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Finanzkrise: EZB senkt Leitzins auf Rekordtief

Im Kampf gegen die weltweite Rezession haben die Europäische Zentralbank und die Bank of England das Geld erneut verbilligt. Während die EZB den Leitzins für den Euro-Raum um 50 Basispunkte auf 1,5 Prozent senkte, reduzierte auch die Bank of England ihren Zins.

Im Kampf gegen die anhaltende Rezession hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins im Euro-Raum auf den niedrigsten Stand seit der Euro-Einführung 1999 gesenkt. Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld verringert sich um 0,5 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent. Das teilte die EZB nach ihrer Ratssitzung am Donnerstag in Frankfurt mit.

Mit der erneuten Zinssenkung reagiert die EZB auf die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise. Seit Herbst reduzierte die Notenbank den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld um insgesamt 2,25 Prozentpunkte auf das bisher niedrigste Niveau.

Mit Spannung wird erwartet, ob Trichet auf einer Pressekonferenz am Nachmittag in Frankfurt weitere Zinsschritte in Aussicht stellt. Volkswirte gehen von einem Niveau von 1,0 Prozent spätestens zur Jahresmitte aus.

Niedrige Zinsen verbilligen Kredite für Unternehmen und Verbraucher und können so die Wirtschaft ankurbeln. Sparguthaben werden allerdings ebenfalls niedriger verzinst. In den USA und in Japan liegen die Leitzinsen derzeit praktisch bei null.

Niedrigerer Leitzins in Großbritannien

Vor der EZB entschied bereits die Bank von England über den Leitzins für Großbritannien. Die britische Notenbank senkte den Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf das Rekordtief von 0,5 Prozent. Damit hat die Bank of England die geldpolitischen Zügel den sechsten Monat in Folge gelockert. Die Entscheidung vom Donnerstag war von Beobachtern angesichts der Verschärfung der Konjunkturkrise erwartet worden.

Gleichzeitig kündigte die Notenbank an, die Geldmenge in den kommenden drei Monaten um 75 Milliarden Pfund zu erhöhen, um das schwächelnde Kreditgeschäft wieder anzukurbeln.

Für den neuen Kurs in der Geldpolitik ("quantitative Lockerung") will die Bank of England Staatsanleihen und andere Anlagen von Banken kaufen, um so die Finanzmittel der Kreditinstitute aufzupolstern. Dieses zusätzliche Geld sollen die Banken dann nach dem Willen der Währungshüter an ihre Kunden für die dringend benötigen Kredite weitergeben.

Grund für den Kurswechsel in der Geldpolitik war, dass das Kreditgeschäft trotz stets sinkender Leitzinsen nicht in Schwung kam und den Währungshütern nicht mehr viel Spielraum blieb, die Wirtschaft über die Zinsschraube ankurbeln.

Großbritannien ist im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit fast zwei Jahrzehnten in eine Rezession gerutscht. Ökonomen rechnen mit einer Fortsetzung der Konjunkturkrise.

Reuters/DPA / DPA / Reuters