Inspiration Kommt ein Trabi nach Südafrika ...


Die Philosophie der DDR-Automobillegende Trabant soll zum Exportschlager werden. Ein unverwüstliches und billiges Auto für Schwellenländer soll her - gebaut mit dem Know-how ehemaliger Trabi-Entwickler.

Mit dem Know-how ehemaliger Trabant-Entwickler will der Langener Unternehmer Peter Mandos Schwellenländer wie Südafrika mit Autos versorgen. Mandos, der seine Idee am Mittwoch in Kronberg vor potenziellen Investoren präsentierte, schwebt ein einfaches, billiges und unverwüstliches Fahrzeug wie der Trabant vor, das maximal 3.000 Euro kosten soll.

Die insolvente Sachsenring Fahrzeugtechnik GmbH, Nachfolgefirma des Trabant-Produzenten VEB Sachsenring, soll dazu eine Machbarkeitsstudie erstellen, doch noch fehlt das Geld dazu. Die Idee kam Mandos nach eigenen Worten gemeinsam mit einem südafrikanischen Geschäftsfreund in einer Hafenkneipe in Henningsdorf bei Berlin, als sie tonnenweise Bierdeckel mit Ideen und Erfindungen voll kritzelten und schließlich beim Gedanken an das billige Fahrzeug für Südafrika hängen blieben. "Dann fuhr draußen ein Trabi vorbei", erzählte Mandos. "Ich dachte, der ist unkaputtbar, so was brauchen wir für Südafrika."

Großer Bedarf an günstigen LowTech-Produkten vermutet

Im Süden des Schwarzen Kontinents und in anderen Schwellenländern, so glaubt Mandos, gebe es einen Riesenmarkt für Low-Tech- und Low-Cost-Produkte. In Sachsen dagegen herrscht hohe Arbeitslosigkeit, ist die Sachsenring Fahrzeugtechnik insolvent. Das passe doch zusammen, befand Mandos. Derzeit fehle es ihm nur noch an einer Million Euro für die Machbarkeitsstudie. Falls die erfolgreich ausfalle, könne die Produktion in drei Jahren starten, wenn auch nicht in Ostdeutschland.

Mitarbeiter mit Know-how sind noch da

"Wir planen nicht, einen neuen Trabant zu bauen, auch nicht in Zwickau", sagte Sachsenring-Vertriebsleiter Stefan Christ. Aber eine High-Tech-Schmiede, die sich nur in Sphären von Acht-Zylinder-Einspritzern bewege, sei gar nicht in der Lage, an ein so einfaches Fahrzeug zu denken. Sachsenring habe die Mitarbeiter mit genau diesem Know-how noch im Unternehmen, und die Idee sei schon spannend, sagte er.

Transporter mit Geländetauglichkeit

An den Trabant 601 mit seinen Heckflossen und Bonbonfarben wird der Afrika-Trabi, falls er je wie beabsichtigt in Afrika gebaut werden sollte, allerdings kaum erinnern. "Vergessen Sie den Begriff Auto", sagte Christ. "Wir reden von einer Art Transporter, der über nichtasphaltierte Pisten fahren kann und vielleicht noch einen Wassertank an Bord hat."

Das Design sollen die Kunsthochschulen Dessau und Johannesburg gemeinsam entwickeln. Der Motor soll einen maximalen Hubraum von 1,1 Litern und damit knapp doppelter Trabant-Größe haben, die Höchstgeschwindigkeit dagegen nur 80 Stundenkilometer betragen. "Nein, Sachsenring werden wir damit nicht retten", sagte Mandos. Helfen könne das Projekt dem Unternehmen aber vielleicht schon, sinnierte er.


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