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Neuer Hipster-Trend: Bei der Bahn kann man jetzt alte Mülleimer kaufen – aber warum?

Die Deutsche Bahn bietet in ihrem Onlineshop die alten, verranzten Mülleimer aus ihren Zügen zu stolzen Preisen an. Ein neuer Kultgegenstand ist geboren. Wer kauft so etwas? Und warum? Und was macht man damit? 

Angebot im Bahnshop: Ein Müllbehälter für 39,50 Euro

39,50 Euro für einen Bahn-Müllbehälter? Shut up and take my money!

Jeder kennt sie doch, diese grauen, aufklappbaren Mülleimer, die in Regionalzügen und S-Bahnen angebracht sind. Jeder hat sie schon mal benutzt, auf die eine oder andere Weise. Und jeder weiß, welcher Nervenkitzel damit verbunden ist, sie zu öffnen. Manchmal liegen zerknüllte Zettel darin, um die sich mit etwas Fantasie ein ganzer Roman spinnen ließe. Bananenschalen findet man immer und Flaschensammler freuen sich über Leergut. Und dann, in diesen langen Großstadt-Samstagnächten oder in Sonderzügen voller , erwartet den nichts ahnenden Fahrgast auch mal der Mageninhalt eines vorherigen Reisenden.

Vielleicht liegt es auch daran, dass diese kleinen Behälter nun auf dem besten Weg zum neuesten Kultgegenstand sind. Neben der Tatsache natürlich, dass wir alles, was uns irgendwie an die Verirrungen jüngerer Tage (Samstagnächte und Sonderzüge) erinnert, erst einmal unheimlich cool finden. Und es unbedingt haben müssen.

Nun hätten wir früher, als wir noch jung und wild waren, wahrscheinlich versucht, die Dinger einfach mitzunehmen. So wie wir es damals mit Baustellenschildern, Konzertplakaten und Buddha-Figuren aus Restaurants getan haben. Die Erfolgsaussichten dürften allerdings gering gewesen sein – so ein Zug ist ja schließlich massive deutsche Wertarbeit. Aber damals wussten wir ja ohnehin nicht, wie toll wir so einen Mülleimer mal finden würden. Eine solche Karriere hätte dem unscheinbaren Mitfahrer früher niemand zugetraut.

Der neueste Hipster-Trend: Bahn-Mülleimer für 39,50€

Gut, dass die Deutsche Bahn dieses Problem für uns löst: Im Bahnshop gibt es jetzt die kleinen, grauen und vor allem alten Müllbehälter zu kaufen. Den kleinen für 39,50 Euro (oder für 2633 bahn.bonus-Punkte – der Währung für besonders treue Bahnkunden), den großen für 47,70 Euro. Oder den kleinen mit Ablage für 43,20 Euro. Das "Müllbehälter-Team" nennt man dieses Sortiment im Online-Shop liebevoll. 

Preise aber spielen im -Land ja ohnehin keine Rolle, wenn etwas nur alt, nostalgisch und vintage genug ist. Oder in diesem Falle wohl auch trashig. "Je retro, desto neu" – mit dieser Formel, die der Rapper Prinz Pi in einem seiner Songs aufstellt, ist das Phänomen der Mülleimer eigentlich schon erklärt. Deshalb ist es so wichtig, dass die angebotenen Abfallbehältnisse klar erkennbare Gebrauchsspuren von tausenden Kilometern und Fahrgästen tragen, die sich ihre Knie daran gestoßen oder gelangweilt mit der Klappe geklappert haben. Authentisch muss es schließlich sein. Ein gelungener Marketing-Move der Deutschen Bahn also, die ja selten genug mit guter PR gesegnet ist.

Und was macht man jetzt damit?

Doch natürlich stellt sich noch eine andere Frage: Was macht man eigentlich mit so einem Ding? Die Bahn empfiehlt die Installation im Partykeller, vielleicht könnte bei diesen Partys dann der Sesamstraßen-Klassiker "Ich mag Müll" von Oskar aus der Mülltonne laufen – der ist beinahe so nostalgisch wie unser neuestes Wohnungsaccessoire.

Die begeisterte Kundschaft hat aber schon Alternativen für diese sinnvollste aller Verwendungen von Bahn-Bonus-Punkten gefunden. Auf Twitter berichten User, dass sie sich die Mülleimer ins Wohnzimmer gehängt hätten, einer fand sogar ein solches Exemplar bei seiner Oma auf dem Klo vor. Ein altbekanntes Problem bleibt aber: Besonders viel Müll passt nicht in die Bahn-Abfalleimer. Und das mit dem Müllrausbringen ist ja auch so eine Sache. Das soll uns aber nicht weiter kümmern. Praktische Aspekte haben einen wahren Hipster schließlich noch nie interessiert.

Übrigens: Für alle, denen die Mülleimer schon zu Mainstream sind (jetzt, wo sogar der stern darüber schreibt ...), gibt es auch ein "Original-Schienenstück mit Uhr" im Bahnshop. Für nur 5267 Bonuspunkte!

Christoph Busch sitzt in seinem Zuhör-Kiosk in der U-Bahnhaltestelle Emilienstraße in Hamburg


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