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Gescheiterte VW-Übernahme Ex-Porsche-Chef Wiedeking muss vor Gericht


Jahrelang stand der frühere Porsche-Vorstand Wendelin Wiedeking im Fokus der Ermittler. Nun werden er und der Ex-Finanzchef angeklagt. Der Vorwurf: Aktienkursmanipulation beim VW-Übernahmeversuch.

Mehr als drei Jahre lang hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen Marktmanipulation bei der 2009 gescheiterten Übernahme von VW durch Porsche ermittelt. Nun hat sie Anklage gegen die Ex-Manager Wendelin Wiedeking und Holger Härter erhoben. Der ehemalige Vorstandschef und der frühere Finanzchef hätten im Jahr 2008 in öffentlichen Erklärungen des Unternehmens unrichtige Angaben über den Kauf von VW-Anteilen gemacht, ein Beherrschungsinteresse entgegen den tatsächlichen Absichten dementiert und so Anleger und Finanzwelt getäuscht, begründete die Strafverfolgungsbehörde am Mittwoch ihre Anklage. Die Behörde spricht in ihrer Mitteilung nur von zwei ehemaligen Vorständen ohne eine Namensnennung.

Die Verteidiger der Beschuldigten wiesen den Vorwurf als unbegründet zurück. Die Anklage werde keinen Erfolg haben, teilten die Rechtsanwälte mit. Über die Zulassung der Anklage muss nun das Landgericht Stuttgart entscheiden, der Prozess könnte dann im nächsten Jahr starten.

Kein Verdacht der Untreue mehr

Die beiden Top-Manager hatten vor sieben Jahren mit Rückendeckung des Porsche-Aufsichtsrates sowie des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piech Pläne zur Übernahme des Wolfsburger VW-Konzerns geschmiedet, die letztlich aber Mitte 2009 kurz vor Abschluss scheiterten. Bei einer anschließenden Razzia fanden die Strafverfolger Hinweise dafür, dass Porsche gegenüber Investoren falsche Angaben zu seinen Absichten gemacht habe und damit den Aktienkurs von VW beeinflusst habe. Von dem anfänglich ebenfalls gehegten Verdacht der Untreue rückten die Strafverfolger in ihrer Anklage ab, was Wiedekings und Härters Verteidiger als "Freispruch im Ermittlungsverfahren" feierten.

Gegen Härter startete allerdings diesen September bereits ein Prozess um Kreditbetrug. Er und zwei seiner damaligen Führungskräfte aus dem Finanzbereich sollen ebenfalls im Zusammenhang mit dem am Ende gescheiterten Angriff auf VW eine Bank bei Kreditverhandlungen fehlinformiert haben. In diesem Prozess ist ein Ende nicht absehbar. Gegen Wiedeking hatte es nie Ermittlungen in diese Richtung gegeben.

mlr/Reuters/DPA DPA Reuters

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