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Insolvenz-Bericht: Private Pleiten nehmen stark zu

Die Zahl der Firmenpleiten hat ihren Höhepunkt erreicht, wie die Auskunft der Creditreform berichtet. Besorgniserregend aber ist die um 25 Prozent gestiegene Zahl der Privatinsolvenzen.

Die hohe Arbeitslosigkeit und die wachsende Zahl von Scheidungen und Trennungen lässt immer mehr Menschen in die Schuldenfalle tappen. Folge: In Deutschland ist die Zahl der Privatinsolvenzen im vergangenen Jahr um 25 Prozent angestiegen. Insgesamt waren 76.100 Menschen nicht mehr in der Lage ihre Schulden zurückzuzahlen, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform jetzt bekannt gegeben hat. Für dieses Jahr wird ein weiterer Anstieg um 25 Prozent auf bis zu 100.000 Fälle erwartet.

Der traurige Plus bei den Privatinsolvenzen ist allerdings kein rein deutsches Phänomen. Auch in Großbritannien, Österreich und den Niederlanden nahm ihre Zahl zweistellig zu.

39.600 Firmenpleiten im vergangenen Jahr

Die Bilanz der Firmenpleiten hat offenbar ihren Höhepunkt erreicht. Im Jahr 2004 habe die Serie von Unternehmensinsolvenzen mit 39.600 den Vorjahresstand noch einmal leicht übertroffen. Das Plus betrug 0,3 Prozent. Im laufenden Jahr sei nun mit einer Stagnation, vielleicht sogar mit einem leichten Rückgang der Firmenpleiten zu rechnen, sagte der Geschäftsführer von Creditreform, Helmut Rödl.

Trotz des neuen Pleitenrekords ist die Zahl der durch Pleiten gefährdeten Arbeitsplätze ist im vergangenen Jahr um 1,3 Prozent auf 605.000 gesunken. Die Schäden für die Volkswirtschaft sind aber weiter immens: 39,4 Milliarden Euro sind dem Staat durch die Pleitewelle verloren gegangen.

Deutschland im unteren Mittelfeld

Creditreform hat nicht nur die Insolvenzen in Deutschland sondern europaweit unter die Lupe. Mit einem Zuwachs von 0,3 Prozent lag Deutschland europaweit im unteren Mittelfeld. Den höchsten Zuwachs bei den Insolvenzen verzeichnete Griechenland, Österreich und die Schweiz.

Dennoch lag die Bundesrepublik mit 39.600 Firmenpleiten im europaweiten Pleite-Ranking der Wirtschaftsauskunftei im vergangenen Jahr auf dem zweiten Platz. Eine höhere Zahl von Firmenzusammenbrüchen gab es nur noch in Frankreich, wo mehr als 40.000 Unternehmen den Gang zum Konkursrichter antreten mussten.

Doch relativiert sich die schlechte Note für Deutschlands Wirtschaft, wenn man bei der Rangliste nicht die absoluten Zahlen sondern die Insolvenzquote zu Grunde legt. Überraschender Spitzenreiter ist dann Luxemburg mit 280 Firmenpleiten je 10.000 Unternehmen. Deutschland belegt mit 135 Firmenpleiten je 10.000 Unternehmen in der Insolvenzstatistik nur noch einen Platz im Mittelfeld.

Europaweit zählte Creditreform 2004 rund 156.000 Firmenpleiten und 140.000 Verbraucherinsolvenzen. In diesem Jahr werde die Zahl der Firmenpleiten wohl auf 160.000 ansteigen und die Zahl der Verbraucherinsolvenzen auf 170.000 in die Höhe schnellen, prognostizierte die Wirtschaftsauskunftei.

DPA / DPA