Finanzkrise Bernanke für weitere Milliarden-Hilfe


Fast 170 Milliarden Dollar hat die US-Regierung schon bereitgestellt, um die Konjunktur anzuschieben. Nicht genug, meint Ben Bernanke. Nach Ansicht des US-Notenbank-Chefs sind weitere Milliarden nötig. Der Dow Jones und der Nikkei reagierten mit Kurssprüngen.

US-Notenbankchef Ben Bernanke sieht die Gefahr eines langwierigen Wirtschaftsabschwungs und befürwortet deshalb ein weiteres Konjunkturprogramm für die USA. "Wir erleben einen ernsthaften Abschwung", sagte Bernanke am Montag vor dem Haushaltsausschuss des US-Repräsentantenhauses. Sein Auftritt und die damit verbundene Hoffnung auf die Ankurbelung der Konjunktur beflügelte die Börse: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Montagabend 4,67 Prozent fester mit 9265 Punkten nahezu auf Tageshoch. Im Verlauf war der Index zwischen 8852 und 9266 Zählern gependelt. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 3,43 Prozent auf 1770 Zähler.

Der Trend setzte sich am Dienstag fort in Japan fort: Die Anzeichen für ein neues Konjunkturpaket der US-Regierung haben der Tokioter Börse zu kräftigen Gewinnen verholfen. Besonders Exportwerte legten zu. Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte gewann bis zum Mittag 2,6 Prozent auf 9238 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index legte 2,5 Prozent zu.

Bernanke: Wirtschaft bleibt schwach

Der US-Kongress hatte Anfang des Jahres ein erstes Konjunkturprogramm mit einem Gesamtvolumen von 168 Milliarden Dollar (125 Milliarden Euro) verabschiedet, das vor allem Steuergeschenke beinhaltete. Präsident George W. Bush zeigte sich grundsätzlich offen für ein neues Paket.

"Da die Wirtschaft wahrscheinlich über mehrere Quartale hinweg schwach bleibt und angesichts eines gewissen Risikos eines ausgedehnten Abschwungs, scheint es angemessen, dass der Kongress ein Konjunkturpaket erwägt", sagte Fed-Chef Bernanke. Damit stellte er sich hinter Forderungen der US-Demokraten nach einem weiteren Programm. Die Partei hatte dabei einen Umfang von bis zu 150 Milliarden Dollar ins Gespräch gebracht. "Wir sind offen für Ideen und werden uns anschauen, was auf den Tisch kommt", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, am Montag.

Euro unter Druck

Der Euro geriet nach Bernankes Äußerungen noch stärker unter Druck und rutschte an die Marke von 1,33 Dollar. Am Morgen hatte die europäische Gemeinschaftswährung noch 1,35 Dollar gekostet, am Abend europäischer Zeit nur noch 1,3312 Dollar.

Eine Erholung der Konjunktur werde in einem großen Maß davon abhängen, wie schnell die Finanz- und Kreditmärkte wieder zu einer normalen Funktionsweise zurückkehrten, sagte Bernanke. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass das unlängst verabschiedete Rettungspaket der US-Regierung für die Bankenbranche und die zahlreichen anderen Maßnahmen im Kampf gegen die Finanzkrise Wirkung zeigen werden. Alle Schritte zusammengenommen würden helfen, "das Vertrauen in unser Finanzsystem wiederherzustellen und zu einer Normalisierung des Kreditflusses an Haushalte und Firmen beizutragen", sagte er.

US-Konjunkturbarometer gestiegen

Der Fed-Chef äußerte zudem die Erwartung, dass der Inflationsdruck angesichts fallender Preise für Öl und andere Rohstoffe sinke. Zusammen mit anderen Faktoren werde dies dazu beitragen, dass sich mit der Zeit wieder "solide Zuwächse bei Beschäftigung wie auch Wirtschaftsaktivität einstellen", betonte Bernanke.

Unterdessen stieg das US-Konjunkturbarometer im September erstmals seit fünf Monaten wieder. Der Index, der auf zehn wichtigen Wirtschaftsdaten beruht, stieg im September um 0,3 Prozent, teilte das Conference Board, ein Institut der Privatwirtschaft, am Dienstag mit. Noch im August war der Index um 0,5 Prozent gefallen.

Das Institut führt die positive Entwicklung auf ein gestiegenes Geldangebot sowie Verbrauchererwartungen zur Entwicklung der Zinsen zurück. Zuvor sei der Index seit März um 1,3 Prozent abgesackt, berichtet das Institut. Der Index soll einen Hinweis auf die Entwicklung in den kommenden drei bis sechs Monaten geben.

DPA/Reuters DPA Reuters

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