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Skandinavischer Exportschlager: Fjällräven Kanken - der Rucksack für erwachsene Schulhofkinder

Der Skandinavien-Rucksack Fjällräven Kanken kann eigentlich nix - außer ganz nett aussehen. Daher trägt ihn heute jeder. Wie früher auf dem Schulhof 4You und Eastpak. Werden wir denn nie erwachsen?

Fjällräven Kanken

Polarfuchs-Logo als Erkennungsmerkmal: der Fjällräven Kanken

Rucksäcke sind aus entwicklungspsychologischer Sicht nicht zu unterschätzen. Schon in der Schule trennt die richtige Marke die coolen Kids von den uncoolen. Vor 20 Jahren trug jeder, der nicht auf dem Schulhof gemobbt werden wollte, einen 4You-Rucksack. Wenig später musste es dann ein Eastpak sein, wenn man dazugehören wollte. Und dazugehören wollten natürlich alle. Da konnte Mama noch so oft sagen, dass dieser oder jener Rucksack doch viel besser sei. Steht aber nicht Eastpak drauf, Mama!

Das Rucksack-Thema prägt fürs Leben. Daher leben viele Erwachsene den Schulfhofzwang einfach weiter, wenn sie längst groß genug sind, um ihr Butterbrot gegen ihre Mitmenschen verteidigen zu können. Die 4You- und Eastpak-Kinder von gestern tragen heute Fjällräven Kanken. Der Rucksack aus Schweden hat in den vergangenen Jahren den deutschen Rucksack-Markt erobert.

Erst tauchte er auf internationalen Modeschauen auf, dann auf den Straßen von Berlin-Friedrichshain und dem Hamburger Schanzenviertel. Jetzt ist der Kanken überall. In der U-Bahn, auf dem Spielplatz, in der Fußgängerzone - alles voller bekankter Rücken. In besonders hippen Gegenden ist der Kanken natürlich schon lange wieder out, im Mainstream aber verkauft er sich prächtig. Anfang des Jahres waren viele Modelle sogar vorübergehend ausverkauft.

Hauptsache aus Skandinavien

Rational ist das genauso wenig zu erklären, wie damals der 4You- oder Eastpak-Hype. Im Gegenteil: Der Fjällräven Kanken kostet zwar je nach Größe zwischen 50 Euro (Mini) und über 100 Euro, kann aber eigentlich gar nichts Besonderes. Mit den dünnen Schultergurten und dem schlichten Design bietet er weder besonderen Tragekomfort noch besonders raffinierte Fächer zum Verstauen. Er sieht halt ganz niedlich aus. Und vor allem: Er hat einen coolen skandinavischen Namen - und wenn die Deutschen etwas Skandinavisches sehen, rasten sie nun mal aus.

Hilfreich ist zudem das stylische Logo, das auch dem Stark-Clan aus "Game of Thrones" gefallen würde. Der rote Polarfuchs, umarmt vom Schriftzug "Fjällräven Kånken" (der Kreis über dem "a" macht Skandinavien-Fans ganz wuschig), ist von Weitem gut zu erkennen, weshalb er sich perfekt für den Schulhofeffekt eignet. "Fjällräven" ist übrigens schwedisch für Polarfuchs und "kånken" leitet sich von tragen ab.

Fjällräven eigentlich eine Outdoor-Marke

Die Firma selbst beteuert, dass sie den Hype um ihren Füchschen-Tornister nicht selbst entfacht hat. "Es war nie unser Ziel, besonders trendig oder modisch zu sein", sagte Fjällräven-Geschäftsführer Martin Axelhed kürzlich der "FAZ". "Wir haben das nicht befeuert und auch keine besondere Marketingkampagne gestartet." 

Fjällräven ist auch gar kein junges Unternehmen, sondern produziert bereits seit 1960 brave Produkte für Outdoor-Fans - Jacken, Schlafsäcke, Zelte. Einmal im Jahr veranstaltet die Firma den "Fjällräven Classic", einen beliebten Trekkingwettbewerb im schwedischen Lappland. In diesem Jahr stiefeln die Teilnehmer vom 5. bis 12. August die 110 Kilometer von Nikkaluokta bis Abisko.

Der Kanken-Rucksack allerdings eignet sich eindeutig eher für den Prenzlauer Berg als für die echte Wildnis. Erfunden hat ihn Fjällräven-Gründer Ake Nordin in den 70er Jahren auch gar nicht für Wanderabenteuer - sondern als Schultasche.

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