Getränkehersteller
Henkell Freixenet spürt Klimafolgen – Fokus auf alkoholfrei

"Schloss Henkell" nennt sich der Hauptsitz der Sektkellerei Henkel Freixenet in Wiesbaden. (Archivbild) Foto: Andreas Arnold/dpa
"Schloss Henkell" nennt sich der Hauptsitz der Sektkellerei Henkel Freixenet in Wiesbaden. (Archivbild) Foto
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Starkregen und Dürre in Spanien haben der Sektkellerei Henkell Freixenet zu schaffen gemacht. Mancherorts sieht das Traditionsunternehmen aber auch neue Chancen. Auf welche Trends setzt es?

Klimawandel, US-Zölle, Dollar-Abwertung und Kriege machen der deutsch-spanischen Sektkellerei Henkell Freixenet zu schaffen. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Schaumwein. 

"Auch dieses Jahr wird anspruchsvoll", teilte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Andreas Brokemper, am Hauptsitz in Wiesbaden mit. Eine Chance sei neben der "Trendkategorie" Prosecco die steigende Nachfrage nach alkoholfreien Getränken vor allem bei jüngeren Generationen: "Bewusster Alkoholkonsum ist kein Nischentrend mehr."

"Volatilität des Klimas"

Sorgen bereitet Henkell Freixenet weiterhin die Produktion des Schaumweins Cava im spanischen Nordosten. Brokemper sprach von einer "Volatilität des Klimas". Nach der Dürre in der Region Penedès 2023 und 2024 mit einer fatalen Traubenernte habe es in der Folgezeit zeitweise Starkregen gegeben. Zwar seien die Voraussetzungen für die nächste Traubenlese im Herbst 2026 vorerst gut. Doch wegen der jahrelangen Lagerung von Cava-Flaschen vor ihrem Verkauf werde das erst längerfristig ein Vorteil sein.

Zugleich setzt Henkel Freixenet auf die Verschiebung des Weinbaus nach Norden im Zuge des Klimawandels: In Südengland hat das Unternehmen 2022 bei Brighton in der Grafschaft Sussex das Weingut Bolney Wine Estate gekauft. "Wir haben da viel investiert. Wir glauben, dass der dortige Kalksandsteinboden außerordentlich gut für die Schaumwein-Produktion ist", erklärte Brokemper. Doch es gehe nicht um riesige Dimensionen: "Ganz England hat nur knapp 5.000 Hektar Rebfläche. In Deutschland ist schon das Weinbaugebiet Rheingau rund 3.300 Hektar groß."

Leichtes Umsatzplus

2025 wuchs der Nettoumsatz von Henkell Freixenet nach eigenen Angaben ohne Sekt- und Branntweinsteuer im Vergleich zum Vorjahr um 0,5 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro. Brokemper sagte, auch 2026 hoffe er trotz Konsumflaute, US-Zöllen von gegenwärtig 10 Prozent und Dollarschwäche auf ein Umsatzplus. In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe das Unternehmen nur im Corona-Jahr 2020 einen Einbruch bei den Erlösen erlebt. Und in den USA sei es seit 2025 in einer strategischen Partnerschaft mit Korbel verbandelt, einem der ältesten Schaumweinhäuser Nordamerikas.

Bei ihrem Gewinn hält sich die Sekt-, Wein- und Spirituosen-Sparte der Oetker Collection KG in Bielefeld traditionell bedeckt - man habe aber 2025 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Ein wichtiger Schritt war kürzlich die vollständige Übernahme des spanischen Cava-Herstellers Freixenet - nach dem Teileinstieg von Henkell dort 2018. 

Der Anteil alkoholfreier Getränke auf dem Gesamtmarkt ist Brokemper zufolge zwar noch gering. Sie seien bei Henkell Freixenet aber ein "Wachstumstreiber". Das Traditionsunternehmen verfolge eine "Spiegelstrategie" mit alkoholfreien Varianten seiner bekannten Marken wie Mionetto und Freixenet. 

Weniger Beschäftigte

Henkell Freixenet hat seine Internationalisierung nach eigenen Angaben 2025 weitergetrieben mit der Eröffnung neuer Landesgesellschaften in Kroatien, Irland und Argentinien. Die Gesamtzahl der Beschäftigten sei gleichwohl vor allem infolge der Wetterkapriolen in Spanien von 2024 auf 2025 um gut 100 auf rund 3.400 gesunken.

dpa