Finanzkrise US-Banken beflügeln Wall Street


Es scheint, als ob die beiden großen US-Banken Goldman Sachs und Lehman Brothers noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen sind. Nach starken Quartalsergebnissen atmet die Börse auf, die Kurse ziehen an. Doch noch steht die Entscheidung der US-Notenbank aus.

Nach überraschend starken Quartalszahlen der US-Banken Goldman Sachs und Lehman Brothers ist die Wall Street mit deutlichen Gewinnen in den Handel gestartet. Positiv nahmen die Anleger zudem die jüngsten Daten zu den Wohnbaubeginnen auf: Diese gingen im Februar zwar um 0,6 Prozent zurück - Volkswirte hatten allerdings mit noch weniger gerechnet. Der Dow Jones legte in den ersten Minuten 1,7 Prozent zu auf 12.173 Punkte. Mit einem Plus von 2,1 Prozent lief es für den Technologie-Index Nasdaq noch besser.

Lehman und Goldman retten den Markt

Die weltgrößte Investmentbank Goldman Sachs meldete trotz Abschreibungen in Milliardenhöhe in den Bereichen Hypotheken und Anleihen sowie bei Kreditprodukten einen Gewinn nach Abzug von Vorzugsdividenden von 1,47 Milliarden Dollar (930 Millionen Euro) im ersten Quartal nach 3,2 Milliarden Dollar vor einem Jahr. Seit November verlor die Goldman-Aktie im Zuge der allgemeinen Krise am US-Finanzmarkt fast die Hälfte ihres Werts, zuletzt wurde über Milliardenabschreibungen spekuliert. Heute legte die Goldman-Aktie im vorbörslichen Handel um 6 Prozent zu.

Lehman Brothers konnte trotz der Finanzmarktturbulenzen im ersten Quartal einen überraschend hohen Gewinn von 489 Millionen Dollar (310 Millionen Euro) einfahren. Die am in New York bekanntgegebene Summe lag zwar um 57 Prozent unter der des Vorjahreszeitraums, doch übertraf sie die Erwartungen von Analysten. Gestern war die Lehman-Aktie wegen Spekulationen, die Bank könnte das nächste Opfer der weltweiten Finanzkrise werden, um 38 Prozent eingebrochen. Heute legte sie im vorbörslichen Handel um 13 Prozent zu. "Die Bilanz von Goldman war gut und die von Lehman war kein Weltuntergang", urteilte Sal Arnuk von Themis Trading. Von den Zahlen konnten auch andere Finanztitel profitieren: Aktien der Citigroup verteuerten sich etwa um 5,7 Prozent.

Zinssenkung erwartet

Zu den Gewinnern zählten mit einem Aufschlag von 4,4 Prozent auch Yahoo-Titel, nachdem der Internetkonzern Details seines auf drei Jahre angelegten Finanzplans bekanntgegeben hatte. Das Unternehmen bekräftigte darüber hinaus seine Prognose für das erste Quartal und das gesamte Geschäftsjahr 2008.

Mit Spannung blickten die Investoren nun auf die US-Notenbank Fed, deren Zinsentscheidung gegen heute Abend erwartet wird. Analysten gehen weithin davon aus, dass die Fed den Leitzins weiter deutlich nach unten schrauben wird, um die weltgrößte Volkswirtschaft im Zuge der Kreditmarktkrise vor größerem Schaden zu bewahren. Erwartet wird eine Senkung um einen ganzen Prozentpunkt auf dann 2,0 Prozent senken, um die US-Wirtschaft mit billigerem Geld zu versorgen und der drohenden Rezession zu begegnen. Dies wäre der niedrigste Stand seit Ende 2004. Bereits am Wochenende hatten die Notenbanker um Ben Bernanke in einer Dringlichkeitssitzung den Diskontsatz gesenkt, zu dem sich Banken über Nacht bei der Fed Geld besorgen können.

AP/Reuters AP Reuters

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