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Investoren-Rückzug: Alitalia steht vor dem Aus

Jetzt wird die Luft für die angschlagene italienische Fluggesellschaft Alitalia dünn: Weil die Gewerkschaften den Sanierungsplänen der Investorengruppe Cai bis Donnerstagnachmittag nicht zustimmten, hat diese ihr Angebot zurückgezogen. Regierungschef Berlusconi reagierte betroffen: "Wir stehen am Abgrund"

52 Jahre nach ihrer Gründung steht die Alitalia vor dem Aus. Die Investorengruppe Cai zog am Donnerstag ihr Angebot zur Rettung der nahezu insolventen Fluggesellschaft zurück, weil es zu keiner Einigung mit den Gewerkschaften gekommen war. Das wurde nach einer Versammlung der Gruppe offiziell mitgeteilt. Die Zustimmung der Beschäftigten zu dem Rahmenabkommen für eine Rettung der Alitalia war von den potenziellen Investoren als unabdingbar angesehen worden.

Sechs der neun Gewerkschaftsverbände der nationalen Airline hatten noch ein Gegenangebot zu dem der italienischen Investoren vorgelegt und wollten dies verhandeln. Cai hatte den Gewerkschaften aber ein Ultimatum bis zum Nachmittag gesetzt, um ihren Plänen zuzustimmen. Diese sahen den Abbau von mindestens 3250 der 20.000 Alitalia-Jobs vor.

Die Gewerkschaften befürchten den Verlust von bis zu 10 000 Jobs. Italiens konservativer Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der die Rettung von Alitalia im Frühjahr zu einem zentralen Wahlkampfthema gemacht hatte, hatte die ablehnende Position der Gewerkschaften "selbstmörderisch" genannt. Er soll sich für ein Zusammengehen einer neuen Alitalia mit der Lufthansa und Air France-KLM ausgesprochen haben. Die Regierung hält einen Anteil von 49,9 Prozent an Alitalia.

"Wir stehen am Abgrund", sagte Berlusconi in einer ersten Reaktion. Er machte vor allem die starke Gewerkschaft CGIL und die Piloten für das Scheitern verantwortlich. "Wir werden sehen", sagte Berlusconi auf die Frage, ob das nun der Bankrott der Alitalia sei.

Vier Gewerkschaften hatten zunächst Zustimmung zum Rettungsplan signalisiert, der den Verkauf der profitablen Alitalia-Teile an die CAI vorsah. Die Gruppe wollte außerdem eine Milliarde Euro in die neue Airline stecken. Mit Entlassungen, Lohn- und Urlaubskürzungen und einer kleineren Flotte sollte die Fluggesellschaft wieder auf Kurs gebracht werden. Alitalia verliert derzeit täglich etwa zwei Millionen Euro. Anfang der Woche konnte die Gefahr gebannt werden, dass die Airline kurzfristig ihren Flugverkehr einstellen musste.

DPA / DPA
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