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Jenoptik-Chef von Witzleben: "Für eine Sonderwirtschaftszone Ost ist es zu spät"

Jenoptik-Chef von Witzleben: "Für eine Sonderwirtschaftszone Ost ist es zu spät"

Hamburg - Der Vorstandsvorsitzende der Jenoptik AG, Alexander von Witzleben, spricht sich dagegen aus, eine Sonderwirtschaftszone Ost für die neuen Bundesländer einzurichten. "Dazu ist es zu spät", sagte von Witzleben in einem Interview in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern. Es komme jetzt vielmehr darauf an, auf die industriellen Kerne zu setzen. "Dort, wo Menschen waren, die etwas von der Industrie verstehen, ist auch etwas übrig geblieben", sagte von Witzleben. Als Highlights nannte er Dresden und Jena.

Ausdrücklich kritisierte der Chef des in Jena ansässigen Konzerns die Arbeit der nach ihrem Vorsitzenden benannten Dohnanyi-Kommission, die im Regierungsauftrag die Erfolge des Aufbaus Ost überprüft und kritisch beurteilt hat: "Statt schnelle Urteile über den Aufbau Ost abzugeben, rate ich abzuwarten, bis sich die gute Infrastruktur voll auswirkt." Die Befunde seien "zu schwarz gemalt". Vieles davon habe sich angehört, als sei Ostdeutschland "eine leerstehende Katastrophe". Von Witzleben: "Ich kann nicht erkennen, was Herrn von Dohnanyi zum Experten macht."

Zugleich räumte von Witzleben im stern ein, dass es neben prosperierenden Regionen in Ostdeutschland auch künftig Regionen geben werde, "die weiter Bevölkerung verlieren". Die vom Grundgesetz angestrebten gleichen Lebensverhältnisse für alle ließen sich "flächendeckend nicht realisieren". Von Witzleben zum stern: "Die Politik sollte vielleicht über eine Änderung des Grundgesetzes nachdenken."