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Hannover Messe: Merkel verbreitet Hoffnung

Trotz Wirtschaftskrise: Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht optimistisch in die Zukunft. Auf der Hannover Messe hat sie die Hoffnung geäußert, "dass wir langsam am Tiefpunkt angekommen sind". Der Bundesverband der deutschen Industrie macht dagegen noch keine Trendwende der Konjunktur aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hofft auf ein baldiges Ende des wirtschaftlichen Abschwungs in Deutschland. "Vielleicht ist die Hannover Messe ein kleines Signal, dass wir langsam am Tiefpunkt angekommen sind", sagte die Kanzlerin am Montag bei ihrem traditionellen Rundgang über die weltgrößte Industriemesse. Sie sei sehr erfreut darüber, dass sehr viele Unternehmen trotz Krise die Messe als Chance nutzten und sich dort präsentierten. Die Beteiligung an der Hannover Messe zeige, dass die Wirtschaft die Krise nicht nur durchleben wolle. "Die Unternehmen wollen gestärkt aus dieser Krise hervorgehen, das ist auch das Klima, das ich hier spüre", betonte Merkel. Unternehmen aller Größen würden ihre Innovationen den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen entgegenstellen. Gerade Innovationen in Energieeinsparung seien dabei für die Zukunft maßgebend.

Unterstützung bekommt Merkel vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), das den konjunkturellen Tiefpunkt in Deutschland in den kommenden Monaten im Sommer erwartet. "Ich habe den Eindruck, dass wir die Talsohle im Sommer ausbilden", hatte Direktor Michael Hüther am Sonntag gesagt. "Wir erwarten danach keinen sprunghaften, sondern einen mühsamen Aufschwung, weil wir nach wie vor Belastungen aus der Finanzwirtschaft haben." Im zweiten Halbjahr sei in Summe insgesamt nicht mit viel Wachstum zu rechen.

Der Maschinenbau als eine der wichtigsten deutschen Branchen äußerte nach den Auftragseinbrüchen der vergangenen Monate inzwischen auch wieder ersten Grund zur Hoffnung. "Wir rechnen ab Jahresmitte mit dem Ende der bisherigen Talfahrt bei den Auftragseingängen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Hannes Hesse. "Wir gehen nicht davon aus, dass es eine Blitzerholung geben wird", schränkte er ein.

Die deutsche Industrie blickt dagegen mit wenig Hoffnung auf das laufende Jahr. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) machte noch keine Trendwende der Konjunktur aus. "Der ökonomische Mainstream prognostiziert einen Rückgang der diesjährigen deutschen Wirtschaftsleistung um vier bis fünf Prozent. Nichts spricht gegenwärtig für eine rasche Erholung - weder in Deutschland noch anderswo", sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel. Zugleich sprach er sich gegen ein drittes Konjunkturpaket aus. "Es ist nicht Aufgabe des Staates, sich an Industrieunternehmen zu beteiligen."

Auch nach Angaben der Bundesbank hat sich die Rezession im ersten Quartal in Deutschland zugespitzt und große Teile der Wirtschaft erfasst. Erst im Schlussquartal 2008 war das Bruttoinlandsprodukt mit 2,1 Prozent so stark eingebrochen wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Seither habe sich der Abschwung im Exportgeschäft nochmals beschleunigt. Wegen der schlechten Absatz- und Ertragsaussichten hätten die Unternehmen ihre Investitionen "sehr deutlich eingeschränkt". Das schade der Binnenkonjunktur.

DPA/Reuters/mre / DPA / Reuters