Geschäftsklima Konjunkturwerte schüren Rezessions-Angst


Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich überraschend stark verschlechtert und Sorgen um einen Konjunktureinbruch neu befeuert. Sowohl der Geschäftsklimaindex als auch das Konjunkturbarometer brachen überraschend stark ein. Für Finanzminister Peer Steinbrück gab es aber auch eine gute Nachricht.

Deutschlands Manager schauen zunehmend pessimistisch in die Zukunft und auch bei den Verbrauchern macht sich Konjunkturpessimismus breit. Nach Darstellung des Ifo-Instituts fiel der Geschäftsklimaindex im August zum dritten Mal in Folge und notiert derzeit bei 94,8 Punkten. Drei aufeinanderfolgende Rückgänge wertet Ifo als Trendwende. Auch das Marktforschungsunternehmen GfK berichtete, die Stimmung sei so trüb wie seit fünf Jahren nicht mehr.

"Schwieriges Fahrwasser"

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte zum Absturz des Geschäftsklimas auf den tiefsten Stand seit gut drei Jahren: "Die deutsche Wirtschaft gerät damit zunehmend in konjunkturell schwieriges Fahrwasser." Viele Experten hatten lediglich einen leichten Rückgang des Konjunkturbarometers prognostiziert. Sowohl die Einschätzungen zur gegenwärtigen Wirtschaftslage als auch zu den Aussichten für die kommenden sechs Monate verschlechterten sich spürbar. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft und beruht auf Befragungen von rund 7000 Unternehmen mehrerer Branchen.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, warnte vor einer Debatte um eine drohende Rezession und vor einer "Prophezeiung, die sich selbst erfüllt", wenn die Konjunktur ständig schlechtgeredet werde. Dass die Konjunktur sich abkühlt, sei zu erwarten und ein "normaler Vorgang", der keinen Anlass zu Hysterie gebe, sagte er.

Vor allem in der Industrie kühlt sich dem Ifo-Institut zufolge das Klima deutlich ab, aber auch in der krisengeschüttelten Bauwirtschaft und im Einzelhandel verschlechterte sich die Stimmung. Bei vielen Industrieunternehmen gingen bereits die Auftragseingänge zurück, auch vom Export werde weniger Unterstützung erwartet, sagte Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb. "Die Produktionserwartungen fallen entsprechend negativer aus". Mit Neueinstellungen wollten sich viele Unternehmen jetzt eher zurückhalten.

Angst vor großen Anschaffungen

Nachlassende Bauinvestitionen und eine Flaute beim privaten Konsum haben bereits die Wirtschaft im zweiten Quartal 2008 schrumpfen lassen. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden bestätigte am Dienstag Zahlen von Mitte August, wonach die deutsche Wirtschaft im Quartal erstmals seit knapp vier Jahren wieder um 0,5 Prozent geschrumpft ist.

Sorgenkind aber bleibt der Konsum, der schon im zweiten Quartal um 0,7 Prozent sank. Viele Verbraucher zögerten weiter mit größeren Anschaffungen, nur wenige rechneten mit einer raschen Konjunkturbelebung, berichtete das Marktforschungsunternehmen GfK in seiner Konsumklimastudie. Die Prognose für das Konsumklima sank für den September auf nur noch 1,5 Punkte - nach 1,9 im August. Der Wert hatte zuletzt im Sommer 2003 auf einem so niedrigen Niveau gelegen.

Unerwartet gut gefüllte Staatskassen hellten das trübe Bild aber etwas auf. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erzielten Bund, Länder, Gemeinden sowie Sozialkassen im ersten Halbjahr zusammen einen Überschuss von 6,7 Milliarden Euro. Das ist deutlich mehr als vor einem Jahr. Der überraschend hohe Etatüberschuss löste in der Koalition aus Union und SPD prompt eine neue Debatte über zügige Steuersenkungen aus. Haushaltspolitiker der Koalition und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) warnten angesichts der Konjunkturrisiken jedoch vor übereilter Euphorie.

DPA DPA

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