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Industrie: »Superlopez« ist am Ende

Von seinen hochfliegenden Plänen ist nichts mehr übrig: Der berüchtigte Ex-VW-Manager Ignacio Lopes ist nach einem schweren Autounfall nur noch ein Schatten seiner selbst.

Jose Ignacio Lopez de Arriortua ist kaum wiederzuerkennen. In diesem Jahr sollte eigentlich der große Traum des früheren VW-Spitzenmanagers in Erfüllung gehen. »2001 laufen die ersten Wagen in meiner eigenen Autofabrik im Baskenland vom Band«, hatte er 1999 noch selbstbewusst angekündigt. Stattdessen holte ihn der Skandal um seinen Wechsel von General Motors zu Volkswagen vor acht Jahren wieder ein: Die USA wollen seit fast einem Jahr unter dem Vorwurf der Industriespionage die Auslieferung des als »Superlopez« bekannt gewordenen Spaniers erreichen.

Kein Asket mehr

Dass der inzwischen 60-Jährige nicht mehr derselbe ist, wurde jüngst bei einem Verhandlungstermin vor dem Nationalen Gerichtshof in Madrid deutlich. Der einst so asketische Manager, der Mitarbeitern in seiner Gesundheitsfibel strikte Trennkostdiät vorschrieb, hat deutlich Bauch angesetzt. »Meine Frau macht eine verdammt gute Paella mit Kabeljau«, vertraute er dem Richter an. Von Lopez? großen Träumen ist nichts mehr übrig, das Feuer in ihm scheint erloschen: »Ich kann nicht mehr arbeiten und habe mich deshalb zur Ruhe gesetzt.« Früher klang er noch ganz anders: »Ich mache nie Urlaub, denn der beste Urlaub ist die Arbeit.«

Sein schwerer Autounfall Anfang 1998 hat bei dem baskischen Ingenieur Spuren hinterlassen. Lopez war damals als Beifahrer in einem Wagen in einen Lastzug gerast. Er lag mit schwersten Kopfverletzungen 40 Tage im Koma, sein Leben hing an einem seidenen Faden. Doch er überstand das Unglück und erschien zunächst wieder fit zu sein. Er nahm sogar neue Projekte in Angriff.

Irreparable Schäden

Laut mehreren ärztlichen Gutachten leidet er nun aber zunehmend an Gedächtnislücken und Persönlichkeitsstörungen. Er sei deshalb prozessunfähig. Ein Gericht im Baskenland verbot ihm sogar, seine eigenen Bankkonten zu führen und übertrug die Verfügungsgewalt seiner Frau. Die Gesundheitsschäden sind auch eines der Hauptargumente seiner Anwälte, um die Auslieferung zu verhindern. »Um verlorene Erinnerungen zu ersetzen, denkt er sich seine eigene Wirklichkeit aus«, sagt der Psychiater Jose Miguel Lopez Ibor. Seine Diagnose klingt hart: »Dieser Zustand wird sich weiter verschlechtern, die Schäden sind irreparabel.«

Auslieferung unwahrscheinlich

Dem widerspricht der von der US-Justiz beauftragte Gutachter Charles Clark. Für ihn ist der frühere Top-Manager nur ein Fabulant und durchaus in der Lage, einem Prozess zu folgen. Die spanische Staatsanwaltschaft sieht das ähnlich und unterstützt die Überstellung an die USA. Dort drohen Lopez im Falle einer Verurteilung wegen Betrugs und Diebstahls von Geheimunterlagen mehrere Jahre Haft sowie hohe Geldstrafen. Dass es soweit kommt, scheint allerdings unwahrscheinlich: Bislang ist noch nie ein spanischer Staatsbürger an die Vereinigten Staaten ausgeliefert worden. Jörg Vogelsänger

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