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Heuschrecken: Oberstes Ziel ist die Rendite

Sie haben ein verheerendes Image, gelten als "böse Kapitalisten" und Piraten der Globalisierung. Doch wenn von "Heuschrecken" die Rede ist, werden meist verschiedene Finanzinvestoren in einen Topf geworfen. Und längst nicht alle sind böse.

Ihr Bild in der Öffentlichkeit könnte kaum schlechter sein: Seit der Heuschrecken-Debatte vor zwei Jahren um den Aufkauf heimischer Firmen durch vermeintlich "böse" ausländische Investoren, stehen sowohl Hedge-Fonds als auch internationale Private-Equity-Firmen am Pranger. Ihnen wird vorgeworfen, über heimische Unternehmen herzufallen, sie auszusaugen und dann wieder abzustoßen. Branchenkenner halten es zwar für falsch, die verschiedenen Finanzinvestoren in einen Topf zu werden – doch die Grenzen verschwimmen.

Hedge-Fonds

Den besonders spekulativen Fonds steht die gesamte Trickkiste der Kapitalmärkte zur Verfügung. Ihrem Namen nach versuchen die Hedge-Fonds, Investitionen gegen Risiken wie Kurseinbrüche oder Wechselkursschwankungen abzusichern (englisch to hedge = absichern). In der Praxis bieten Hedge-Fonds allerdings wenig Sicherheit: Sie versuchen, durch spekulative Geschäfte unabhängig vom Marktumfeld kurzfristig möglichst hohe Erträge zu erwirtschaften.

Die Fonds verkaufen beispielsweise Aktien, die sie gar nicht besitzen (Leerverkäufe). Dazu leihen sie sich diese Papiere gegen Gebühr - etwa von Banken oder Pensionsfonds aus, um sie zu verkaufen. Die Hedge-Fonds-Manager hoffen auf fallende Kurse, um die Titel dann billiger wieder zurückkaufen zu können - eine Wette, die nicht immer aufgeht. Zunehmend steigen die Fonds auch in klassische Investments ein, wie Philipp Cottier, Chef der auf Hedge-Fonds spezialisierten Harcourt AG, beobachtet: "Hedge-Fonds werden physisch, sie kaufen Firmen, besitzen Immobilien, Pipelines, Kraftwerke. Sie stehen nicht mehr nur im Wettbewerb mit Investmentbanken."

Private Equity

"Private Equity" wird zum einen als Überbegriff für den gesamten Markt der privaten Unternehmensfinanzierungen verwendet. Zum anderen steht er auch für Investitionen privater Geldgeber in späteren Phasen eines Unternehmens - beispielsweise zur Finanzierung einer Expansionsstrategie. Zumeist stecken solche Investoren ihr privates Eigenkapital (englisch = "Private Equity") in etablierte, aber nicht börsennotierte Unternehmen. Bereitgestellt wird solches Kapital vor allem über Beteiligungsgesellschaften (Private-Equity-Häuser). Das Geschäft solcher Gesellschaften ist die Übernahme, der Umbau und Wiederverkauf von Unternehmen. Wenn das Geschäft gut läuft, halten diese Investoren ihre Beteiligungen aber mitunter auch über Jahre.

Seit vor einigen Jahren die ersten internationalen Finanzinvestoren anfingen, deutsche Unternehmen aufzukaufen, gehört die Suche nach Strategien zu Abwehr feindlicher Übernahmen in heimischen Firmenleitungen mittlerweile zum Alltagsgeschäft. Die Sorge vor unerwünschtem Einfluss – sei es eines Konkurrenten oder eines Finanzinvestors – beschäftigte zuletzt Unternehmen wie Deutschlands Grohe, Thyssen Krupp, Tui, CeWe Color, Iglo, Berliner Zeitung, Techem und viele andere. Und das nicht immer erfolgreich, wie das traurige Schicksal des Armaturherstellers Grohe zeigt.

Porsche wollte VW vor Heuschrecken schützen

Zur Abwehr dieser Investoren werden nicht nur befreundete Aktionäre mobilisiert. Auch andere "Heuschrecken" werden dann gerne zur Hilfe geholt. Voraussetzung ist allerdings, dass diese mit dem Management kooperieren und eine gemeinsame Unternehmensstrategie. So begründete der Sportwagenhersteller Porsche erst kürzlich seinen Einstieg bei Volkswagen als Maßnahme zur Übernahmeabwehr. Noch schützt das VW-Gesetz vor ungeliebten Investoren, da es den Stimmanteil eines Aktionärs auf 20 Prozent begrenzt und damit dem Land Niedersachsen eine starke Stellung bei VW sichert. Das Gesetz aber könnte auf Betreiben der EU bald fallen.

Mit dem Porsche-Einstieg sicherte sich allerdings auch der frühere VW-Chef Ferdinand Piech als Porsche-Hauptaktionär Einfluss auf Europas größten Autokonzern. Auch Eigeninteressen von Porsche sind im Spiel: Volkswagen ist ein wichtiger Partner. Ein Einfluss eines Finanzinvestors oder eines anderen Autobauers bei VW könnte diese Beziehung beeinträchtigen.

Manchmal hilft Selbstbewusstsein

Der Automobilzulieferer Continental dagegen wehrte den Übernahmeversuch eines Finanzinvestors ohne Mobilisierung anderer Aktionäre ab. Branchenkreisen zufolge machte die Conti-Führung einem US-Investor klar, dass sie zu keiner Zusammenarbeit bereit sei. Konzernchef Manfred Wennemer zeigt sich zwar stets offen für Investoren. Deren Einstieg dürfe aber nicht aus Mitteln von Conti finanziert werden und dem Unternehmen keine Mittel für Akquisitionen nehmen, fordert er.

Selbstbewusst zeigt sich auch Deutsche Post-Chef Klaus Zumwinkel. Er begrüße jeden Investor gleich welcher Art. Allerdings hat er die staatliche Förderbank KfW mit knapp 30 Prozent Anteilen wohl noch bis 2010 im Rücken. Ähnlich gelassen reagiert der Stahlkonzern Salzgitter auf Übernahmespekulationen. Denn mit der Sperrminorität von gut 25 Prozent des Landes Niedersachsen verfügt das Management bereits über eine wirksame "Giftpille" gegen unliebsame Investoren.

spi/DPA / DPA
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