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Finanzkrise: Großrazzia bei Ex-Managern der SachsenLB

Die Staatsanwaltschaft hat mehr als zwei Dutzend Büros und Wohnungen von ehemaligen Vorständen der SachsenLB durchsuchen lassen. Ihnen wird vorgeworfen, die Affäre um Milliardenverluste mit Immobiliengeschäften vertuscht und die Risiken nicht richtig eingeschätzt zu haben.

Im Zuge der Ermittlungen zur SachsenLB-Affäre hat die Polizei in mehreren Bundesländern Wohnungen und Büros von fünf ehemaligen Vorstandsmitgliedern der Landesbank durchsucht. Zudem habe es Durchsuchungen in der irischen Hauptstadt Dublin gegeben, teilte das federführende Bundeskriminalamt (BKA) mit. Insgesamt seien 28 Objekte durchsucht und umfangreiches Material wie Geschäftsunterlagen, Briefwechsel und Computer beschlagnahmt worden. Gegen die ehemaligen Vorstandsmitglieder der SachsenLB werde seit Oktober 2007 wegen des Verdachts der Untreue und unrichtiger Darstellung in den Jahresabschlüssen ermittelt.

Über die irische Tochter SachsenLB Europe betrieb die Landesbank riskante Geschäfte mit US-Hypothekenmarktpapieren, die sie an den Rand des Ruins brachten. Durch den Zusammenbruch des US-Hypothekenmarktes im Sommer 2007 handelte sich die Landesbank Verlustrisiken in Milliardenhöhe ein und musste mit staatlicher Hilfe gerettet werden. Für das verlustträchtige Wertpapier-Portfolio von gut 17 Milliarden Euro stehen jetzt neben dem Freistaat Sachsen die Landesbank Baden-Württemberg LBBW als neue Eignerin mit rund sechs Milliarden und andere Landesbanken mit etwa 8,5 Milliarden Euro gerade.

Die Existenz der Bank aufs Spiel gesetzt

Die landeseigene Bank hatte sich nach BKA-Angaben 2006 und 2007 über die in Irland ansässigen Zweckgesellschaften Ormond Quay Funding plc und Georges Quay Funding I Ltd. an von der SachsenLB Europe gemanagten Finanzgeschäften beteiligt. Diese hätten im zweiten Halbjahr 2007 ein Volumen von über 23 Milliarden Euro aufgewiesen. Es bestehe der Verdacht, dass die ehemaligen Vorstände durch die von ihnen mitgetragene erhebliche Ausweitung der Geschäfte unter Berücksichtigung der nur beschränkten Eigenkapitalausstattung die Existenz der Bank aufs Spiel setzten, teilte das BKA mit.

Das im Rahmen der Engagements von den Managern eingesetzte fremde Vermögen habe in keinem Verhältnis zum eingegangenen Risiko und zum erstrebten Gewinn gestanden. Zudem hätten die Manager die Marktrisiken und die übernommene Haftung nicht offen in das Risikomanagement und die Jahresabschlüsse der Bank eingestellt und somit ein rechtzeitiges Eingreifen des Verwaltungsrates verhindert.

Reuters / Reuters
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