Gelddetektive Die Bastler der Bundesbank


Geldscheine, die Wohnungsbränden oder Erbschaftsstreitereien zum Opfer fallen, sind das täglich Brot für die Gelddetektive der Bundesbank. Mit Mikroskop und Pinzette bewaffnet rekonstruieren sie sogar schwer beschädigte Geldscheine.

Ein Berg an bunten Papierschnipseln ist alles, was die alte Dame aus Süddeutschland ihrer Tochter als Erbe hinterlassen hat. Geldscheine im Wert von mehr als 120.000 Euro schickte die Rentnerin durch den Aktenvernichter. "Die Frau fühlte sich vernachlässigt und gönnte ihrer Tochter das Erbe nicht", sagt Edgar Kornübe von der Deutschen Bundesbank. Pech für die rachsüchtige Frau: ihre Tochter reichte die Schnipsel bei der Bundesbank ein - und die konnten die Scheine wieder zusammenfügen.

Das Service-Centrum "Beschädigtes Bargeld" der Bundesbank in Mainz ist die einzige Stelle in Deutschland, die zerfressene, verbrannte und vermoderte Geldscheine wieder rekonstruiert. Für den Bürger ist der Service kostenlos. Hier kommen Geldscheine und Münzen auf den Tisch, die nicht mehr ohne weiteres als solche zu erkennen sind. Ein riesiger schwarzer Ascheklumpen, der beim leisesten Luftzug zerfallen würde, entpuppt sich unter den Händen der Mitarbeiter als Geldberg im Wert von knapp 10.000 Euro aus einem Wohnungsbrand.

Für den Ersatz des Geldes gilt die Alles oder Nichts-Regel

Mit Mikroskop und Pinzette bewaffnet machen sich die 15 Gelddetektive an die Arbeit. Sie legen Schicht für Schicht verbrannte Scheine frei, durchwühlen Asche nach Anhaltspunkten und puzzeln zerrissene Geldscheine aneinander. Bereits ein Quadratmillimeter genügt, um den Wert einer Note zu erkennen. "Zahlen, Blindenelemente, Silberfäden oder Hologramme geben eindeutige Hinweise", sagt Bundesbank-Mitarbeiter Horst Schubert.

Für den Ersatz des Geldes gilt die Alles oder Nichts-Regel: Die Notenbanken in Europa ersetzten Euro-Noten in voller Höhe, wenn der Kunde mehr als 50 Prozent der Banknote vorlegt - oder wenn er weniger als die Hälfte des Scheins hat und den Nachweis erbringt, dass der Rest vernichtet wurde. Das regelt ein Beschluss der Europäischen Zentralbank vom März 2003. "Diese Regelung verhindert, dass jemand einen beschädigten Schein zwei Mal vorlegt", erklärt der Leiter des Servicezentrums Kornübe.

Ohne Beweise geht gar nichts

Die Chancen auf Ersatz stehen gut. 2004 erstattete die Bundesbank Scheine im Wert von 12,6 Millionen Euro, darunter 2,6 Millionen D-Mark in der alten Währung. Fast 18.900 Anträge bearbeitete die Bank - und lehnte lediglich 1390 Fälle ab. Schlechte Karten hatte ein Mann aus Buxtehude, der behauptete, er habe Geldscheine für 200 Euro im Backofen verkohlt. Die Gelddetektive fanden stattdessen 28 Scheine im Wert von 14.500 D-Mark. "Da haben wir echte Zweifel, ob das Geld diesem Mann gehört. Wir schalten die Polizei ein", sagt Kornübe.

Kein Glück hatte auch eine Familie aus dem Kosovo, die angeblich 200.000 Mark im Rollladenkasten bei Freunden in Mannheim versteckte. Im dem Geheimfach nisteten sich Wespen ein und ließen von dem Geld nur noch ein Wespennest mit Farbspuren der braunen 1000-Mark-Scheine übrig. Da die Druckfarbe nicht nur in Geldscheinen vorkommt, reichte dies den Detektiven nicht als Beweis. Die Familie klagte gegen diese Entscheidung und verlor.

"Wir hatten schon Geld aus der abgestürzten Concorde"

Eine spezielle Ausbildung für die Detektivarbeit gibt es nicht. Viel Geduld und eine ruhige Hand sind gefragt - und ein dickes Fell: "Wenn das Geld bei Wasserleichen gelegen hat, dann ist das wirklich unappetitlich, aber man gewöhnt sich an den Gestank", sagt der gelernte Metallfacharbeiter Schubert. Dann zieht er Handschuhe an und arbeitet unter der Abzugshaube. "Wir hatten schon Geld aus der abgestürzten Concorde und aus dem World Trade Center", sagt Damian Machura. "Nach der Flutwelle in Asien wird jetzt wieder Einiges zu uns kommen."

Aus einer Straftat stammte auch der bislang größte Auftrag: Die Oetker-Millionen. 12.558 Tausendmarkscheine tauchten 1997 überraschend aus dem jahrelang vergrabenen Lösegeld der Oetker-Erpressung auf. Feuchtigkeit und Insektenfraß hatten die Scheine entstellt. Die Bundesbank ersetzte der Oetker-Familie knapp 13 Millionen Mark.

Seit Weihnachten herrscht in Mainz Hochbetrieb: Dann brennen Christbäume samt Geschenken, werden Geldumschläge aus Versehen zerrissen oder im Kamin versteckte Spargelder verfeuert. "Die Bürger sollten große Summen lieber aufs Konto einzahlen", empfiehlt Kornübe.

Marion Trimborn/DPA


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