Immobilien Telekom vor neuen Problemen mit alten Immobilien


Erst nach Vorliegen eines neuen Gutachtens steht die genaue Höhe der Wertberichtigung fest, möglich sind bis zu sechs Milliarden Mark.

Der Telekom drohen in der Immobilienaffäre weitere Wertberichtigungen. Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick erwartet verlässliche Ausagen über den tatsächlichen Immobilienwert nach einem Bericht der ARD-Sendung »Report Mainz« von einem neuen Gutachten im dritten Quartal. »Wenn wir dieses Gutachten vorliegen haben, wissen wir, wie hoch der Abwertungsbedarf dann ist«, erklärte Eick. Nach Einschätzung von Aktionärsschützern könnten auf die Telekom zudem weitere Abschreibungen bei einer Prüfung der Gebäude zukommen.

Bisher Verlust von fast vier Milliarden Mark

Im Februar hatte die Telekom den Wert ihrer Grundstücke um knapp vier Milliarden Mark nach unten korrigiert. Eick sagte: »Ich kann Ihnen also heute noch nicht sagen, ob die 3,9 Milliarden die richtige Zahl sind.« Telekom-Sprecher Ulrich Lissek wies darauf hin, dass es sich bei der Aussage Eicks um eine Selbstverständlichkeit handelt, da das Gutachten ja noch nicht erstellt ist. Die 3,9 Milliarden Mark sind aber sehr konservativ gemessen.

Nach den Grundstücken werden Bauten geprüft

Auf die Telekom könnten nach Einschätzung von Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz zudem weitere Abschreibungen aus den Gebäuden zukommen. »Die Gutachter haben bisher nur die Grundstücke geprüft und nicht die Bauten«, zitierte das Nachrichtenmagazin »Focus« Benner-Heinacher. Zugleich wurden erneut Vorwürfe laut, die Telekom habe frühzeitig von der Bewertungsproblematik ihrer Immobilien gewusst.

Wie »Spiegel« und »Focus« berichteten, hatte der frühere DeTeImmobilien-Chef Frerich Görts bereits 1998 auf die Bewertungsfrage hingewiesen. Telekom-Sprecher Lissek sagte, die Vorwürfe seien altbekannt. Die Telekom halte an ihrer Auffassung fest, dass die Bewertung des Immobilienvermögens 1995 korrekt gewesen sei.

Altbekannte Tatsachen

Laut »Focus« soll Görts, der seit seiner fristlosen Kündigung im Rechtsstreit mit der Telekom liegt, im Frühjahr 1998 darauf aufmerksam gemacht haben, dass Liegenschaften in Bonn, Düsseldorf, Köln und München um ein Fünftel überbewertet sind. Lissek bestätigte, dass Görts Gutachten habe erstellen lassen. Zunächst wurden 40 und später rund 300 Grundstücke überprüft worden.

Dabei scheint aber eine spezielle Vorauswahl getroffen worden zu sein. Es hat sich später herausgestellt, dass Grundstücke, bei denen Görts einen besonders hohen Korrekturbedarf bei der Bewertung gesehen hatte, später zu deutlich höheren Preisen, als dem Buchwert, verkauft worden sind. Zudem habenen sich die Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen später offiziell von den Gutachten distanziert. Laut »Report Mainz« rechnet Görts dagegen mit einem zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf von vier bis sechs Milliarden Mark (rund drei Milliarden Euro).


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