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Industriezone Kaesong: Nordkorea hungert Gewerbepark aus

Seit zwei Wochen liegt die Sonderwirtschaftszone Kaesong zwischen Nord- und Südkorea brach. Nur wenige Südkoreaner kümmern sich noch um die Fabriken. Doch der Norden lässt keinen Proviant mehr durch.

Der stillgelegte Gewerbepark Kaesong in Nordkorea sorgt weiter für Streit zwischen Seoul und Pjöngjang. Nordkorea verweigerte südkoreanischen Geschäftsleuten die Einreise, die ihren rund 200 in der Sonderwirtschaftszone verbliebenen Landsleuten Proviant und Arzneimittel bringen wollten. Angesichts der Kriegsdrohungen Nordkoreas in den vergangenen Wochen rief Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye die internationale Gemeinschaft zu einer geschlossenen Haltung gegen die Führung in Pjöngjang auf.

Der Weg ins grenznahe Kaesong ist schon seit zwei Wochen versperrt. Der kommunistische Norden hatte allen südkoreanischen Pendlern die Einreise untersagt, jedoch nicht ihre Ausreise blockiert.

Südkoreaner kümmern sich um Fabriken

Den Einreise-Antrag der Delegation habe Pjöngjang mit dem Vorwurf abgelehnt, für die angespannte Lage sei allein Südkorea verantwortlich, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul mit. Die Entscheidung sei bedauerlich. Es habe sich um eine "humanitäre Aktion" gehandelt. Die Produktion in dem Industriekomplex steht still, seit Nordkorea auch alle etwa 53.000 Arbeiter aus dem eigenen Land von dort abgezogen hat. Sie hatten für 123 Unternehmen aus Südkorea gearbeitet.

Die verbliebenen Südkoreaner kümmerten sich um die verwaisten Fabriken, sagte eine Ministeriumssprecherin. Doch hätten sie Schwierigkeiten mit der Versorgung. Der Gewerbepark ist das letzte Großprojekt zwischen beiden Staaten. Der zugespitzte Konflikt um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm bedroht dessen Zukunft.

Teufelskreis aus Verhandlungen und Hilfslieferungen

Südkoreas Präsidentin sagte laut einer Sprecherin, Nordkorea müsse sich entscheiden, ob es weiter von der Außenwelt isoliert bleiben oder ein verantwortungsvolles Mitglied der Staatengemeinschaft werden wolle. Das gehe nur, wenn die Welt mit einer Stimme sprechen. Park sprach vor Botschaftern mehrerer Länder, unter anderen Deutschland, Dänemark, Neuseeland und Kanada.

Nordkorea dürfe zudem nicht für schlechtes Verhalten belohnt werden, bekräftigte Park. Der Teufelskreis aus ständig neuen Verhandlungen und Hilfslieferungen, nur weil Nordkorea immer wieder neu drohe und provoziere, müsse durchbrochen werden. Nordkorea hatte zuletzt Dialogangebote Südkoreas und der USA zurückgewiesen. Beiden Ländern warf Pjöngjang "listige Tricks" vor.

Die Lage in der Region gilt seit dem dritten nordkoreanischen Atomtest im Februar als extrem gespannt. Pjöngjang hatte angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanischer Militärübungen unter anderem den Waffenstillstandsvertrag von 1953 gekündigt, den USA einen präventiven Atomschlag angedroht und im Verhältnis zu Südkorea den "Kriegszustand" ausgerufen.

tkr/DPA / DPA