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Handel: Milchpreiserhöhungen bröckeln schon

Die großen Handelskonzerne haben die Preiserhöhungen bei Milch und Butter zum Ärger der Bauern nach kurzer Zeit wieder teilweise zurückgenommen. Neben Rewe will nun auch Lidl den Milchpreis wieder um drei Cent je Liter senken - und die Bauern drohen mit neuen Streiks.

Eine Woche nach Ende des Lieferboykotts bröckeln die Preiserhöhungen für Milch schon wieder auf breiter Front. Nach mehreren anderen Handelsketten senkte der Discounter Lidl die erst am Montag auf zehn Cent erhöhten Preise am Mittwoch nach eigenen Angaben wieder. Die meisten Discounter und Supermärkte verlangen nun sieben Cent je Liter mehr. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) drohte angesichts des wieder entfachten Preiskampfes mit einem neuen Boykott. Der Deutsche Bauernverband sprach von "Mogelpackungen".

Einen Tag nach der Ankündigung des Branchenriesen Aldi, den Verkaufspreis nur um sieben Cent zu erhöhen, zog auch Lidl nach. Zu den Gründen machte eine Konzern-Sprecherin keine Angaben. Auch zu der genauen Höhe des Milchpreises wollte sie sich nicht äußern. Am Dienstag hatten bereits Edeka und Rewe ihre Erhöhungen je Liter Milch wieder um drei Cent zurückgenommen. Auch die ursprüngliche Preiserhöhung für Butter um 20 Cent wurde bei Rewe nach Angaben eines Sprechers am Mittwoch wieder rückgängig gemacht.

Beim BDM sorgten die neu entfachte Preisschlacht für Empörung. "Wir werden uns die Entwicklung genau anschauen", sagte BDM-Chef Romuald Schaber. Sollten die Preise weiter nach unten gehen, sei auch ein neuer Lieferstopp nicht auszuschließen. "Die Bereitschaft der Bauern, noch einmal voll durchzustarten, ist jedenfalls da", betonte er. Der Deutsche Bauernverband warnte die Lebensmittelhändler, in einen neuen Preiswettlauf einzutreten. "Mogelpackungen" bei Preiserhöhungen würden nicht akzeptiert. Für alle Milchprodukte müssten höhere Preise gezahlt werden.

BDM droht mit neuem Boykott

Im Kampf um höhere Milchpreise beendeten die Milchbauern ihren zehntägigen Lieferstreik in der vergangenen Woche, nachdem Lidl als erstes großes Handelsunternehmen Preiserhöhungen um zehn Cent für Milch und 20 Cent für Butter angekündigt hatte. Zahlreiche Lebensmittelhändler erklärten daraufhin, sich marktkonform verhalten zu wollen. Der Milchindustrie-Verband (MIV) kritisierte Bundesagrarminister Horst Seehofer. Die Politik sei auf halbem Wege stehengeblieben und werde ihrer Verantwortung gegenüber Bauern, Molkereien und Verbrauchern nicht gerecht, schrieb der MIV in einem offenen Brief an den CSU-Politiker. "Stehen Sie offen und uneingeschränkt zur Notwendigkeit höherer Preise für alle heimischen Milchprodukte."

Die Molkereien rechnen auch weiterhin mit stark schwankenden Preisen und forderten daher neue EU-Subventionen für die Landwirte. "Wir brauchen eine nachhaltige und dauerhafte Lösung, sonst bleiben die Preise unter Druck", sagte MIV-Geschäftsführer Michael Brandl. Zur Stabilisierung der Lage sollte die EU-Kommission daher für den Export über neue Hilfen für die Milchbauern in Deutschland nachdenken.

BDM hält nichts von Exportbeihilfen

Von Exportbeihilfen hält der BDM dagegen wenig: "Das kann höchstens für punktuelle Entlastungen sorgen", sagte Verbands-Chef Schaber. Entscheidend sei der Markt und hier helfe nur, auf Dauer weniger zu produzieren. "Es müssen alle nationalen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um flexible Quotenregelungen zu erreichen", forderte er. Große Hoffnung setzt Schaber daher vor allem auf den von Seehofer angekündigten Milchgipfel, der noch im Juni stattfinden soll. Der Schwung, der jetzt durch die wochenlangen Proteste in die Diskussion gekommen sei, müsse schnellstmöglich ausgenutzt werden, sagte er.

AP/DPA / AP / DPA