HOME

Inflation: Preise für Lebensmittel steigen kräftig

Einen stärkeren Preisanstieg gab es zuletzt 2008: Nahrung ist für die Menschen in Deutschland im letzten Monat deutlich teurer geworden. Besonders rasant war die Entwicklung bei Butter und Kartoffeln.

Die Preise für Nahrungsmittel sind in Deutschland so kräftig gestiegen wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. Sie verteuerten sich im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um durchschnittlich 5,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Einen stärkeren Anstieg gab es zuletzt im September 2008 mit 6,5 Prozent.

Spürbar tiefer in die Taschen greifen mussten die Verbraucher beispielsweise für Speisefette und Speiseöle. So war Butter im Vergleich zum Juli 2012 um 30,8 Prozent teurer. Auch die Preise für Molkereiprodukte und Eier zogen insgesamt um 6,1 Prozent an. Für Obst mussten die Menschen 11,3 Prozent mehr Geld hinlegen - für Äpfel sogar 22,3 Prozent. Für Gemüse wurden im Schnitt 11,7 Prozent mehr fällig, Spitzenreiter waren Kartoffeln mit 44,4 Prozent Preiszuwachs.

Fachleute machen Wetterkapriolen für die rasante Preisentwicklung mitverantwortlich: Erst der lange Winter, dann die Überschwemmungen sowie zuletzt Hitze und Trockenheit verhinderten dem Bauernverband zufolge vielerorts eine gute Ernte. "Vermutlich treibt der kalte Winter die Nahrungsmittelpreise weiter nach oben", meint auch Christian Schulz, Ökonom der Berenberg Bank. "Hinzu kommen die Hochwasser in Teilen Deutschlands." Auch Missernten und Schwankungen am Weltmarkt dürften Schulz zufolge eine Rolle spielen.

Inflation nimmt kräftig zu

Die deutlich teureren Lebensmittel trieben die Inflationsrate auf ein Jahreshoch. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 1,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Im Mai hatte die Inflation nach Monaten des Rückgangs erstmals wieder auf 1,5 Prozent angezogen. Damit bewegt sie sich weiter in Richtung der Marke von 2,0 Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) stabile Preise gewahrt sieht. Eine höhere Teuerungsrate war zuletzt im Dezember 2012 mit 2,0 Prozent ermittelt worden. Im Vergleich zum Vormonat Juni legte der Verbraucherpreisindex nur um 0,5 Prozent zu, wofür vor allem höhere Preise für Pauschalreisen und Flugtickets in der Feriensaison verantwortlich waren.

Die Energiepreise erhöhten sich binnen Jahresfrist um 2,9 Prozent. Erheblich teurer war dabei - wie schon in den Vormonaten - Strom mit einem Preisplus von 11,9 Prozent. Günstiger im Vergleich zum Juli 2012 wurde leichtes Heizöl, und zwar um 3,6 Prozent. Zeitungen und Zeitschriften verteuerten sich um 4,1 Prozent. Tabakwaren waren um 3,6 Prozent teurer, was nach Angaben der Statistiker auf eine verspätete Weitergabe der Tabaksteuererhöhung zum Jahresbeginn 2013 zurückzuführen ist.

Um 4,5 Prozent günstiger wurde hingegen Kaffee. Für Geräte der Unterhaltungselektronik mussten die Verbraucher 5,1 Prozent weniger zahlen als ein Jahr zuvor.

Sobald sich die Entwicklung bei den Nahrungsmittelpreisen normalisiere, dürfte auch die Inflation wieder fallen, prognostizierte Ökonom Schulz.

mad/Reuters/AFP/DPA / DPA / Reuters