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INDUSTRIE: HP-Fusion mit Compaq fast fix

Die HP-Aktionäre haben offenbar mit hauchdünner Mehrheit einer Fusion mit dem Konkurrenten zugestimmt. Aber auch die Gegner glauben noch an einen Sieg.

Der US-Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) sieht nach seiner Aktionärsversammlung zur geplanten Fusion mit dem Konkurrenten Compaq die notwendige Mehrheit für das Vorhaben gesichert. Die Fusionsgegner unter den Anteilseignern wollten sich am Dienstag allerdings nicht geschlagen geben und sprachen von einem äußerst knappen Ausgang. Ein offizielles Abstimmungsergebnis wird erst in einigen Wochen erwartet.

HP-Chefin Fiorina glaubt an Mehrheit

HP-Chefin Carly Fiorina sagte auf einer Pressekonferenz unter Berufung auf eine erste Einschätzung ihres bevollmächtigten Rechtsvertreters, das Projekt hätte eine »kleine, aber entscheidende Mehrheit« der Aktionärsstimmen bekommen. Auch Fusionspartner Compaq geht nun davon aus, dass der mit einem Volumen von 20 Milliarden Dollar (rund 22,7 Milliarden Euro) bislang größte Zusammenschluss in der Computerbranche zum Greifen nah ist. Für die am Mittwoch anstehende Entscheidung der Compaq-Aktionäre erwartet Konzern-Chef Michael Capellas nach eigenen Worten eine deutliche Mehrheit für das Vorhaben.

Fusionsgegner Hewlett bleibt optimistisch

Fusionsgegner Walter Hewlett, Mitglied im HP-Führungsgremium und Sohn von Firmengründer William Hewlett, zeigte sich dagegen optimistisch, dass die Auszählung der Stimmen die mehrheitliche Ablehnung des Vorhabens durch die HP-Aktionäre zeigen wird. Derzeit ist es jedenfalls unmöglich, das Ergebnis vorherzusagen. Hewlett verwies darauf, dass die Anteilseigner noch im Verlauf der Hauptversammlung ihre Meinung ändern konnten. Bei HP dürfen die Aktionäre während ihres Treffens zu einem Antrag mehrmals ihre Stimme abgeben.

Analysten erwarten Zustimmung

Analysten schlossen sich der Einschätzung Fiorinas an. »Ich glaube nicht, dass HP hier wilde, unbegründete Erklärungen abgibt«, sagte Richard Chu von SG Cowen. Seiner Ansicht nach hat der Konzern den Streit zu eigenen Gunsten entschieden. »Die größte Unsicherheit liegt jetzt hinter uns.« Der Kurs der Compaq-Aktie stieg in New York zum Handelsschluss um 7,5 Prozent auf 11,14 Dollar, während HP gut 2,3 Prozent auf 18,80 Dollar verloren.

Medienkrieg zwischen Hewlett und Fiorina

Walter Hewlett und HP-Chefin Fiorina hatten sich in den vergangenen Wochen über die Medien einen heftigen Streit um die Zukunft des Konzerns geliefert. Hewlett hatte Fiorina dabei wiederholt vorgeworfen, sich bei der künftigen Ausrichtung des fusionierten Unternehmens einseitig auf Personal Computer zu konzentrieren, anstatt das Geschäft mit hochwertigen Computern und Druckern voranzutreiben. HP muss bei einer Fusion mit Compaq 150.000 Mitarbeiter integrieren und läuft dabei Gefahr, gegenüber den Konkurrenten an Boden zu verlieren, hatte Hewlett gewarnt.

Fiorina vor 'Lebensaufgabe'

Fiorina, die ihre weitere Karriere bei HP an den Erfolg des Fusionsvorhabens geknüpft hat, will einen neuen Computerkonzern mit einem Gesamtumsatz von 80 Milliarden Dollar schaffen, der dem weltweiten Branchenführer IBM die Stirn bieten kann. Sie versprach den Aktionären ein »Technologiekraftwerk«, das alle Kundenwünsche befriedigen soll. Den geplanten Abbau von 15.000 Stellen bezeichnete sie als bedauerlich. Es wäre aber falsch, nur die Fusion für die Streichungen verantwortlich zu machen. »Wir haben heute 36.000 Mitarbeiter in Geschäftsbereichen, in denen kein Geld verdient wird«, sagte Fiorina.

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