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Firmenübernahme: Schluckt Karstadt Kaufhof?

Auf dem Einzelhandelsmarkt bahnt sich eine Riesenfusion an: Medienberichten zufolge will der ehemalige Karstadt-Quelle-Konzern Arcandor die Metro-Tochter Kaufhof übernehmen. Klappt der Deal, entstünde Europas zweitgrößter Warenhauskonzern.

Der Essener Einzelhandels- und Touristikkonzern Arcandor (vormals KarstadtQuelle) will nach Informationen des "Handelsblatts" die Metro-Tochter Kaufhof übernehmen. Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und der neue Metro-Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes verhandeln über eine Fusion der Warenhaustöchter Kaufhof und Karstadt unter dem Dach von Arcandor, wie die Zeitung aus Finanzkreisen und dem Umfeld der beiden Konzerne erfahren haben will.

Konkrete Verhandlungen gebe es nicht, sagten hingegen zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Sprecher von Arcandor und Metro wollten die Angaben nicht kommentieren.

Arcandor-Sprecher Jörg Howe sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa, das seien "reine Marktspekulationen". Diese habe es "in den letzten Wochen und Monaten" immer wieder gegeben. Die Marktsituation habe sich nicht geändert. Die Spekulationen, die gegenstandslos seien, wollte der Unternehmenssprecher nicht kommentieren. "Marktgerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht", sagte ein Metro-Sprecher.

Durch den Zusammenschluss könnten Effizienzgewinne von 350 bis 400 Millionen Euro jährlich entstehen, hieß es in Verhandlungskreisen laut "Handelsblatt". Für die beiden Wettbewerber biete sich damit eine Überlebenschance im umkämpften deutschen Einzelhandelsmarkt. Die Verhandlungen befänden sich noch in einem frühen Stadium, hieß es in den Kreisen. Auch das Kartellamt, das die Transaktion prüfen müsste, ist nach eigenen Angaben noch nicht eingeschaltet.

Kaufhof ein "attraktiver potenzieller Partner"

In der Branche gibt es immer wieder Gerüchte, Arcandor habe Interesse an den Kaufhof-Warenhäusern. Erst im September hatte es in einer Arcandor-Analystenpräsentation geheißen, Kaufhof sei ein "attraktiver potenzieller Partner" für Karstadt.

In den Branchenkreisen wird aber erwartet, dass es bei einem Zusammengehen der beiden Ketten kartellrechtliche Probleme geben könnte und dass das Bundeskartellamt zumindest harte Auflagen verfügen könnte.

Mit der Fusion der Konzernsparten entstünde Europas zweitgrößter Warenhauskonzern nach dem spanischen Unternehmen Corte Inglés. Der fusionierte Konzern käme auf einen Jahresumsatz von mehr als acht Milliarden Euro. Karstadt betreibt derzeit 89 Waren- und 28 Sporthäuser in Deutschland, Kaufhof 113 Warenhäuser und mehrere Sportarena-Fachmärkte.

DPA/Reuters / DPA / Reuters