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Finanzkrise: Fed senkt Leitzins auf ein Prozent

Im Kampf gegen die Finanzkrise und die drohende Rezession hat die US-Notenbank ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf ein Prozent gesenkt. Das teilte die Federal Reserve in Washington mit. So niedrig war der Zins in den Vereinigten Staaten zuletzt vor mehr als vier Jahren, dennoch reagierte die Wall Street verhalten.

Die US-Notenbank hat im Kampf gegen die Finanzkrise und eine drohende Rezession ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf ein Prozent gesenkt. Das teilte die Federal Reserve am Mittwoch in Washington mit. So niedrig war der Zins in den Vereinigten Staaten zuletzt vor mehr als vier Jahren. An der Wall Street sorgte der Beschluss nicht für ein Freudenfeuer: Der Dow-Jones-Index fiel nach vorläufigen Schlussangaben um 0,82 Prozent auf 8990,96 Punkte. Der S&P-500-Index verlor um 1,11 Prozent auf 930,08 Punkte. Der NASDAQ-Index gewann dagegen um 0,47 Prozent auf 1657,21 Punkte.

Die Fed hatte bereits Anfang Oktober gemeinsam mit anderen führenden Notenbanken die Zinsen außerplanmäßig um einen halben Prozentpunkt gesenkt. Seitdem hat sich die Krise vor allem an den Aktien- und Devisenmärkten weiter zugespitzt.

Die Währungshüter um Ben Bernanke begründeten den Schritt mit der Aussicht auf eine merkliche Konjunkturabschwächung. So hätten sich Firmeninvestitionen, Industrieproduktion und der private Konsum deutlich abgeschwächt. Auch der Export werde wegen der sich abzeichnenden globalen Wirtschaftsabschwächung zurückgehen. Die Finanzkrise und die Turbulenzen an den Finanzmärkten würden, so die Fed, die Konsumfreude der Amerikaner zusätzlich belasten.

Da trotz entsprechender Gegenmaßnahmen die Abwärtsrisiken für das Wachstum bestehen blieben, sei die Zinssenkung nötig, erklärte die Fed. Sie sei möglich, weil der Teuerungsdruck in den kommenden Quartalen nachlassen dürfte, hieß es in der schriftlichen Begründung der Notenbank.

US-Wirtschaft ist laut Experten im dritten Quartal geschrumpft

Ökonomen rechnen nach einer Umfrage der Fachagentur Bloomberg damit, dass die US-Wirtschaft im dritten Quartal um aufs Jahr hochgerechnet 0,5 Prozent geschrumpft ist. Die US-Regierung legt eine erste Schätzung an diesem Donnerstag vor. Fachleute erwarten eine schrumpfende Wirtschaft auch in den letzten drei Monate des Jahres. Im zweiten Quartal war die größte Volkswirtschaft der Welt noch mit einer hochgerechneten Jahresrate von 2,8 Prozent gewachsen, vor allem dank boomender Exporte durch den schwachen Dollar und ein milliardenschweres Konjunkturpaket der US-Regierung.

Die Notenbank hatte den Leitzins über die vergangenen 13 Monate von 5,25 Prozent auf jetzt 1 Prozent gesenkt. Zuletzt stand der Zins zwischen Mitte 2003 und Sommer 2004 derart niedrig, um die Folgen der geplatzten New-Economy-Blase aufzufangen. Kritiker sehen darin eine der wichtigsten Ursachen für die gefährliche Überhitzung der Immobilien- und Kreditmärkte in den Jahren darauf.

Nach dem Beschluss der Federal Reserve rechnen Volkswirte nun mit weiteren Zinssenkungen in aller Welt. Den Anfang machten China und Norwegen: Die dortigen Zentralbanken kappten ihre Zinsen bereits am Mittwoch.

Europäische Zentralbank dürfte nächste Woche folgen

Die Europäischen Zentralbank (EZB) wird nach einhelliger Meinung der Experten in der kommenden Woche nachziehen. Sie gehen von einem Zinsschritt von 50 Basispunkten analog zu dem der Fed aus. Der Leitzins in der Euro-Zone würde in diesem Fall auf 3,25 Prozent fallen - das tiefste Niveau seit zwei Jahren. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat eine Zinssenkung bereits mit ungewöhnlich deutlichen Worten signalisiert. Griechenlands Notenbankchef George Provopoulos legte am Mittwoch nach und sagte in einem Interview, die EZB habe ihre Munition noch keineswegs verschossen. Auch erneute gemeinsame Zinssenkungen mehrerer Notenbanken wollte er nicht ausschließen.

Die Bank von England dürfte in der kommenden Woche ebenfalls die Zinsen senken. Notenbanker David Blanchflower sprach sich am Mittwoch nötigenfalls für große Zinsschritte nach unten aus, um der Konjunktur unter die Arme zu greifen. Notenbank-Gouverneur Mervyn King hatte bereits klar gemacht, dass die Briten sich auf eine Rezession einstellen müssen.

In Japan steht eine Entscheidung der Zentralbank über die Leitzinsen bereits am Freitag an. Wie Reuters erfuhr, erwägen die Währungshüter in Tokio ebenfalls eine Zinssenkung. Ihr Spielraum ist äußerst gering: Der Schlüsselzins beläuft sich in Japan bereits jetzt auf lediglich 0,5 Prozent.

Reuters/DPA/DPA/Reuters