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Forbes-Liste: Die Riege der europäischen Milliardäre

Deutschland kann sich nicht länger damit rühmen, das europäische Land zu sein, in dem die meisten Millardäre leben. Schuld daran sind die Auswanderer.

Russland ist das Reich der Reichen. Sage und schreibe 49 Milliardäre leben dort. In der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt rangiert es damit im europäischen Ranking auf Platz eins. Deutschland hat es mittlerweile um drei und Großbritannien um sechs übertrumpft. Allerdings gibt es immer noch mehr deutsche als russische Milliardäre. Hier steht es 55 zu 53. Der Grund: einige der deutschen Superreichen sind ausgewandert - mit Vorliebe in die Schweiz.

Betucht und betagt

Die deutschen sind oftmals eher älteren Kalibers und verfügen insgesamt über 245 Milliarden US-Dollar - 37 Milliarden weniger als die zumeist jungen russischen Großindustriellen, die sich aus eigener Kraft hochgearbeitet haben. Deutsche Milliardäre sind durchschnittlich 65 Jahre alt, gehen jedoch schon auf die 66 zu. Der weltweite Altersdurchschnitt von Milliardären liegt bei 62 Jahren.

Natürlich gibt es aber auch junge Milliardäre. Der jüngste weltweit ist Prinz Albert von Thurn und Taxis, der gerade mal 23 Lenze zählt. Als Prinz Albert acht Jahre alt war, hat Forbes ihn schon einmal in der Liste der Milliardäre erwähnt. Offiziell hat er sein Vermögen aber erst an seinem 18. Geburtstag im Jahr 2001 geerbt.

Im Kreise der Milliardäre, bei denen nicht nur das Besteck, sondern auch die Haare silbern glänzen, finden sich einige Deutsche. Zwei der 14 Neunzigjährigen in der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt stammen aus Deutschland: Hugo Mann (93), der die Einzelhandelskette Wertkauf gründete, die 1997 von Wal-Mart Stores übernommen wurde, sowie Eugen Viehof (90), Gründer der Supermarktkette Allkauf, die er 1998 für eine Milliarde US-Dollar an den Metro-Konzern verkaufte.

Karl und Theo Albrecht - reich und verschwiegen

Auch 13 der 99 Achtzigjährigen in unserer Liste sind Deutsche. Zu dieser Gruppe zählen auch die zwei reichsten und gleichzeitig verschwiegensten Deutschen: Karl und Theo Albrecht. Ihr Vermögen beläuft sich auf 20 beziehungsweise 17,5 Milliarden US-Dollar, was ihnen Zugang zu einem weiteren erlesenen Kreis verschafft, nämlich zu dem der 20 reichsten Menschen der Welt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen Karl und sein jüngerer Bruder den kleinen Lebensmittelladen ihrer Mutter und gründeten schließlich die Supermarktkette Aldi, die mittlerweile über 7.000 Filialen umfasst und einen Umsatz von 49 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. In den Sechziger Jahren teilten die Brüder die Kette in die rechtlich, organisatorisch und finanziell unabhängigen Unternehmen Aldi Nord und Aldi Süd auf. Karl Albrecht leitet den gewinnbringenderen Konzern Aldi Süd.

Er hat sich mittlerweile aus dem Geschäftsleben zurückgezogen, während Theo immer noch aktiv ist und gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Aldi Nord leitet. In den USA gehört Theo die Gourmeteinzelhandelskette Trader Joe's, und er hält Anteile an der Lebensmittelkette Supervalu.

Seit seiner 17-tägigen Entführung 1971 scheut er die Öffentlichkeit. Daher ist wenig über ihn bekannt, außer dass er sparsam sein soll, alte Schreibmaschinen sammelt und Golf liebt. Auch sein älterer Bruder hält sein Privatleben streng geheim, und so weiß man offiziell nicht gerade viel über ihn. Anscheinend verbringt er seine Freizeit mit der Aufzucht von Orchideen und dem Golfspiel.

Otto weltweit unter den Top 40

Achtzehn der 72 Milliardäre in unserer Liste, die ihren Reichtum im Einzelhandel erwirtschaftet haben, stammen aus deutschen Landen. So auch Michael Otto, der gemeinsam mit seiner Familie über ein Nettovermögen von 13,3 Milliarden US-Dollar verfügt, was ihn zum drittreichsten Mann Deutschlands macht und in der Weltrangliste der Milliardäre auf Platz 40 bringt. Der 63-Jährige leitet das weltgrößte Versandhaus Otto, das einen Umsatz von 19 Milliarden US-Dollar schreibt und in über 20 Ländern vertreten ist.

