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Sonderwirtschaftszone Kaesong: Nordkorea mauert weiter

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel bleibt angespannt: Am Sonntag hat der Norden ein Gesprächsangebot des Südens abgelehnt. In Japan warnte ein Beamter versehentlich vor einem Raketenabschuss.

Im Korea-Konflikt zeigt sich der Norden weiter unversöhnlich: Am Sonntag hat Pjöngjang ein Angebot des Südens zurückgewiesen, über die Zukunft der gemeinsamen Sonderwirtschaftszone Kaesong zu sprechen. Das Gesprächsangebot sei eine "leere" und "bedeutungslose" politische Geste, sagte ein Sprecher des nordkoreanischen Komitees für die friedliche Wiedervereinigung Koreas der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Damit wolle der Süden seine wahre Absicht verschleiern, in den Norden einmarschieren zu wollen.

Der Beamte nannte zudem die gemeinsamen Militärübungen Südkoreas mit den USA sowie die Forderungen nach einem Ende des nordkoreanischen Atomprogramms als Hindernisse für einen Dialog über Kaesong. "Wenn der Süden es ernst meint mit den Gesprächen, sollte er zunächst die konfrontative Haltung aufgeben", sagte der Sprecher.

Im Zuge der aktuell angespannten Lage auf der koreanischen Halbinsel hatte Nordkorea zunächst südkoreanischen Arbeitern die Einreise in die gemeinsam von beiden Staaten betriebene Sonderwirtschaftszone, die in Nordkorea liegt, untersagt. Anschließend zog Pjöngjang seine eigenen 53.000 Arbeiter aus dem Industriekomplex ab und kündigte die vorübergehende Schließung der Anlage an. Seoul forderte Pjöngjang am Donnerstag auf, an den Verhandlungstisch zu kommen. Seit der Einrichtung der Sonderwirtschaftszone 2004 überstand der Komplex bislang beinahe jede Krise zwischen den verfeindeten Nachbarstaaten.

Japaner verbreitet Falschmeldung

Wie angespannt die Lage in der Region ist, zeigt eine Meldung aus der japanischen Stadt Osaka: Am Samstag meldete ein Beamter der Luftfahrtsbehörde fälschlicherweise einen Raketenabschuss durch Nordkorea. Wie das Verkehrsministerium mitteilte, wollte der Mann eigentlich eine Warnung wegen des Erdbebens an die Flughäfen verschicken, das am Samstag den Westen des Landes erschütterte. Stattdessen versendete er versehentlich eine Alarmmeldung, die in Erwartung eines möglichen nordkoreanischen Raketenstarts im System vorbereitet lag. 87 Flughafenbüros landesweit waren von der Falschmeldung betroffen. Zwar wurde diese nach sechs Minuten zurückgezogen, doch wurde mindestens ein Inlandsflug wegen des Fehlers verschoben. Es ist der zweite Vorfall dieser Art innerhalb weniger Tage: Bereits am Mittwoch hatte die Stadt Osaka versehentlich einen nordkoreanischen Raketenabschuss vermeldet.

US-Außenminister John Kerry bemüht sich indes um Deeskalation: Am Sonntag traf der Politiker nach seinem China-Besuch in Japan ein. In Tokio will Kerry mit seinem Kollegen Fumio Kishida zusammenkommen, um den weiteren Umgang mit den anhaltenden Drohungen aus Nordkorea zu diskutieren. Der japanische Verteidigungsminister Itsunori Onodera erklärte, er erwarte eine klare Botschaft von Kerry und Kishida an Nordkorea. Das abgeschottete Land müsse sein Atom- und Raketenprogramm aufgeben.

Nordkorea hatte nach einem neuerlichen Atomtest im Februar in den vergangenen Wochen wiederholt Angriffsdrohungen gegen Südkorea und die USA ausgesprochen. Am Freitag drohte die Führung des kommunistischen Landes Japan mit einem Vergeltungsschlag, sollte sich Tokio in einen möglichen Konflikt auf der koreanischen Halbinsel einmischen. Am Samstag war Kerry in Peking mit hochrangigen chinesischen Politikern zusammengetroffen: Beide Seiten gaben zu verstehen, Nordkorea an den Verhandlungstisch zurückholen zu wollen und beschwörten einhellig das einstige, langfristige Ziel einer atomaren Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel.

jwi/DPA/AFP / DPA