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GETRÄNKE: Kindersaft »Rotbäckchen« wird 50

Manche Markennamen wecken bei Millionen Erwachsenen Erinnerungen an die Kindheit. Dazu gehört auch das »Rotbäckchen«. Mittlerweile ist der Saft längst kultiges Szenegetränk.

In diesem Jahr feiert das Familienunternehmen Rabenhorst in Unkel bei Bonn den 50. Geburtstag seines Fruchtsaftes, der für die gesunde Wangenfarbe von Generationen von Kindern verantwortlich gewesen sein soll. Der Anblick blasser Nachkriegskinder inspirierte einst die Rabenhorst-Chefs zur Herstellung dieses Produkts, dessen Markenzeichen bis heute ein Mädchen mit roten Bäckchen und blauem Kopftuch ist. Vermutlich am 7. Mai 1952 - schriftliche Quellen fehlen - entstand der erste »Rotbäckchen«-Saft. Heute verlassen täglich rund 10.000 »Rotbäckchen«-Flaschen die Firma im nördlichen Rheinland- Pfalz.

Marktführer bei direkt Gepresstem

Rabenhorst ist nach eigener Darstellung deutscher Marktführer für direkt gepresste Säfte in Reformhäusern und Apotheken. In den Supermärkten hingegen fehlen seine 70 verschiedenen Obst- und Gemüsesäfte: Das Unternehmen ist kein Massenhersteller. »Wir haben einen extrem hohen Qualitätsstandard«, betont Marketingleiter Martin Brink. Und der hat seinen Preis: Drei Euro muss der Endverbraucher für eine Dreiviertel-Liter-Flasche »Rotbäckchen« ausgeben.

Produktion kaum verändert

Der Kindersaft hat sich im Laufe der Jahrzehnte nur wenig verändert. Seit den 70er Jahren werden bei seiner Produktion neben Trauben, Äpfeln, Brombeeren, Orangen und Kirschen auch noch südamerikanische Guaven verarbeitet. Alle diese Früchte stammen nach Firmenangaben aus biologischem Anbau.

PR-Gag: Auf der Loveprarade

In den 90er Jahren wurde Rabenhorst bewusst, dass die Marke »Rotbäckchen« mittlerweile etwas altbacken wirken könnte. Das Unternehmen nannte den Saft neudeutsch »Energy Drink« und beteiligte sich schon einmal mit einem eigenen Wagen in den »Rotbäckchen«-Farben an der Berliner Love Parade, dem größten deutschen Techno-Spektakel. »Das sorgte für viel Aufsehen«, erinnert sich Brink.

Längst Szenegetränk

Laut der Sprecherin der zu einer Genossenschaft zusammengeschlossenen deutschen Reformhäuser, Birgit Blome, hat sich der Kindersaft eisgekühlt und mit einer Scheibe Zitrone längst zu einem Szenegetränk der Techno-Jugend entwickelt. Der »Rotbäckchen«- Kopf auf T-Shirts ist mittlerweile Kult.

Lange Tradition

Das hatte sich Pfarrer Johann Heinrich Lauffs bestimmt nicht träumen lassen, als er 1805 im linksrheinischen Oberwinter einen Weinhandel gründete. Der Familienbetrieb verkaufte schließlich auch alkoholfreien Wein und zog 1885 über den Rhein nach Unkel. Die dortige Gemarkung Rabenhorst inspirierte das Unternehmen zur Annahme seines jetzigen Firmennamens. Heute sieht sich Rabenhorst als einen Pionier der Reformbewegung. Der Betrieb mit 95 Beschäftigten produziert jährlich Saftflaschen in zweistelliger Millionenzahl. Diese werden laut Brink in Deutschland in allen rund 2.400 Reformhäusern und in fast der Hälfte der 21.000 Apotheken verkauft. Außerdem exportiert Rabenhorst in rund 20 andere Staaten.

Keine Konsumflaute

Bei der Frage nach den Geschäftszahlen gibt sich die GmbH & Co. KG verschlossen. Die BSE-Krise gab dem Geschäft einen neuen Schub. Auch die gegenwärtige Konjunkturflaute wirkte sich wegen »unserer kleinen, aber potenten Klientel« nicht negativ ausgewirkt. Zudem hat das Unternehmen, hinter dem indirekt immer noch die Gründerfamilie steht, seine Produktpalette unter anderem mit gesundem Biowein, Tee, Gebäck und Mineralwasser erweitert.

Jens Albes

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