elektrizität.

Unterdessen begannen in Hessen und Baden-Württemberg am Abend erste Aufräumarbeiten. "Die Aufräumarbeiten dauern noch mindestens den ganzen Mittwoch", sagte ein Sprecher des Lagezentrums im Innenministerium am Dienstagabend in Stuttgart.

dho/stb/DPA / DPA