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Januar-Zahlen: Eis und Schnee forcieren Arbeitslosigkeit

Schon lange erwarten Experten einen kräftigen Anstieg der Arbeitslosenzahlen, der jedoch bislang ausblieb. Auch für den Januar befürchten Volkswirte Schlimmes - das hängt aber ausnahmsweise nicht mit der großen Krise zusammen.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist zum Jahresauftakt kräftig gestiegen. Das erwarten zumindest Volkswirte. Im Januar seien rund 3,63 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit gewesen, rund 350.000 mehr als im Dezember und 150.000 mehr als ein Jahr zuvor. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unter Volkswirten deutscher Großbanken, die die Deutsche Presse-Agentur (DPA) durchführte. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit am kommenden Donnerstag in Nürnberg bekanntgeben. Auch im Dezember hatten die Ökonomen einen kräftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet, die dann aber deutlich geringer gestiegen war als befürchtet.

Der Grund für die jetzt prognostizierte starke Zunahme sei fast ausschließlich der frostige und schneereiche Winter, betonten die Experten. Auf vielen Baustellen und im Landschafts- und Gartenbau ruhe deshalb die Arbeit. Auch in anderen witterungsabhängigen Branchen trennten sich Firmen zeitweise von ihren Mitarbeitern, die dann vorübergehend arbeitslos würden. "Der Januar ist immer der Höhepunkt des saisonalen Arbeitslosenanstiegs im Jahr", gab HypoVereinsbank-Volkswirt Alexander Koch zu bedenken.

OECD kritisiert die Förderung von Kurzarbeit

Die Wirtschaftskrise wirke sich im Januar kaum aus, unterstrichen die Experten nahezu übereinstimmend. Noch immer puffere der hunderttausendfache Einsatz von Kurzarbeit und andere Formen der Arbeitszeitverkürzung die Konjunkturprobleme ab. Daher liege der Anstieg der Januar-Arbeitslosigkeit unter dem entsprechenden Vorjahresniveau.

Allerdings sieht das Bündnis der Industriestaaten OECD die Kurzarbeit in Deutschland mit Skepsis und hat sogar eine Ausstiegsstrategie angeregt. "Monat für Monat wächst die Gefahr, dass die Nachteile der Kurzarbeit die Vorteile übersteigen", sagte Chefökonom Pier Carlo Padoan im Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin "Capital". Das gelte für die hohen Kosten genauso wie für die Verzerrungen am Arbeitsmarkt und den künstlichen Erhalt von Jobs. Auch wenn sich der deutsche Arbeitsmarkt wegen der massiv geförderten Kurzarbeit "beeindruckend" präsentiere, dürfe man die Gefahren nicht aus den Augen verlieren. "Die Subventionen in Form von Kurzarbeit sind eine Wette auf einen schnellen und kräftigen Aufschwung ­ und ob der kommt, ist vorsichtig formuliert fraglich." Es sei an der Zeit, über das Ende der Kurzarbeit nachzudenken.

Vier Millionen Arbeitslose werden wohl nicht erreicht

Die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wird nach Einschätzung von DZ-Bank-Volkswirt Philipp Jäger davon abhängen, "ob sich der zarte Ansatz einer Aufwärtsentwicklung im Jahr 2010 zu einem selbsttragenden Aufschwung entwickeln wird". Für den Deutsche-Bank-Experten Stephan Bielmeier ist dabei klar: "Wenn die Konjunktur im Laufe dieses Jahres nicht anspringt, dann werden die Unternehmen gezwungen sein, die Kurzarbeit abzubauen und einen Teil ihrer Leute zu entlassen". Derzeit schreckten viele Firmen aus Angst vor einem Fachkräftemangel wie nach dem letzten Aufschwung davor zurück, meint Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld.

Die Fachleute rechnen daher für 2010 mit einer weiteren Zunahme der Arbeitslosigkeit. Allerdings werde es immer unwahrscheinlicher, dass dabei die Vier-Millionen-Marke überschritten wird. Im Jahresdurchschnitt 2010 dürfte die Arbeitslosigkeit zwischen 3,6 bis 3,8 Millionen liegen. Die Bundesagentur für Arbeit geht bislang von einem Wert von 4,1 Millionen aus, kündigte aber bereits eine Korrektur ihrer Prognose an.

Im Dezember 2009 war die Zahl der Jobsuchenden um 60.000 auf 3,276 Millionen gestiegen. Dies entspricht einem Plus von 173.500 im Vergleich zum Vorjahr. Die Arbeitslosenquote nahm im Dezember um 0,2 Punkte auf 7,8 Prozent zu. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 7,4 Prozent gelegen.

DPA / DPA