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Getränke: Ausländische Brauriesen: Appetit auf deutsches Bier

Ausländische Braukonzerne geben sich auf der Suche nach Übernahmekandidaten in Deutschland die Türklinken in die Hand. Auch Warsteiner bestätigte, dass schon diverse Interessenten angeklpft haben.

Deutschlands zweitgrößte Privatbrauerei Warsteiner räumte jetzt erstmals ein, dass bereits eine Reihe Interessenten angeklopft hätten. «Zwar haben alle hier bei mir am Konferenztisch gesessen: Interbrew aus Belgien, Scottish & Newcastle, South African Breweries und Anheuser-Bush aus den USA», sagte der Warsteiner-Inhaber Albert Cramer. Doch verkaufen will er nicht, fügte er dann hinzu.  

Weitere Übernahmen erwartet

Die ebenfalls im Sauerland beheimatete Privatbrauerei Veltins berichtete auch, dass die Einkaufstour ausländischer Brauereiriesen auf dem deutschen Biermarkt andauere. «Weitere Übernahmen sind schon im Geschäftsjahr 2003 zu erwarten», sagte der Generalbevollmächtigte der Brauerei C & A Veltins, Michael Huber, in dieser Woche. Höchstens 30 der bundesweit insgesamt 1.270 Brauereien seien groß genug, um für internationale Konzerne interessant zu sein. Veltins, die viertgrößte deutsche Brauerei in Familienbesitz, stehe jedoch nicht zum Verkauf.

Verkauf für Privatbrauer kein Thema

Der belgische Interbrew-Konzern sei bereits 2002 mit dem Kauf von Gilde in Hannover zur größten deutschen Brauereigruppe aufgestiegen, betonte der Veltins-Chef. Auch die niederländische Heineken-Gruppe sei durch Unternehmensbeteiligungen wie an der Karlsberg-Brauerei in Homburg-Saar in Deutschland gewachsen. Neben Veltins hatte in diesem Jahr auch Krombacher - Deutschlands größte Privatbrauerei - erklärt, dass ein Verkauf kein Thema sei. Unabhängig davon halten sich seit mehreren Wochen Gerüchte, dass die bisher größte deutsche Braugruppe Holsten in den Focus von ausländischen Braukonzernen geraten sei.  

Kooperation statt Verkauf

Warsteiner setzt nach den Aussagen Cramers auf Kooperationen mit anderen Brauereien im europäischen Ausland. Es liefen Gespräche über eine umfassende Zusammenarbeit. Damit wird bei Warsteiner offenbar das Konzept «Star Alliance», dass dem Strategie-Modell der Lufthansa ähnelt, auch nach dem Abgang des früheren Vertriebsgeschäftsführers Frank Spitzhüttl fortgeführt. Cramer verwies auf die vor genau einem Jahr geschlossene Kooperation mit der niederländischen Brauerei Grolsch. Mit der türkischen Efes-Brauerei werde Warsteiner auf dem russischen Markt vertrieben, ergänzte der Brauereiinhaber.

Problematische Nachbarschaft

Ein enges Bündnis mit den unmittelbaren Nachbarn Krombacher und Veltins sieht Cramer nach wie vor als schwierig an. Er sei zwar mit einigen anderen Brauern im Gespräch. «Aber da sind mir europäische Allianz-Partner allemal lieber als meine sauerländischen Nachbarn, die ja im direkten Wettbewerb mit Warsteiner stehen», schilderte er. Das sei zwar ein mühsames Geschäft, weil er erst das Misstrauen bei den neuen Partnern überwinden müsse. «Aber wir befinden uns in der Erfolgsspur», unterstrich der Alleininhaber.  

Weiter Weg zur Brau-Allianz

Veltins hatte den anderen großen deutschen Privatbrauereien Ende des vergangenen Jahres eine Einkaufs- und Dienstleistungs-Allianz angeboten. Angesichts des weiter zunehmenden Kostendrucks in der Branche bei gleichzeitig sinkendem Bierkonsum sollten bestehende Berührungsängste unter den Familienunternehmen abgebaut werden. So könnten Flaschen und Rohstoffe gemeinsam eingekauft werden. Auch beim teuren Sortieren der unterschiedlichen Bierkisten und Flaschensorten würde eine Zusammenarbeit von Mittelstandsbetrieben Geld sparen. Die ausgestreckte Hand führte bislang aber zu keinem Schulterschluss.