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Hauptversammlung: Aktionäre wollen Gehälter wissen

In diesem Jahr werden bei Hauptversammlungen neben dem Essen nicht nur Aktienkurs und Dividende die Treffen bestimmen, sondern auch das genaue Gehalt der Vorstände. Top-Manager, die es nicht offenlegen, soll ein Gesetz dazu zwingen.

Bei den großen börsennotierten Unternehmen beginnen jetzt wieder die Zeiten von Würstchen und Kartoffelsalat, mit denen die Dax-Schwergewichte die Aktionäre seit jeher mit Gratis-Kost bei Laune halten werden. Aber in diesem Jahr werden neben dem Essen nicht nur Aktienkurs und Dividende die Treffen bestimmen, sondern auch das genaue Gehalt der Vorstände. Falls die Top-Manager im Verlauf der Hauptversammlungen ihre Einkommen nicht freiwillig preisgeben, will die Bundesregierung im Sommer ein Gesetz erlassen. Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat den 30 Unternehmen, die im Deutschen Aktienindex (DAX) notiert sind, Zeit bis Ende Juni gegeben. Falls dann nicht mindestens 80 Prozent den Veröffentlichungs-Richtlinien der Kommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) gefolgt sind, soll die Offenlegung per Gesetz zur Pflicht gemacht werden. Innerhalb der Koalition gibt es auch Tendenzen, gar nicht mehr so lange zu warten.

Auskunftsverweigerer in der Minderheit

Dabei hat die Dauer-Debatte über die Vorstandsgehälter, bei der alle Für- und Wider-Argumente längst ausgetauscht sind, durchaus Erfolg: Die Auskunftsverweigerer sind schon in der Minderheit. Neun Konzerne wie Altana, RWE und SAP veröffentlichen die genauen Bezüge bereits. Elf Unternehmen von adidas-Salomon bis VW haben angekündigt, die Zahlen demnächst zu bekannt zu geben. Fünf Konzerne wie die Commerzbank und die Münchner Rück überlegen noch.

Allerdings sind unter den fünf Dax-Unternehmen, welche die Veröffentlichung der genauen Gehälter bislang strikt ablehnen, einige Schwergewichte. Neben dem Medizintechnik-Unternehmen Fresenius sowie der Maschinen- und Fahrzeugbauer MAN gehören die beiden Autobauer BMW und DaimlerChrysler sowie der Chemieriese BASF zu den hartnäckigen Schweigern. Begründet wird die Auskunftsverweigerung mit längst bekannten Argumenten.

Keine neuen Gegenargumente

BASF-Chef Jürgen Hambrecht (geschätztes Gehalt: 2,2 Millionen Euro) klagte vor einiger Zeit: "Diese Neiddiskussion, die in Deutschland abläuft, ist einmalig." Bei BMW heißt es: "Wir denken, dem Aktionär steht genügend Information zur Verfügung, wenn er weiß, wie viel der Vorstand in seiner Gesamtheit verdient." Im vergangenen Jahr waren das - für sechs Vorstände zusammen - 10,7 Millionen Euro. Vorstandschef Helmut Panke allein wird auf 2,8 Millionen Euro veranschlagt.

Auch die Konkurrenz von DaimlerChrysler, wo neben der Deutschen Bank vermutlich die höchsten Gehälter bezahlt werden, will bei ihrem Nein bleiben. "Wir sind nach wie vor der Meinung, dass eine Veröffentlichung nicht sinnvoll ist", sagt Sprecher Thomas Fröhlich. Deshalb muss es einstweilen bei Schätzungen bleiben. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vermutet, dass Konzernchef Jürgen Schrempp im Jahr auf 5,2 Millionen Euro kommt, die anderen neun Vorstände jeweils auf knapp drei Millionen.

Gewerkschaften kennen Bezüge

Die Schutzvereinigung gehört zu den Kleinaktionärs-Vertretungen, die bei den Hauptversammlungen lange schon über die Verschwiegenheit klagt. Umso zufriedener ist DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker, dass das Schweigekartell jetzt aufgebrochen ist. Ansonsten verweist Hocker darauf, dass die Gewerkschaften ohnehin schon längst über ihre Aufsichtsrats-Mandate informiert seien. "Die Gewerkschaften kennen alle Bezüge. Warum der Aktionär nicht?"

Einstweilen müssen sich die Anteilseigner aber noch gedulden. Die Schonfrist der Justizministerin bis zur Entscheidung über eine gesetzlichen Regelung läuft noch bis zum 3. Juni. Mit dem Aktionärstreffen von MAN ist dann für dieses Jahr die Saison der Dax- Hauptversammlungen vorbei.

Christoph Sator/DPA / DPA