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Hotdogs, Flüchtlingszelte und Öko-Strom: So funktioniert das System Ikea

Ikea steht für günstige Möbel - dabei mischt der schwedische Konzern längst auch in anderen Bereichen mit. Dahinter steckt ein ausgetüftelter Plan, der auch das Image aufpolieren soll.

Was fällt Ihnen zu Ikea ein? Klassisches, schwedisches Möbel-Design? Unschlagbar günstige Preise? Hotdogs am Ausgang? Und Möbelhäuser am Stadtrand auf der grünen Wiese?

Das ist zwar alles richtig, doch Ikea ist längst viel mehr als einfach nur das Mutterhaus des Billy-Regals. Die Schweden haben mit cleveren Ideen auch ganz andere Geschäftsfelder erobert. Dabei geht es nicht nur um Profit - einige Geschäftsbereiche hübschen vor allem das Image auf.

Die 48 Filialen von Ikea funktionieren bislang in Deutschland überall gleich - oder zumindest fast. Der erste innerstädtische Ikea in Hamburg-Altona markiert eine neue Ausrichtung. Und Deutschland ist ein Expansionsmarkt für Ikea. 70 Filialen will das schwedische Unternehmen künftig hier betreiben. Der Umsatz soll sich binnen von zehn Jahren von derzeit 4,12 Milliarden Euro auf gut acht Milliarden fast verdoppeln.

Aber auch abseits von Schränken und Betten hat Ikea neue Geschäftsbereiche erobert - oder testet zumindest, ob sie zu dem schwedischen Konzernimperium passen könnten.

1. Ikea, der Energiekonzern

Jüngst gab der schwedische Konzern bekannt bis zum Jahr 2020 den benötigten Strom für die Filialen selbst produzieren zu wollen. Dafür investiert Ikea für den Ausbau der Wind- und Solarenergie 600 Millionen Euro. Bereits jetzt ist Ikea gut im Energiegeschäft: Weltweit erzeugen 314 eigene Windkraftanlagen und 700.000 Sonnenkollektoren Strom für die Filialen. Damit würde man bislang 70 Prozent des benötigten Stroms selbst produzieren, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Aber das allein reicht den Schweden nicht. Weitere 400 Millionen Euro sollen an Menschen fließen, die "am stärksten vom Klimawandel betroffen sind", so das Unternehmen. In welche Länder das Geld fließen soll und wie die Summe verteilt werden soll, sagt das Unternehmen nicht.

Bereits zwischen 2009 und 2015 hat der Möbelverkäufer nach eigenen Angaben 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt. So betreibt Ikea Windparks in Deutschland - und nutzt den Strom nicht selbst, sondern speist ihn ins deutsche Energienetz ein.

2. Ikea und die Flüchtlingsunterkünfte

Die Ikea Foundation - die milliardenschwere und gemeinnützige Stiftung des schwedischen Möbelhauses - ist für karitative Zwecke ins Leben gerufen worden. In diesem Jahr will sie 30.000 faltbare Flüchtlingsunterkünfte vor allem nach Syrien liefern. Die kleinen Häuser sollen so einfach aufzubauen sein wie ein Billyregal und wurden zusammen mit dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) entwickelt. Die Idee: Um Flüchtlinge schnell unterzubringen brauchen die Helfer einfache Hütten, die leicht zu transportieren und aufzubauen sind. Inzwischen wurden die Hütten in verschiedenen Krisengebieten, beispielsweise im Irak und Äthiopien, getestet. 

3. Ikea und die Innenstadt

Wer zu Ikea will, muss entweder aus einer ländlichen Region in den Speckgürtel größerer Städte fahren - oder eben die Innenstadt in Richtung Vorort verlassen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln schafft man es in der Regel kaum zu einer Filiale. Zumindest bis jetzt.

Denn im vergangenen Jahr eröffnete Ikea in Hamburg sein erstes innerstädtisches Möbelhaus. Und dahinter steckt System. "Wenn wir früher Ikea-Häuser gebaut haben, dann haben wir nach einem Autobahnkreuz gesucht und den Laden dorthin gesetzt, weil die ganze Gesellschaft auf Autos ausgerichtet war", sagte Ikea-Chef Peter Agnefjäll in einem Interview. "Heute sind wir natürlich an einer guten Erreichbarkeit für Autos interessiert. Aber es ist in Zukunft noch wichtiger, dass es eine gute Erreichbarkeit mit den Öffentlichen gibt."

Die Innenstadt-Filiale sei daher ein Test, ob Ikea in der Nachbarschaft als Einkaufsort von Kunden angenommen werde. Noch könne man nichts zu dem Erfolg des Möbelhauses sagen. Sollte sich das Prinzip durchsetzen, könnten weitere Innenstadt-Häuser dazukommen.

4. Ikea und der Trick mit den Hotdogs

Hotdogs für einen Euro, ein Frühstück für nicht mal zwei Euro oder ein Drei-Gänge-Menü für weniger als vier Euro - das ist unverschämt günstig. Und offensichtlich nicht kostendeckend. Rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz macht Ikea mit dem Foodservice - ob die Schweden mit Köttbular und Co. auch Gewinn erwirtschaften, sagen sie nicht. Zumindest wirkt sich das günstige Essen auch auf die Waren im gesamten Möbelhaus aus, wie nun ein Insider berichtet. Denn günstige Snacks würden dem Kunden das Gefühl vermitteln, dass auch alle anderen Produkte bei Ikea Schnäppchen seien - auch wenn das nicht immer stimmt, erklärt ein ehemaliger Mitarbeiter.

5. Ikea verkauft Versicherungen

In Schweden verkauft Ikea nun auch Versicherungen - zumindest testet das Unternehmen dieses Geschäftsmodell. Vor allem "Ikea Family"-Mitglieder könnten potentielle Kunden für das Angebot sein. Seit dem ersten Oktober 2014 können Kunden in einigen Filialen Versicherungspolicen abschließen, die von einem Tochterunternehmen des Einrichtungskonzerns angeboten werden. Zunächst bietet Ikea eine Unfallversicherung für Kinderund Schwangere an. In einem weiteren Schritt soll es auch eine Gebäudeversicherung geben. Ob sich der Test bislang rentiert hat oder auch in Deutschland angeboten werden soll, ist nicht bekannt.

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