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Großrazzia: Polizei durchsucht mehrere Berliner Krankenhäuser

Großrazzia in drei DRK-Krankenhäusern und einer Privatklinik in Berlin. Bei dem mehrere Stunden dauernden Einsatz nahm die Polizei zwei Geschäftsführer und einen Chefarzt fest. Der Vorwurf: Abrechnungsbetrug und Körperverletzung.

Die Berliner Polizei hat bei einer Großrazzia mehrere Krankenhäuser durchsucht und zwei Geschäftsführer sowie einen Chefarzt verhaftet. Es geht um den Vorwurf falscher oder überflüssiger ärztlicher Behandlungen und gefälschter Abrechnungen. Ermittelt wird nach Polizeiangaben gegen drei Krankenhäuser des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sowie eine Privatklinik. Es soll ein Schaden in Millionenhöhe entstanden sein. Der Einsatz mit 150 Polizisten und drei Staatsanwälten begann am Mittwochmorgen und dauerte mehrere Stunden.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Kliniken "banden- und gewerbsmäßigen ärztlichen Abrechnungsbetrug" vor. Seit 2005 sollen Assistenzärzte für medizinische Behandlungen eingesetzt worden sein, die dann auf Weisung der Geschäftsführer als Facharzt-Behandlungen abgerechnet wurden. Die Assistenzärzte seien für die "ärztlichen Spezialleistungen" nicht qualifiziert und nicht zugelassen gewesen.

Außerdem ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs der Körperverletzung. Die Assistenzärzte sollen "körperliche Eingriffe" in der Radiologie vorgenommen haben, obwohl sie dafür noch nicht ausreichend ausgebildet waren und es keine fachliche Aufsicht gab. Zudem soll es doppelte Untersuchungen gegeben haben, die medizinisch nicht nötig waren, aber abgerechnet wurden.

Krankenhausgesellschaft sichert Kooperation zu

Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten neben den drei DRK-Krankenhäusern und der Privatklinik auch den Firmensitz der DRK-Kliniken, ambulante Behandlungszentren sowie 18 Wohnungen in Berlin und 4 außerhalb der Hauptstadt.

Verhaftet wurden die beiden Geschäftsführer der DRK-Gesellschaft und der Chefarzt der Radiologie im Krankenhaus Mitte. Die Krankenhausgesellschaft bestätigte die Ermittlungen, wollte sich aber zu Einzelheiten der Vorwürfe zunächst noch nicht äußern. "Wir kooperieren und unterstützen die Untersuchung", sagte eine Sprecherin.

Die DRK Kliniken Berlin sind nach eigenen Angaben ein gemeinnütziger Verbund mit fünf Krankenhäusern und einem Pflegeheim. 3500 Mitarbeiter sind für 200.000 Patienten im Jahr zuständig. Die Kliniken gehören rechtlich zur DRK-Schwesternschaft Berlin, einem Mitgliedsverband des Deutschen Roten Kreuzes. Das Berliner Rote Kreuz wies am Mittwoch darauf hin, dass die Kliniken nicht zu ihrer Organisation gehören.

DPA / DPA