Der Familie Otto gehören immer noch 75 Prozent des Unternehmens, das 1949 von Michaels Vater Werner gegründet wurde. Michael Otto beabsichtigt, Ende des Jahres von seinem Amt als Geschäftsführer zurückzutreten und den Vorsitz im Aufsichtsrat zu übernehmen. Darüber hinaus verfügt die Familie Otto über eine 87-prozentige Beteiligung an der Einrichtungskette Crate & Barrel sowie über einen umfangreichen Immobilienbesitz in Nordamerika. Michael Otto ist engagierter Umweltschützer und unterstützt eine Stiftung, die sich dem Schutz der Elbe verpflichtet hat.

Milliardärstreff bei SAP

Hasso Plattner, Klaus Tschira, Dietmar Hopp und Hans-Werner Hector sind hingegen in einem Industriezweig zu Milliardären avanciert, der in Deutschland eine weniger lange Tradition hat, nämlich der Softwarebranche. Allerdings sind die ehemaligen IBM-Kollegen allesamt durch die gemeinsame Gründung des Unternehmens SAP im Jahr 1972 reich geworden.

Plattner war 30 Jahre lang Geschäftsführer von SAP, bevor er 2003 zurücktrat. Zurzeit gilt sein Engagement dem Gründerzentrum HassoPlattnerVentures, das junge zukunftsträchtige IT-Unternehmen fördert. Tschira zog sich 1998 aus der Unternehmensleitung zurück. Einen Großteil seiner Zeit widmet er seiner Stiftung, die die Förderung von diversen Forschungs- und Kulturprojekten zum Ziel hat. Hopp trat im Alter von 65 Jahren von seinem Amt als Aufsichtsratsmitglied bei SAP zurück. Nun hat er mehr Zeit, sich um seine Luxusgolfanlage "Le Domaine de Terre Blanche", die in der Nähe von Cannes liegt, sowie um sein Fünf-Sterne-Spa-Hotel, Schlosshotel Bühlerhöhe, zu kümmern. Der leidenschaftliche Sportler unterstützt einen Eishockeyclub in Mannheim, einen Golfclub in der Nähe von Walldorf sowie ein Fußballstadion in seiner Heimatstadt Hoffenheim. Hector baute den nordamerikanischen Markt für SAP aus, verließ das Unternehmen jedoch im Jahr 1997, nachdem es Meinungsverschiedenheiten mit seinen Partnern gegeben hatte. Seine gemeinnützige Stiftung fördert die Krebs- und Aidsforschung sowie den Erhalt von Kunst- und Kulturschätzen.

Erfolgsrezept Pharmabranche

Ein weiterer deutscher Milliardär, der aus einem Familienbetrieb einen großen Konzern gemacht hat, ist Adolf Merckle. Der 72-Jährige hält einen 57-prozentigen Anteil an Phoenix Pharmahandel, einem der bedeutendsten deutschen Pharmagroßhandelsunternehmen mit einem Umsatz von 26 Milliarden US-Dollar, das aus dem Großhandelsgeschäft seines Großvaters hervorgegangen ist.

Merckle gehört der Generikahersteller Ratiopharm. Ferner besitzt er Anteile an Heidelberg Cement, einem weltweit führenden Zementunternehmen, sowie weiteren Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen, unter anderem der Geländefahrzeug-, Softwaresystem-, Textil- und Rohrzuckerindustrie. Der begeisterte Skifahrer und Bergsteiger unterstützt eine Stiftung, die den Erhalt und die Restaurierung von Kunstwerken fördert. Zu den 15 Milliardären in unserer Liste, die in der Pharmabranche ein Vermögen verdient haben, zählen fünf Deutsche. Auch zwei der fünf Milliardäre aus der Chemieindustrie stammen aus Deutschland.

Milliarden-Glück dank Google

Andreas von Bechtolsheim ist der einzige deutsche IT-Milliardär, der nicht durch SAP reich geworden ist, sondern sich sein Vermögen in Amerika erarbeitet hat. Er ist Mitbegründer von Sun Microsystems und Kealia, einem Unternehmen aus dem Bereich Computersystemdesign, das 2004 an Sun Microsystems verkauft wurde. Zurzeit arbeitet von Bechtolsheim als leitender Softwarearchitekt wieder für Sun Microsystems. Von Bechtolsheim war einer der Ersten, die in Google investierten. Sein ursprünglicher Anlagebetrag von 100.000 US-Dollar hat sich mittlerweile zu einem Vermögen von 1,5 Milliarden US-Dollar gemausert.