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Networking Auch Introvertierte können Karriere machen – nur eben anders als Extrovertierte

Introvertierte können Karriere machen
Ungezwungen mit neuen Menschen ins Gespräch zu kommen fällt Introvertierten meistens schwer
© Pixelfit / Getty Images
Netzwerken ist vielen introvertierten Menschen ein Graus. Der Unternehmer Matthew Pollard gibt Tipps, wie sich trotzdem wertvolle Kontakte im Berufsleben aufbauen lassen.

Ein Raum voller Menschen, die angeregt miteinander reden – nur man selbst kennt keinen von ihnen und steht unsicher am Rand. Ein Setting, in dem erwartet wird, proaktiv auf andere Menschen zuzugehen, sich selbst von seiner besten Seite zu zeigen und das Gegenüber innerhalb weniger Minuten von sich und seinen Vorzügen zu überzeugen. Das ist der Stoff, aus dem Albträume für Introvertierte sind. Und dennoch spielen sich solche Szenen in der Berufswelt immer wieder ab. Wer freiberuflich unterwegs ist, als Selbstständiger Kund:innen sucht oder in einem Unternehmen aufsteigen will, muss Netzwerken können.

Gerade das aber ist introvertierten Menschen ein Graus. Viele von ihnen ziehen es vor, lieber im Hintergrund zu bleiben, wenig Aufheben um ihre (gute) Arbeit zu machen und sich vor allem mit Menschen zu umgeben, die sie schon lange kennen und denen sie vertrauen. Auf fremde Personen zuzugehen, fällt ihnen oft schwer. Auf der Karriereleiter, die vor allem für Extrovertierte, die sich selbst gut darstellen können, ausgelegt ist, kann das ein gewichtiger Nachteil sein. Können Introvertierte also keine Karriere machen? Doch, sagt Matthew Pollard, Autor des Buches "Der Pfad der Introvertieren zum Networking". Und noch mehr: Introvertierte müssten sich dazu nicht verstellen, im Gegenteil: Sie könnten die Fähigkeiten, die sie aufgrund ihrer eigenen Persönlichkeit besitzen, für sich nutzen.

Introvertierte haben andere Erfolgsrezepte als Extrovertierte

"Der Weg zum Erfolg sieht für Introvertierte nicht so aus wie für Extrovertierte. Wir sind anders, und das müssen wir für uns nutzen", meint er. Pollard spricht aus eigener Erfahrung: Er bezeichnet sich selbst als introvertiert, hat aber mehrere Multimillionen-Dollar-Firmen aufgebaut. Längst ist er selbst Networking-Profi und hat sich darauf spezialisiert, mit Büchern und Vorträgen introvertierte Unternehmer und Angestellte auf ihrem Weg zu unterstützen. Denn schließlich kommt man in den meisten Branchen nur mit Hilfe von Kontakten wirklich voran. Wer aber, wie viele Introvertierte, eher dazu tendiert, am Altbekannten festzuhalten und sich oft davor scheut, Kontakt zu neuen Menschen aufzunehmen, stagniert.

Dabei kommt es laut Pollard nicht zwingend darauf an, zu einer perfekten Power-Point-Präsentation seiner selbst zu mutieren oder ununterbrochen zu reden. Diese Eigenschaften wirken sogar oft nervig und oberflächlich auf andere. Introvertierte können die Charakterzüge ausspielen, die ihnen in die Wiege gelegt sind: gewissenhafte Arbeit, Zuverlässigkeit, Zuhören und Fragen stellen, Fokussierung auf die entscheidenden Aspekte eines Themas, penible Vorbereitung. Ganz ohne Verkaufen geht es aber nicht. Es kommt schließlich nicht nur darauf an, all diese Eigenschaften zu besitzen, sondern sie auch von Zeit zu Zeit so darzustellen, dass Kunden oder Chefs ihren Wert erkennen. Die gute Nachricht: Meist fallen diese Vorzüge dem Umfeld ins Auge, ohne dass man sie explizit betonen muss – Introvertierte tendieren auch dazu, sich selbst zu wenig zuzutrauen.

Ausgestorbene Berufe

Planung, Vorbereitung und Übung

Drei Punkte sind für Introvertierte laut Pollard zentral, um beim Networking erfolgreich zu sein: Planung, Vorbereitung und Übung. Alle drei Ideen entsprechen dem introvertierten Prototyp, der sich ungern in Situationen begibt, die er nicht kennt oder nicht einschätzen kann. Und sie bieten Introvertierten die nötige Sicherheit, um sich beispielsweise auf einem Netzwerktreffen sicherer zu fühlen und dort eine gute Figur machen zu können, ohne sich zu verstellen. Weil viele Introvertierte lieber schreiben als reden (erst recht nicht in Gruppen), eignen sich Netzwerke wie LinkedIn hervorragend für sie – auch wenn sie den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Pollard zeigt auf, wann es sich lohnt, sofort in die Offensive zu gehen, welche Kontakte sich eher langfristig auszahlen und wie man sich im geschäftlichen Spiel des Gebens und Nehmens nicht übervorteilen lässt. Hat man einem potenziellen Geschäftspartner beispielsweise versprochen, ihm zwei Kontakte zu vermitteln, gibt man zunächst nur einen preis – bis der Gegenüber ebenfalls sein Versprechen eingelöst hat.

Manchmal wird es herausfordernd, bei manchen Vorschlägen Pollards dürfte es viele Introvertierten sogar regelrecht schütteln. Wie bei dem Unternehmer, dem Pollard aufgetragen hat, seine Kunden zu fragen, was genau sie an seinem Service so schätzen. Einem Introvertierten fiele das nicht im Schlaf ein. Pollard liefert allerdings direkt das Skript für den nächsten Telefonanruf oder die nächste LinkedIn-Nachricht mit. Klingt für Extrovertierte wahrscheinlich komisch. Für Introvertierte dürfte es eine große Hilfe sein.

"Der Pfad der Introvertierten zum Networking – Authentisch und mit System zum Businesserfolg" von Matthew Pollard, übersetzt von Ricarda Colditz, 240 Seiten, 28 Euro.


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