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Heros-Skandal: Lidl und Schlecker schon länger misstrauisch

Der Betrugsskandal beim größten deutschen Geldtransport-Unternehmen Heros hat sich offenbar schon länger angekündigt. Über die veruntreute Geldsumme herrscht indes noch Unklarheit.

Die Discountmärkte Schlecker und Lidl wussten offenbar schon länger, dass bei der Geldtransportfirma Heros etwas faul ist. Die Drogeriekette sei nach verzögerten Zahlungseingängen deshalb schon vor einem Jahr aus den Verträgen mit Heros ausgestiegen, berichtet der "Spiegel". Die Discountkette Lidl folgte nach Angaben eines Sprechers im Dezember 2005. Zudem scheint der Schaden möglicherweise höher als angenommen. Es könnten auch 350 Millionen Euro gewesen sein, sagte der Anwalt des inhaftierten Firmenchefs Karl-Heinz W., Bertram Börner, dem Magazin "Focus". Die Staatsanwaltschaft in Mönchengladbach hatte bislang von veruntreuten Kundengeldern in Höhe von rund 300 Millionen Euro gesprochen.

Betrügereien angeblich bereits in den 90er Jahren

Ein Lidl-Sprecher sagte, man habe die Verträge mit Heros zum 31. Dezember 2005 wegen Unregelmäßigkeiten gekündigt. Die Zahlungen seien zu spät eingegangen, da sei man misstrauisch geworden. Dem Ausstieg von Schlecker ging dem "Spiegel" zufolge eine interne Untersuchung voraus. Es habe um einen Tag verzögerte Zahlungseingänge gegeben. Die Betrügereien sollen bereits in den 90er Jahren begonnen haben, berichtete der "Spiegel" unter Berufung auf Erkenntnisse des Landeskriminalamts Düsseldorf weiter. Damals soll ein Kredit über 1,5 Millionen Euro mit Kundengeldern bedient worden sein.

Nach Informationen des "Focus" hat ein Insider im August des vergangenen Jahres das Ermittlungsverfahren ins Rollen gebracht. Dieser habe den Ermittlern über Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen von Heros berichtet. Dem Bericht zufolge sind seit 1996 bereits sechs mittelständische Wertdienst-Gesellschaften mit Betrugsmaschen aufgefallen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund bestätigte der Nachrichtenagentur AP, dass seit dem vergangenen Jahr gegen den Chef der Griffs Security GmbH ermittelt wird, der rund elf Millionen Euro seiner Kunden unterschlagen haben soll. Der Verdächtige befinde sich seit Dezember 2005 in Haft.

AP / AP